"Mission: Impossible"

Die Klinikchefs Ludwig Lederle (rechts) und Dr. Joachim Klasen werden ihren Vertrag nicht verlängern.

„Es ist eine „Mission: Impossible“. Dieses Fazit ziehen die beiden noch amtierenden Vorstände, Ludwig Lederle und Dr. Joachim Klasen, im Redaktionsgespräch am 9. Oktober mit Blick auf die aktuelle Lage im Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren (KU). So herrsche im Unternehmen unter den bestehenden Rahmenbedingungen eine Perspektivlosigkeit, da dringend nötige Strukturveränderungen aufgrund einer „Beschlussunwilligkeit“ einfach nicht umgesetzt werden. Beide zogen daher kürzlich für sich die Notbremse und kündigten ihren bis zum 31. Dezember dieses Jahres laufenden Vertrag auf. Eine Verlängerung kommt für beide unter den gegebenen Umständen nicht in Frage. Zumal sich laut Klasen und Lederle auch für nächstes Jahr ein Defizit in „großer Millionenhöhe“ abzeichnet.

Dabei verbindet sowohl Lederle als auch Klasen nach eigenem Bekunden eine enge Bindung mit den Kliniken. Zusammen bringen beide ein Vierteljahrhundert zusammen, in dem sie für die Häuser tätig sind. „Diese Verbundenheit zum Unternehmen war es auch, was uns damals veranlasst hat, diese Posten zu übernehmen, trotz der brisanten Lage (Der damaligen Klinikchefin Dr. Susanne Schlichtner war gekündigt worden, weil sie unter anderem keine Jahresbilanz vorlegen konnte.)“, erklärte Lederle. Doch auch die nähere Zukunft habe sich nicht zu Gunsten des KU entwickelt. Die einstige Aufbruchstimmung, die mit dem Kienbaum-Gutachten begonnen hatte, sei durch den Bürgerentscheid und die politischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Geschäftspartnern Stadt Kaufbeuren und Landkreis torpediert worden, infolge dessen sinnvolle Weichenstellungen für richtungsweisende Entscheidungen einfach ausblieben. Ein Grund hierfür sehen beide in den „Störfeuern der Politik bezogen auf das operative Geschäft“. Dies hätte immer wieder „sinnvolle Reformbemühungen, wie von diversen Gutachtern vorgeschlagen, zunichte gemacht“. Lederles und Klasens Kritik richtet sich insbesondere an den Kliniken-Verwaltungsratsvorsitzenden Johann Fleschhut, der aus ihrer Sicht, „klare Signale“ vermissen lässt. So lägen Fleschhut laut Lederle bereits seit Januar Pläne vor, wie man den Neubau in Füssen vorantreiben kann. „Eine uns bekannte Entscheidung darüber liegt bis heute nicht vor“, betont Lederle. „Wir haben immer wieder Impulse gegeben und die Fakten auf den Tisch gelegt – Entscheidungen sind aber nicht getroffen worden.“ Stattdessen würden jetzt wild Einsparungen im Unternehmen vorge- nommen, die letztlich vom prognostizierten Defizit für 2012 von rund neun Millionen Euro wenig abtragen werden, stattdessen aber kräftig auf den Rücken der Beschäftigten drücken. „Es bestehen einfach konservierte Strukturen, die wirtschaftlich völlig ineffizient sind“, so Lederle. Wenn selbst der Personalrat des Klinikum Kaufbeuren in einem Schreiben an Fleschhut „drastische Strukturveränderungen im Unternehmen“ fordert, spreche dies für sich, resümiert der Klinikchef. Reaktionen sprechen eine klare Sprache Fleschhuts Wunsch nach stetig wachsenden Patientenzahlen (wir berichteten) jedenfalls gehe an der Realität vorbei, heißt es im Schreiben des von Lederle angeführten Personalrats. Demnach habe man nachweislich bereits einen prozentual höheren Anteil an Klinikpatienten als andere Regionen. Auch eine Ausweitung der Leistungen mit reduziertem Personal scheint laut dem Schreiben des Personalrats fraglich: „Wie soll dieser Ansatz bei Stellenabbau mit gleichzeitig angeordnetem drastischen Überstundenabbau funktionieren?“ Unklar bleibt für den Personalrat auch der Umstand, wie ein neues Management das Unternehmen aus der Krise führen soll, wenn der Landrat festgelegt hat, alle Standorte zu erhalten und auszubauen: „Welchen Handlungsspielraum sollen die künftigen Klinikchefs haben, bei so unverrückbaren Eckpunkten?“. Klasen und Lederle fühlen sich auch in der Absage des anvisierten Managers, der die Klinikführung ab 2013 übernehmen sollte (wir berichteten), in ihrer Ansicht bestätigt: „Diese Absage und die daraus resultierende Not, jemanden für diese Aufgabe zu finden, spricht eine klare Sprache und lässt tief Blicken. Offenbar sehen nicht nur wir in der derzeitigen Situation keine Perspektive für das KU“. Aus ihrer Sicht gibt es nur zwei Wege: Entweder, man betrachte es als Wirtschaftsunternehmen, das Profit machen muss – dann aber mit den entsprechenden einschneidenen Strukturreformen – oder eben als in der Fläche verhaftetes Konstrukt, bei dem nicht die Wirtschaftlichkeit im Fokus steht, sondern eine flächendeckende medizinische Versorgung. Hier müsse man dann aber auch das Defizit, das damit einhergeht, akzeptieren, so Klasen. Eine Zwischenlösung sei seiner Ansicht nach nicht möglich. Auch der von Fleschhut angeführte Vertrauensverlust der Patienten und niedergelassenen Ärzte sei aus Sicht der Klinikchefs nur eine Konsequenz aus den Ereignissen: Die Klinikdebatte sei nicht förderlich gewesen. Sie habe nichts mit der fachlichen Qualität der Ärzte und des Personals zu tun. Es sei vielmehr die politische Auseinandersetzung, in deren Schatten Abwanderungen normal seien. Dies sehe man vor allem an den Häusern in Obergünzburg und Buchloe, wo das Vertrauen fehlt. Kaufbeuren indes kann heuer einen Zuwachs von 4.000 Patienten gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Auch Füssen habe leicht zugelegt und in Marktoberdorf laufe das OP-Zentrum gut, so Klasen. Keine Signalwirkung gehabt Mit ihrer Kündigung jedenfalls wollten die beiden Klinikchefs auch ein Signal setzen, welches jedoch offenbar verhallt ist. So blieb auch ein von Lederle und Klasen anvisiertes klärendes Gespräch mit Fleschhut, bei dem sie die Gründe für ihren Rückzug nennen wollten, laut eigener Aussage durch den Verwaltungsratsvorsitzenden unbeantwortet. Die Art jedenfalls, wie auf dem Rücken der Beschäftigen aktuell agiert werde, sei ausschlaggebend für ihre Kündigung gewesen. „Wir können uns nicht schützend vor unsere Mitarbeiter stellen, da aktuell keine praktikable Perspektive aufgezeigt werden kann: „Es gibt zum Status quo keine Richtungsänderung – wir erhöhen lediglich die Geschwindigkeit, mit der wir das KU gegen die Wand fahren“, so Lederle. Er selbst und Klasen werden in ihren alten Positionen im KU zurückkehren und dem Unternehmen weiter treu bleiben, da sie laut eigenem Bekunden trotz allem an eine Zukunft des Unternehmens glauben.

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