Vertreterversammlung VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu

„Mit Fusion fit für die Zukunft“

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Vorstandssprecher Dr. Hermann Starnecker erinnerte an das Werk des vor 200 Jahren geborenen Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen Genossenschaftsidee nach wie vor großen Zuspruch erfahre.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Die Veranstaltung selbst hatte Routine-Charakter, doch die wesentliche Neuigkeit rangierte am Ende der Tagesordnung in der Vertreterversammlung für die VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu: der aktuelle Sachstand zu einer geplanten Fusion mit der Augusta-Bank eG Raiffeisen-Volksbank in Augsburg (wir berichteten).

Sowohl Vorstandssprecher Dr. Hermann Starnecker als auch Aufsichtsratsvorsitzender Karl Ludwig Bihler warben vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen im Finanzsektor für die angestrebte Fusion, welche „die Bank für die Zukunft fit“ mache. Beispiele für die zukünftigen Herausforderungen skizzierte Starnecker und Vorstandskollege Christoph Huber erläuterte das trotz schlechter Rahmenbedingungen aus Sicht der Bank erfolgreiche Geschäftsjahr im Detail, welches den Mitgliedern drei Prozent Dividende beschert.

103 Vertreter und zahlreiche Gäste, darunter Oberbürgermeister Stefan Bosse und viele Bürgermeister der Umlandgemeinden, waren der Einladung gefolgt und ließen sich über aktuelle Themen sowie die Geschäftszahlen des Jahres 2017 informieren. Der Aufsichtsratsvorsitzende eröffnete die Veranstaltung und führte als Versammlungsleiter durch den Abend. In einem Grußwort lobte der OB die 150-jährige, trotz bewegter Zeiten, stets positive Entwicklung der Genossenschaftsbank für ihren „wirtschaftlichen Erfolg und die Stabilität in der Region“. In seiner kommunalen Funktion bei der Sparkasse sehe er zwar „eine gesunde Konkurrenz“ zwischen den Banken, die aber in den „wesentlichen politischen Dingen übereinstimmten“ und immer wieder die Frage auftauche, ob man nicht doch irgendwann „vielleicht noch mehr gemeinsame Wege zurücklegen“ könne. „Denn“, so fügte Bosse launig hinzu, „mittlerweile gibt es schon einen gemeinsamen Geldautomaten.“ „Mit diesen Worten könnte man fast schon Geschichte schreiben“, bedankte sich der Aufsichtsratsvorsitzende schmunzelnd beim OB, „wir werden sie uns gut merken.“

Digitalisierung

Eines der Hauptthemen war der Bericht von Vorstandssprecher Dr. Hermann Starnecker über Neuigkeiten aus der VR Bank. Einen Schwerpunkt bildete hier das Thema Digitalisierung und das veränderte Kundenverhalten. Zum ersten Mal konnten die Vertreter der Bank interaktiv ihre Einschätzung zu bestimmten Fragen abgeben: über einen eigens eingerichteten Zugangspunkt per TED mit dem Smartphone, was breite Zustimmung fand. Dabei zeigte sich, dass die Internetseite der VR Bank mit 125.000 Aufrufen pro Monat die meistbesuchte „Geschäftsstelle“ war. Auch von Anwesenden hatten ein Drittel ihren letzten Kontakt über das Internet und der Kundenservice in Pfronten im letzten Jahr 230.000 telefonische Anfragen (2014: 93.000).

„Vielfältige Wege“

„Bankgeschäft immer und überall – die Kunden wünschen sich vielfältige Wege der Kommunikation. Das ist wirklich ein Trend, der vom Kunden ausgeht, nicht von uns als Bank“, betonte der Vorstandsprecher. „Unsere Aufgabe ist es, diesem veränderten Kundenverhalten zu folgen.“ Aus diesem Grund wird die VR Bank in diesem Jahr in einigen Geschäftsstellen die Öffnungszeiten anpassen. „In unsere kleinen Geschäftsstellen kommen am Vormittag manchmal nur fünf Kunden – dafür können wir die Stelle nicht drei Stunden mit Personal betreiben.“ Es würden jedoch alle Stellen erhalten bleiben, aber mit anderen Öffnungszeiten. Alternativ hat die Bank gemeinsam mit dem Flughafen München einen VideoService entwickelt, um ihren Service auch zu erweiterten Öffnungszeiten bieten zu können. Dabei kann der Kunde über einen großen Monitor live mit einem Mitarbeiter kommunizieren, jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. Derzeit testet die VR Bank den bereits mit zwei Preisen versehenen Service an vier Standorten: in Rieden, Wertach, Marktoberdorf und Neugablonz. Ein attraktives Angebot der Bank für die 15- bis 25-jährigen wurde von drei Mitarbeitern der Jugendauszubildenden-Vertretung vorgestellt: VREE, das Konto mit besonderen Vorteilen und attraktiven Gewinnspielen.

Vorstand Christoph Huber machte deutlich, dass ungeachtet der um 6,7 Prozent gestiegenen Bilanzsumme der Bilanzgewinn im dritten Jahr in Folge hingegen gesunken war, von 1,79 Milliarden auf 1,62 Milliarden Euro. Durch die EZB-Politik sei auch im kommenden Jahr mit weiter sinkenden Erträgen zu rechnen. Ein Wachstum war dagegen trotz Nullzinsumfeld sowohl im Kreditgeschäft als auch bei den Kundeneinlagen zu verzeichnen. „Hier zeigt sich, unsere Kunden wissen die gute Beratung zu schätzen“, so Huber.

Gründe für Fusion

„Wir wollen Kräfte bündeln, wettbewerbsfähig bleiben und mit neuen Chancen die Zukunftsfähigkeit sichern“, so Starnecker eingangs seiner Ausführungen zur geplanten Fusion und verwies auch auf bereits in der Vergangenheit vollzogene Fusionen. Zunehmende Regulatorik, sich permanent ändernde Vorschriften und die Digitalisierung seien Herausforderungen, die mit der Augusta Bank als Partner bewältigt werden könnten. Unabhängigkeit und Regionalität würden gesichert sowie Kostendruck und Erlös ausgeglichen. Er machte deutlich, dass die VR Bank übernehmende Bank sei, insgesamt aber keine neue „Großbank“ entstehe, sondern eine „eher kleine, regionale Bank“ bleibe, in der es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe.

Der vorgestellte Zeitplan für eine Fusion sieht vor, dass in zwei Vertreterversammlungen im Herbst 2018 und Frühjahr 2019 über die weiteren Schritte informiert wird, bevor im Mai 2019 über die Fusion abgestimmt wird, bei der eine 75-prozentige Zustimmung der Vertreter erforderlich ist. Auf Nachfrage eines Vertreters bildet die vorgesehene neue Bezeichnung „VR Bank Augsburg-Ostallgäu eG“ nach Starneckers Worten die wesentlichen Geschäftsbereiche der neuen Genossenschaftsbank ab.

Die Mitgliedervertreter entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat und stimmten der Dividendenzahlung zu, die für 2017 bei 3,0 Prozent und damit noch immer deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegt. Im Rahmen der von Verbandsrevisor Ekhard Ulmer geleiteten Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Georg Haggenmüller (Unterthingau), Martin Mielich (Schwangau), Georg Ruf (Pfronten), Wolfgang Stöger (Rieden) und Clemens Suntheim (Wertach) ebenfalls einstimmig erneut in den Aufsichtsrat gewählt.

von Wolfgang Becker

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