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In der Mitte der Gesellschaft

Feierliche Einweihung der Beratungsstelle „Luag nei“

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Das Team der Beratungsstelle: Uschi Moser (Ambulant Begleitetes Wohnen; v. li.), Manuel Richter (Migrationsberatungsstelle), Ben Lutz (Ambulante Familienhilfen), Selina Senftl (Leitung Offene Hilfen) und Manuela Pohle (Leitung Ambulant Begleitetes Wohnen).

Kaufbeuren – „Raus aus der Kuschelecke – mitten rein ins echte Leben“, das sei das Ziel der Lebenshilfe Ostallgäu gewesen, so ihr Vorsitzender Hans Raabe, als sie sich dafür entschied, die Räume der ehemaligen Ringapotheke in Kaufbeuren zu einer Beratungsstelle umzugestalten.

Nun wurden die Räume feierlich eingeweiht. Musikalisch umrahmt von einem „Inklusionstrio“ der Kulturwerkstatt setzten sich die Gäste mit der Frage auseinander, was dafür nötig ist, dass sich Menschen mitten in der Gesellschaft angenommen fühlen. Dies galt insbesondere für die Teilnehmer des Podiumsgesprächs. Aber auch alle anderen bekamen zu Beginn eine Impulsfrage ausgehändigt: „Total normal – was (be-)hindert Dich daran?“.

Den Veranstaltern war es dabei wichtig, dass auch Menschen mit Behinderung selbst zu Wort kommen und nicht nur über sie geredet wird. Dies unterstrich auch Oberbürgermeister Stefan Bosse, der darauf hinwies, wie wichtig es sei, ein feines Sensorium für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zu entwickeln. Pauschalen Patentlösungen erteilte er eine klare Absage: „Die Menschen müssen selber entscheiden können, was gut für sie ist.“ Als Vertreterin der Menschen mit Behinderung schilderte dann Anna Schlechter, dass sie sich zwar grundsätzlich sehr wohl in Kaufbeuren fühle, sie auch den Eindruck hat ein recht selbstbestimmtes Leben zu führen, dass es aber doch Orte und Veranstaltungen gibt, zu denen sie sich nicht hintraut.

Hannah Rieger, die bei der Lebenshilfe für die kulturelle Aktivierung und Teilhabe zuständig ist, wies darauf hin, dass bei der Inklusion die Menschen ohne Behinderung nicht vergessen werden dürften. Oft gebe es Ängste und Unsicherheiten, die es beiden Seiten schwer machten, miteinander umzugehen. Dies ist insofern von großer Bedeutung, weil, wie Werner Maurer vom Jugendamt Kaufbeuren erklärte, Vernetzung und Kooperation in der Jugendhilfe eine immer größere Rolle spielt.

Für diese Aufgaben sieht sich die Lebenshilfe gut gerüstet. In der neuen Beratungsstelle finden zum einen Menschen mit Behinderung Unterstützung, etwa wenn es um selbstbestimmtes Wohnen, Freizeit oder eine nötige Assistenz geht. Ganz neu wurde eine Migrationsberatungsstelle eingerichtet, die sich speziell an Menschen mit Behinderung aus anderen Kulturkreisen richtet. Aber auch Menschen ohne Behinderung finden Rat und Hilfe: Etwa Familien mit Erziehungsproblemen oder Eltern mit einem behinderten Kind, für das sie während ihrer Abwesenheit eine Betreuung benötigen.

Als Brücke zur Eingangsfrage, was die Gäste am „Normalsein“ (be-)hindert, zitierte Moderatorin Simone Dopfer zum Abschluss den Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Es ist normal verschieden zu sein! Es gibt keine Norm für das Menschsein“.

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