Mittelaltermarkt in Unterthingau rund ums Rote Schloss zieht zahlreiche Besucher an

Zeitreise ins Mittelalter

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Die Kinder konnten dem bösen Drachen auf den Leib rücken.

Unterthingau – Eine Zeitreise ins Mittelalter wurde am vergangenen Wochenende in Unterthingau möglich. Rund ums „Rote Schloss“ tummelten sich bei schönstem Wetter Ritter, Gaukler, Musi- kanten und fahrende Händler.

Es schien, als ob die Neugier und besonders auch der Duft von Gebratenem eine magische Anziehungskraft auf die Menschen des 21. Jahrhunderts ausübt, denn hunderte von "Zeitreisenden" ignorierten beim Unterthingauer Mittelaltermarkt am vergangenen Wochenende sogar die Gefahr, an den Pranger gestellt zu werden. Die gute Witterung begünstigte den Ausflug ins Mittelalter und sorgte dafür, dass das Reisegepäck klein gehalten werden konnte. 

Wie schnell es im Mittelalter gehen konnte, mit der Obrigkeit in Konflikt zu geraten, mussten die zwei Jugendlichen Andreas und Julian am eignen Leib erfahren. Sie standen im Verdacht, Alkohol zu sich genommen zu haben – wenn auch in geringen Mengen. Sofort wurden sie von den beiden Schergen des Büttels ergriffen und an den Pranger gestellt. Nur dem Zuspruch des Mönches Gerhard, der den beiden die Beichte abgenommen hatte, war es zu verdanken, dass die beiden relativ schnell wieder auf freien Fuß kamen, um am Markttreiben weiter teilzunehmen. Geldwechsler brauchten an den beiden Tagen nicht bemüht zu werden, denn der mittelalterliche Taler war problemlos austauschbar mit dem modernen Euro. 

Dass der Marktgemeinde auch die Kinder am Herzen liegen, war nicht zuletzt an der Preisgestaltung beim handbetriebenen Kinderkarussell abzulesen. So erklärte Betreiber Dieter Steiner aus Alzenau, dass es den Subventionen der Gemeinde zu verdanken sei, dass man trotz des bauartbedingt hohen Personalaufwandes den Fahrpreis auf „eineinhalb Taler“ beschränken konnte. Das Karussell sei in den 1980er Jahren nach alten Zeichnungen und eigenen Ideen gebaut worden, erklärte Dieter Steiner stolz. 

Obwohl das Markttreiben stark vom Angebot rund ums leibliche Wohl geprägt war, gab es nicht nur viel zu sehen, sondern auch selbst anzupacken. So konnten sich Kinder und Erwachsene im Schmiedehandwerk und als Papiermacher versuchen, oder einem Korbflechter, den altertümlichen Tischlern und einem Glasbläser bei der Arbeit zusehen. Darüber hinaus bot sich für Jung und Alt am Bogenschießstand die Gelegenheit, Robin Hood oder auch Wilhelm Tell nachzueifern. 

Leicht erhöht, wie es sich für einen Edelmann gehört, hatte Ritter Kunibert sein Lager aufgeschlagen, um eine Auszeit vom mittelalterlichen Kampfgetümmel zu nehmen. Dabei hat sicher nicht nur er die vielen Darbietungen der Sänger und Gaukler genossen, die das Unterhaltungsprogramm abrundeten. 

Leider werden nun wieder drei Jahre vergehen, ehe sich das Zeitfenster für die Zeitreise wieder öffnet. von Klaus Bauer

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