Mittelschule soll im neuen Schuljahr komplett mit Luftfiltergeräten ausgestattet werden

Schulschließungen unbedingt verhindern

Mittelschule Marktoberdorf
+
An der Mittelschule Marktoberdorf sollen zu Schuljahresbeginn alle Klassenräume mit Luftfiltern ausgestattet sein.
  • Felix Gattinger
    VonFelix Gattinger
    schließen

Marktoberdorf – Nach einer intensiven und teilweise emotionalen Diskussion hatte sich der Verband der Marktoberdorfer Mittelschule in seiner jüngsten Sitzung mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen, alle Klassenzimmer der Mittelschule schon zu Beginn des neuen Schuljahres mit Luftfilteranlagen auszustatten.

Das Gremium folgte damit einer kurzfristigen Vorgabe der bayerischen Staatsregierung. Deren Forderung nach Luftfilteranlagen innerhalb nur weniger Wochen hatte auf kommunaler Ebene und auch im Landkreis kon­troverse Reaktionen ausgelöst, zumal die vergaberechtlichen Hinweise zur Beschaffung erst am 14. Juli ergangen waren.

Einig war man sich in der Sitzung des Mittelschulverbandes darüber, dass die Anschaffung der Geräte eine hohe finanzielle Belastung für die Trägerschaft mit sich bringen werde. Die fünfzigprozentige Förderung des Freistaates, referierte Bauamtsleiter Ralf Baur, sei auf 1750 Euro pro Raum gedeckelt. Das ergebe bei den Räumlichkeiten der Mittelschule einen maximalen Förderbetrag von 108.000 Euro. Somit verblieben Anschaffungskosten für den Trägerverband in Höhe von circa 94.000 Euro. Die dazukommenden, nicht förderfähigen Kosten für Strom und Wartung der Geräte, so Baur weiter, dürften sich auf etwa 67.000 Euro belaufen. Vor dem Hintergrund dieser Kostenkalkulation stemmten sich einige Verbandsmitglieder gegen die sofortige Umsetzung der Vorgabe. Die Anschaffung der Luftfiltergeräte gebe keine Garantie dafür, dass es im Herbst nicht erneut zu Schulschließungen kommen werde, gab Reiner Friedl, Bürgermeister von Rettenbach am Auerberg zu bedenken und fügte hinzu: „Auf die För­dergelder, die uns für die Digitalisierung versprochen wurden, warten wir noch heute.“ Ferner führten die Gegner der Beschaffung an, dass Luftfilteranlagen in den Klassenzimmern sinnlos seien, solange sich die Kinder in den Schulbussen anstecken könnten.

Die moralische Latte hängt hoch

Der Grünen-Stadtrat Jörg Schneider sprach sich in seiner Funktion als Schulleiter klar für eine sofortige Beschaffung der Anlagen aus. Die derzeit vorgegebenen Lüftungsintervalle von 20 Minuten seien gesundheitsschädlich für die Kinder. Mit den Geräten hingegen könnte man die Abstände auf 45 bis 50 Minuten ausdehnen, die Räume also jeweils zum Stundenwechsel durchlüften, was aus Gründen der Sauerstoffzufuhr schon immer so gehandhabt werde. Über alles Ökonomische könne man sich streiten, fuhr Schneider fort, wenn man sich aber gegen eine Beschaffung der Anlagen entschiede, läge die moralische Latte sehr hoch. Denn wenn es dann im Herbst zu Schulschließungen käme, wären die Vorwürfe berechtigt, man habe nicht alles getan, um das zu verhindern. Wörtlich sagte Schneider: „Wir sind als Trägerverband in hohem Maße auch Verantwortungsträger. Ich bitte Sie, da mitzugehen.”

Unterstützung bekam Schneider von seinem Stadtratskollegen, dem praktizierenden Kinderarzt Walter Breiner (FW): „Wir Kinderärzte befürchten, dass es im Herbst wieder zu Schulschließungen kommt. Das muss um jeden Preis verhindert werden. Der Lockdown und die Schulschließungen haben nicht nur zu Lernproblemen, sondern auch zu emotionalen und psychischen Problemen geführt, bis hin zur Depression. Wir müssen der Vorgabe der Staatsregierung hier folgen, auch wenn die Regierung derzeit alles schlecht macht. Was haben wir im letzten Jahr nicht alles ausgegeben für Tests und Masken? Dagegen sind diese Ausgaben doch Peanuts! Wir haben die Kinder schlecht behandelt. Schlechter als alle anderen Gruppen und wir tun es immer noch.“

Der Schulleiter der Mittelschule Stefan Schweidler brachte die sozialen Nöte der Eltern ins Spiel. Die wiederholten Schulschließungen hätten bei den Eltern zu einem großen Vertrauensverlust in die Politik geführt. Das dürfe sich nicht verschlimmern. Wörtlich fügte Schweidler hinzu: „Die Eltern sind am Anschlag“.

Dem Virus keinen Vorsprung lassen

Auch der Stadtrat Meinrad Seelos (Stadtteile AKTIV) sprach sich für eine sofortige Beschaffung der Anlagen aus, denn es gehe hier um die Frage: Wie bringen wir die Mittelschule durch den zweiten Pandemiewinter? Und der beginne definitiv am 1. Oktober. Auch Marktoberdorfs erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell entschied sich für die unverzügliche Anschaffung der Filter. Als Bürgermeister und Verwalter nehme er die Fachurteile der Schulleiter und Kinderärzte sehr ernst, sagte er. „Hier sind Kinder weggesperrt worden, damit Erwachsene sich nicht anstecken,” fügte Hell wörtlich hinzu. „Damit so etwas nicht wieder passiert, müssen wir tun, was möglich ist.“

Bauamtsleiter Baur unterstrich die Unverzüglichkeit des Handlungsbedarfs, indem er daran erinnerte, das alles, was die Inzidenz zeigt, immer schon zwei Wochen lang her ist. „Bei einer ordnungsgemäßen Ausschreibung von vier Wochen ohne Lieferengpässe und Verzögerung”, so Baur wörtlich, „sind Sie der Inzidenz im besten Fall um mindestens sechs Wochen hinterher.” Die angedachten Filtergeräte seien erprobte Modelle, die vielerorts seit Jahren mit messbarem Erfolg ihren Dienst täten, wie zum Beispiel in Krankenhäusern. Die Geräte seien in der Lage 1200 Kubikmeter Luft pro Stunde durchzufiltern, damit würden 99,9 Prozent der Viren abgefischt. Zudem verteilten die 2,30 Meter hohen Apparate die saubere Luft von oben aus in den Klassenräumen, wodurch diese den Kindern und Lehrern nicht direkt ins Gesicht geblasen werde.

Bezüglich des Beschaffungszeitraumes sagte Baur, er selbst könne zwar nichts versprechen, sei aber angesichts der Entwicklung guter Dinge, die Geräte rechtzeitig zum Schulanfang an den Start zu bekommen.

Meistgelesene Artikel

Gut hören und schlecht verstehen – geht das?
Kaufbeuren
Gut hören und schlecht verstehen – geht das?
Gut hören und schlecht verstehen – geht das?
Buchloe führt Sicherheitswacht ein
Kaufbeuren
Buchloe führt Sicherheitswacht ein
Buchloe führt Sicherheitswacht ein
Fahrzeugsegnung bei der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Kaufbeuren
Fahrzeugsegnung bei der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Fahrzeugsegnung bei der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Beginn des Glasfaserausbaus für schnelles Internet
Kaufbeuren
Beginn des Glasfaserausbaus für schnelles Internet
Beginn des Glasfaserausbaus für schnelles Internet

Kommentare