Marktoberdorfer Bauausschuss empfiehlt, 500.000 Euro in das Kanalsystem zu stecken

Kanal lässt Alarmglocken läuten

+
Kanalinspektion durch Befahrung mit einer TV-Kamera.

Marktoberdorf – Die Tagesordnung der jüngsten Stadtratssitzung ging buchstäblich "in die Tiefe": Thema war das Kanalnetz der Stadt. Diskutiert wurden dabei auch zwei äußerst kostenintensive Maßnahmen, die mit der weiteren baulichen Entwicklung der jeweiligen Gebiete zusammen hängen.

Man habe „eine Tagesordnung, die in die Tiefe geht“, erklärte Bürger-meister Werner Himmer anlässlich der jüngsten Sitzung des Marktoberdorfer Bauausschusses. In die Tiefe ging es dann tatsächlich in doppelter Hinsicht, denn die Ausschussmitglieder mussten sich mit dem größten Vermögensposten der Stadt, nämlich dem Kanalnetz befassen. Dabei verlangten die Komplexität der Materie und nicht zuletzt auch das enorme Kostenvolumen den Stadträten eine intensive Auseinandersetzung mit dem 200 Kilometer messenden Kanalnetz ihrer Stadt ab. 

Auch wenn das Kanalnetz im Verborgenen liegt und vom Bürger nur dann wahrgenommen wird, wenn er durch einen schlecht sitzenden Kanaldeckel beim Überfahren desselben durchgerüttelt wird, bedarf das unterirdische Labyrinth einer aufmerksamen Beobachtung. Denn nur wenn die Kommune den Nachweis einer geordneten und den gesetzlichen Anforderungen entsprechenden baulichen und hydraulischen Kanalsanierung erbringen kann, bleibe sie von Schadenersatzansprüchen bei Überflutungen durch Rückstau und von den Strafen für eine eventuelle Grundwasserverschmutzung verschont, so Stadtbaumeister Peter Münsch. Die Werterhaltung des Kanalnetzes im Sinne des Generationenvertrages sei ein weiterer Aspekt. Laut Münsch wurde deshalb hier in den letzten Jahrzehnten auch das meiste Geld investiert. Dabei sei es, so Himmer, nicht gelungen, den Haushalt der Stadtwerke merklich zu entschulden. 

Inspektion vor der Sanierung 

Vor der Sanierung steht immer eine TV-Inspektion (Kamerabe-fahrung) und ihre Auswertung. Die Inspektionen werden jährlich abschnittsweise durchgeführt. In diesem Jahr sind die Kanäle der Ortsteile Geisenried, Bertoldshofen und Hausen an der Reihe. Nur noch die Abwassersysteme von Rieder und Sulzschneid sind dann noch zu untersuchen. Die diesjährigen Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf etwa 83.500 Euro. Erst nach der Befahrung und Analyse kann schließlich die Kanalsanierung in Angriff genommen werden. Hier wird zwischen baulicher und hydraulischer Sanierung unterscheiden. Letztgenannte ist er- forderlich, wenn das Kanalsystem auf Grund seiner Dimensionierung nicht mehr in der Lage ist, das Regen- oder Abwasser abzuführen. Insgesamt hat sich in Folge der bisherigen Überwachungsmaßnahmen ein Investitionsbedarf von 3,2 Millionen Euro ergeben. Etwa 1,2 Millionen Euro wurden bereits verbaut, so dass ein Investitionsstau von ungefähr zwei Million Euro bleibe, so Münsch. Bezüglich dieser Aufwendungen bestehe, so drückte Wolfgang Schmid (FW) es aus, ein grundsätzlicher Konsens, gleichwohl wollte er wissen, ob es auch in 2014 bei der bisherigen jährlichen Investitionssumme von einer halben Million Euro bleibt. Diese sei auch in diesem Jahr für Überwachungs- und Sanierungsmaßnahmen eingeplant, versicherten darauf Bürgermeister und Stadtbaumeister. 

Riesige Investitionen erforderlich 

„Alarmglocken“ läuteten allerdings bei Klara Knestel (Grüne), als die mit der Überwachungs- und Sanierungsplanung beauftragte Firma RIWA auf ein riesiges Investitionserfordernis zu sprechen kam. 

Bereits seit 1986 taucht im Stadtrat immer wieder die Notwendigkeit eines sogenannten „Sammlers“ (größerer Kanal zur Sammlung des Wassers aus einzelnen Ableitungen) zwischen Marktoberdorf und Thalhofen auf, der allerdings bisher immer in Zusammenhang mit der Bebauung des „Gwend Süd“ gesehen wurde und der die Bebauung wegen der enormen Kosten in Höhe von 9,3 Millionen Euro wohl auch verhindert hat. Nunmehr begründete Ralph Mimler (RIWA) diesen Kanalneubau mit der Entlastung des Kanalsystems der Kernstadt. 

 Das zweite „große Vorhaben“, so Münsch, sei ein Sammler im Bereich Weibletshofener Straße/ Dieselstraße/Micheletalweg. Dieser etwa 1,8 Millionen Euro teure Kanal werde benötigt, wenn hier die bauliche Entwicklung vorangetrieben werden solle. Gleich mehrere Stadträte wollten vorsorglich ihr „Nein“ zu dem Kanal nach Thalhofen im Sitzungsprotokoll festgehalten wissen. 

Der Vorschlag von Carl Singer (FW), mittels Fördermaßnahmen noch deutlich mehr auf Regenwasserversickerung zu setzen, habe bei der Kostenplanung bereits Berücksichtigung gefunden, erklärte Mimler – außerdem sei die „Versickerung“ im Innenstadtbereich nicht einfach zu realisieren.von Klaus Bauer

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene
Gnadenfrist fürs Eisstadion?
Gnadenfrist fürs Eisstadion?

Kommentare