Ist Kaufbeuren gewappnet?

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„Wohnen am Kaiserweiher“: Am städtischen Baugebiet am westlichen Rande Kaufbeurens entstehen Wohnungen.

Kaufbeuren – Dass Kaufbeuren in den nächsten Jahren einen moderaten Zuzug erfahren wird, ist im Stadtrat unumstritten. Doch woher diese Menschen kommen, daran scheiden sich die Geister. Die Fraktion der Freien Wähler (FW) hat eine Diskussion angestoßen, indem sie bereits im Dezember einen Antrag mit Fragen stellten, die die Wohnraumsituation in Kaufbeuren behandelten (wir berichteten). Die FW erwarten eine Zuwanderung aus München und dem westlichen Umland infolge der dortigen hohen Preise. In der ersten Stadtratssitzung dieses Jahres gab es nun die Möglichkeit zur Aussprache, die reichlich genutzt wurde.

Im Vorfeld verkündete OB Stefan Bosse am Dienstag, dass zum „heutigen Stand“ 45.003 Menschen in Kaufbeuren lebten, was erfreulich sei. Der Saldo aus Zu- und Wegzügen ergab ein Plus von 594 Einwohnern im Jahr 2016, erläuterte der Leiter der Rechtsabteilung, Thomas Zeh. Doch lediglich acht Personen davon kamen per Saldo aus München (wenn man die 104 Wegzüge nach München gegen die 96 Zuzüge aus München aufwiegt). Die meisten Zuzügler kommen demnach aus dem Ostallgäu (Saldo: 132) und Schwaben (ohne Ostallgäu; Saldo: 64), sowie Oberbayern (ausgenommen München; Saldo: 74), wenn man die ankommenden Flüchtlinge und Asylbewerber außer Acht lässt. Der städtischen Verwaltung zufolge besteht also aus München kein signifikanter Siedlungsdruck nach Kaufbeuren.

Dass die meisten aus dem Umland nach Kaufbeuren kämen, sei nicht verwunderlich, sagte Bernhard Pohl, Fraktionsvorsitzender der FW. Doch es sei keine echte Veränderung, wenn man beispielsweise von Germaringen nach Kaufbeuren ziehe. Für „sehr interessant“ hält er hingegen den Zuzug aus München. In zehn Jahren würden daraus 1000 Menschen, die aus München nach Kaufbeu­ren kämen. Und dieser „Run“ würde seiner Meinung nach weiter zunehmen. Robert Klauer (KI) hingegen sprach in Richtung Pohl von „alternativen Fakten“. Es gebe schlicht keinen großen Zuzug aus München, und das müsste so anerkannt werden.

Dem generellen Zuzug müsse Kaufbeuren aber mit Wohnungsbau gerecht werden, forderte neben den FW auch SPD-Fraktionschefin Catrin Riedl. Bezahlbarer Wohnraum müsse geschaffen werden. In welchem Umfang die Stadt Neuausweisungen von Bauland in den Jahren bis 2020 plant, war auch eine Frage der FW. Hier gab das Wirtschaftsreferat an, dass rund 26 Hektar mit 1025 Wohneinheiten geplant seien. In Bahnhofsnähe können circa 275 Wohneinheiten auf einer Fläche von rund vier Hektar entstehen, heißt es weiter. Zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) befürwortete das Vorgehen der Stadt und verwies auf das Baugebiet Kaiserweiher, das auf städtischen Grundstücken entwickelt wurde. Kaufbeu­ren mache viel, man solle aber auch bedenken, dass das Stadtgebiet begrenzt sei.

Helga Ilgenfritz (SPD) bemängelte, dass an vielen Stellen statt Wohnbebauen Gewerbegebiete entstünden. Wenn der Firmensitz woanders läge, müssten die betreffenden Unternehmen hier keine Gewerbesteuer zahlen, meinte sie. Da seien Wohnblöcke doch besser. Wirtschaftsreferent Siegfried Knaak belehrte sie eines Besseren: „Die Gewerbesteuer wird nach der Lohnsumme aufgeteilt“. Wenn die Stadt nur Einkommenssteuer, aber keine Gewerbesteuer bekäme, könne die Infrastruktur nicht bezahlt werden. Kaufbeuren habe derzeit zu wenig Gewerbefläche, daher sieht Knaak in dem Ausbau der B12 eine große Chance für Gewerbeansiedlungen.

Wie aus der Bewegungsstatistik hervorgeht, liegt der Zuzugsschwerpunkt in der Altersgruppe von 20 bis 35. Dies gebe aus Sicht des Wirtschaftsreferats Rückenwind für die Familienzielstrategie. Eine markante Alterszuwanderung gebe es hingegen nicht.

Die Stadt ist der Meinung, dass Kaufbeuren mit seiner Angebots- und Marketingstrategie den richtigen Weg verfolgt. Hinweise für einen erforderlichen Strategiewechsel seien nicht gegeben, heißt es vonseiten der Wirtschaftsförderung im Rathaus.

von Martina Staudinger

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