Auftaktveranstaltung: Neues Kaufbeuren strebt Bürgerentscheid an

Profi-Eisstadion für die Stadt?

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Auftakt der Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren gegen ein Profi-Eisstadion.

Kaufbeuren – Unter dem Motto „Schützt unseren Stadtsäckel“ sammelt der Verein „Neues Kaufbeuren e. V.“ Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Ziel ist ein Bürgerentscheid für den Bau eines finanziell tragbaren Eisstadions. „Man kann Geld nicht vermehren, sondern nur einmal ausgeben“, sagte Vorsitzender Ulrich Fürst. 

Zu Beginn der Auftaktveranstaltung, zu der sich etwa 35 Interessierte eingefunden hatten, zitierte Fürst aus Medienberichten Aussagen von Oberbürgermeister Stefan Bosse und einzelnen Stadtratsmitgliedern. So habe der OB im Hinblick auf den Stadionneubau einmal gesagt „Ich hätte das Vorhaben gerne breiter abgesichert“ und Bürgermeister Gerhard Bucher habe gefordert, „Man muss dem Bürger klaren Wein einschenken“. Genau dies seien die Ziele des Vereins: „Genau das wollen wir“, bekräftigte Fürst, „dabei wollen wir den OB unterstützen.“ 

Der Vorsitzende betonte, es gehe nicht um den ESVK, es gehe um die finanzielle Zukunft Kaufbeurens. Es gebe in den kommenden Jahren genügend Pflichtaufgaben im Bereich der Schulen oder im Verkehr. Diese Leistungen sollten nicht im Vornhinein durch eine auf 20 Jahre angelegte Investition in Millionenhöhe für ein Profi-Eisstadion belastet werden. Außerdem sei die Stadt hoch verschuldet. Man hinterlasse die Schulden den Kindern und Enkelkindern. 

Lebhafte Diskussion – pro und kontra 

Das wollte Joachim Joanni, ehemaliger CSU-Stadtrat, so nicht stehen lassen. Neben den Schulden in Höhe von 28,8 Millionen Euro verfüge die Stadt über ein Guthaben von 50 Millionen Euro. Das sah Manfred Hamann ähnlich. Die Darstellungen seien zu sehr „schwarz-weiß“ und er verglich den ESVK mit einem mittelständischen Unternehmen, welches für Kaufbeuren auch Arbeitsplätze und Aufträge für das Handwerk bringe. Im Übrigen zahlten die Profis für nur zehn Prozent der Eiszeit jährlich 40.000 Euro. „Hüten Sie sich vor der Inflation von Bürgerentscheidungen, wofür haben wir gewählte Volksvertreter?“, richtete er mahnende Worte an die Initiatoren des Vereins. Ralf Nahm, ehemaliges Stadtratsmitglied für die SPD bekannte sich zum ESVK, sagte jedoch: „Wir wissen nicht, ob wir in fünf Jahren noch Profi-Eissport hier haben!“ Ihm fehle auch, welchen Beitrag der Verein leiste. Dem schloss sich Hans-Georg Pauthner an: „Der ESVK muss seine Mitglieder fragen, wie sie sich beteiligen.“ Außerdem, so Pauthner, würde die nach den Sportförderrichtlinien unzulässige Förderung des Profi-Sports durch die Gründung eines Kommunalunternehmens für den Neubau ausgehebelt. Die von Hamann dargestellte „Vorbildfunktion“ des ESVK für die Jugend sah Pauthner ebenfalls anders: „Wenn man über seine eigenen Verhältnisse lebt, ist das unverantwortlich.“ Tommy Strauß warnte dagegen, man solle die Vereine nicht gegeneinander ausspielen. 

Information als Entscheidungsgrundlage 

Ralf Leising, stellvertretender Pressesprecher des ESVK, wandte sich angesichts des immer stärker ausgeprägten Detaillierungsgrades der Dis- kussion mit einer Bitte an die Teilnehmer. Um sich ein objektives Bild machen zu können, sollte sich jeder Bürger gerade im Hinblick auf Zahlen und Daten ausführliche Informationen beschaffen. Die Frage eines Teilnehmers, was passiere, wenn der Bürgerentscheid gegen ein Profi-Eisstadion ausgehe, beantwortete Fürst wie folgt: „Wenn der Bürgerentscheid durchgeht, ist die Stadt völlig frei in ihren Planungen!“ Bastian Höbel von der Piratenpartei sagte: „Mit dem Bürgerentscheid entlastet man den Stadtrat aus der politischen Verantwortung. Dabei ist es egal, wie das Ergebnis aussieht.“ 

Die Vorstände Ulrich Fürst und Erich Pfeifer zeigten sich am Ende zufrieden: „Die Diskussionen haben gezeigt, dass Informationsbedarf bei den Bürgern besteht. Eine Entscheidung ist nur nach Kenntnis von Fakten möglich“, erklärten sie unisono. von Wolfgang Becker 

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