Monstermäßiger Animationsspaß mit Alltagsrealität

Kinokritik: "Happy Family"

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Familie Wünschmann versucht, sich näher zu kommen.

Das Familienleben ist nicht immer einfach. Schon gar nicht, wenn die pubertierenden Kinder die Eltern uncool finden, die beruflich derart unter Stress stehen, dass sie den Blick auf das Wesentliche aus den Augen verlieren. Autor David Safier skizziert in seinem Roman „Happy Family” ein unterhaltsames Szenario, in dem eine Familie erst durch eine Prise Magie wieder zueinander findet. Basierend auf dem Roman entstand der gleichnamige Animationsfilm, der mit einer geringen Abwandlung der Geschichte den Zahn der Zeit trifft.

Inhalt

Familie Wünschmann ist wahrlich nicht glücklich. Mutter Emma fürchtet um ihren schlechtlaufenden Buchladen, während ihr Mann Frank unter seinem Chef leidet und jeden Abend völlig überarbeitet nach Hause schwankt. Tochter Fee interessiert sich mehr für die Jungs als für die Schule, wodurch ihre Versetzung gefährdet ist. Ihr kleiner, hochintelligenter Bruder Max hat mit dem Schulstoff keinerlei Probleme, wird jedoch von seinen Schulkameraden gemobbt. Um endlich mal wieder etwas als Familie zu erleben, schleppt Emma ihre Lieben zu einem Kostümfest. Doch statt Spaß und Freunde erwartet die Wünschmanns eine ganz andere Überraschung: Denn die Hexe Baba Yaga verwandelt die gesamte Familie in Monster – Emma wird zur Vampirin, Frank zu Frankenstein, Fee zur Mumie und Max zum Werwolf. Als dann auch noch der charmante Graf Dracula höchstpersönlich erscheint und Emma den Hof macht, kann das Familiendrama nicht mehr schlimmer werden – oder etwa doch?!

Rezension

Produzent und Regisseur Holger Tappe („Die Konferenz der Tiere“) ist mit „Happy Family“ ein unterhaltsamer und fröhlich-bunter Animationsfilm über eine dysfunktionale Familie gelungen, die am Tiefpunkt ihrer Existenz das gemeinsame Glück findet. Bekannte Familienproblematiken werden wirkungsvoll in den sehr beeindruckenden Animationen verpackt, die nicht nur das kindliche Publikum unterhalten, sondern auch die Erwachsenen zum Lachen und Schmunzeln einladen.

Nicht nur die naturalistischen Bilder des modernen London überraschen, sondern auch die Figuren. Nicht zuletzt die drei zahmen Fledermäuse von Dracula sorgen am Rande für witzige Sequenzen, sondern auch Hexe Baba Yaga oder die esoterisch angehauchte Kollegin von Emma sorgen für hervorragende Zotten. In die wendungsreiche Story sind die Werte des Familienlebens eingebettet, die den Wünschmanns abhanden gekommen sind und mühsam wieder neu definiert werden müssen.

Als Zuschauer findet man sich selbst in den originellen Figuren wieder, die verdammt nett anzusehen sind und deren Verhalten man gut nachvollziehen kann. Der alltägliche Berufsstress, die Sorgen der Teenager und die Auseinandersetzungen mit den Klassenkameraden werden ebenso in die Handlung eingeflochten, wie der Schönheitswahn. Damit konzentriert sich der Film nicht nur auf eine banale Familiengeschichte, sondern nimmt das gesamte Umfeld der heutigen Gesellschaft ins Visier, ohne dieses zu werten. Mit einem großen Schmunzeln verlieren sich die Figuren in den detailverliebten Kulissen fern des eigenen Wohnzimmers. Mit ihnen zusammen reist der Zuschauer nach London, welches bemerkenswert real aussieht. In jeder Ecke des Films lässt sich etwas neues entdecken, wodurch die Handlung zu keinem Zeitpunkt abflacht und stets die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zieht.

Im Gegensatz zum Buch spielt die Geschichte der Wünschmanns nicht in Berlin, sondern wurde nach New York verlegt, um damit das internationale Publikum anzusprechen. Optisch herausragend ist auch das hochmoderne Heim von Dracula, das über faszinierende Gimmicks verfügt.

Mit Hape Kerkeling und Oliver Kalkhofe als die Stimmen von Dracula und seinem buckeligen Butler Renfield, sowie Ulrike Stürzbach (die deutsche Stimme von Kate Winslet und Jennifer Aniston) ist auch stimmlich für Unterhaltung gesorgt. „Happy Family“ ist ein Film für die ganze Familie, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

von Sandy Kolbuch


Infos zum Film:

Originaltitel: Happy Family

Land: Deutschland, UK

FSK: voraussichtlich 6

Regisseur: Holger Tappe

Sprecher: Hape Kerkeling, Oliver Kalkofe, Ulrike Stürzbecher, Tobias Frank, Friedel Morgenstern, Maximilian Ehrenreich u.a.

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