Moorflächen: Weiterführung des Klimaschutzprojektes nicht gesichert

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Der Unterschied: Während intakte Moore in großem Maße zur Emissionsminderung beitragen, bewirken trockene Moore genau das Gegenteil.

Ostallgäu – Mit Mooren verbinden die meisten Menschen in der Regel die Gewinnung von Torf, dessen Bedarf vor allem im Gartenbau ungeachtet groß ist. Doch es gibt auch eine andere Seite: Intakte Moore sind für den Schutz des Klimas von zentraler Bedeutung.

Dies hat die Politik erkannt und so wurden auch in Bayern schon vor über zehn Jahren entsprechende Programme für den Ankauf und die Renaturierung sowie zur Wiedervernässung von entwässerten Moorflächen aufgelegt. Das Ende 2017 initiierte EFRE-Projekt läuft nunmehr Ende 2020 aus. In seinem Bericht stellte Agraringenieur Andreas Stauss als Projektleiter dem Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt die äußerst komplexe Gemengelage dar.

Das 2008 gestartete Moorentwicklungskonzept MEK des bayerischen Landesamtes für Umwelt galt als Vorläufer eines erweiterten Moorschutzprogramms für Bayern, wonach bis 2020 mindestens 50 ausgewählte Moore renaturiert werden und dem Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken sowie der Verbesserung des Lokalklimas dienen sollten.

Ursprünglich sollte das vom Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) aufgelegte Projekt mit zwei Phasen bis 2023 laufen. Die erste reine Konzeptionierungsphase war mit einem Finanzrahmen von 335.000 Euro unterlegt, welcher zu 50 Prozent über EFRE Mittel und zu 40 Prozent im Rahmen der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) gefördert wurde. Verträge durften nicht geschlossen werden. Die weitere Förderung über 2020 hinaus ist derzeit offen. Der Kreis Ostallgäu hatte seine zehnprozentige Beteiligung bis Ende 2019 festgelegt und muss dann über seine weitere Beteiligung entscheiden. Eventuell könnten auch Lösungen über Stiftungen gefunden werden.

Bedeutung für Klimaschutz

Das Projekt steht im Fokus von zwei Seiten: dem Moor auf der einen und der Landwirtschaft auf der anderen Seite. Deutschland besteht zu rund fünf Prozent aus Moorflächen, die sich zu 95 Prozent in der landwirtschaftlichen Nutzung befinden. Viele Moore wurden trockengelegt, um die Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Doch die Entwässerung hat Folgen: Wird einem Moor das Wasser entzogen, trocknen die Torfkörper aus und Nährstoffe werden freigesetzt. Und obwohl Moorflächen nur sieben Prozent innerhalb der landwirtschaftlichen Flächen darstellen, sind sie laut Stauss aber nach neuesten Berechnungen für 37 Prozent des klimawirksamen Ausstoßes verantwortlich.

Der Unterschied: Während intakte Moore in großem Maße zur Emissionsminderung beitragen, bewirken trockene Moore genau das Gegenteil.

Der Fachmann stellte in seiner ausführlichen Präsentation die klima- und naturschutzfachlichen Ziele, aber auch die in der Landwirtschaft schwer vermittelbare Akzeptanz zur Renaturierung von Moorflächen dar. Naturnahe und intakte – das heißt durchnässte – Moore binden im Torfkörper dauerhaft enorme Mengen an Kohlenstoff, im Durchschnitt etwa die sechsfache Menge einer entsprechenden Waldfläche. Die Bewirtschaftung „nasser“ Moorflächen stößt in der Landwirtschaft aber nicht gerade auf großes Interesse. Die fehlende Akzeptanz resultiert auch mangels einer Perspektive für die Zukunft einer alternativen Bewirtschaftung. Rechtliche Aspekte wie eine Entschädigung und Nachteilsausgleich auf den Flächen sowie von investiven Maßnahmen auf den landwirtschaftlichen Betrieben (Maschinen, Tiere, Infrastruktur) spielen ebenfalls eine Rolle.

Als großen Erfolg für die Phase I bezeichnete der Projektleiter, dass das Projekt derzeit mit sechs Kooperationsbetrieben im Landkreis eng zusammenarbeitet und mit diesen Konzepte für die moorschonende Bewirtschaftung von Betriebs- und Flächenanteilen ausarbeitet. Ein Ziel ist, die Betriebe zu vernetzen und schrittweise in Richtung Modellbetriebe (Landschaftspflegehöfe) zu entwickeln. Von 2.500 Hektar Moorfläche im Ostallgäu stehen aktuell 15 Hektar für eine weitere Detailplanung zur Verfügung. Der Moorkörper soll schonend erhalten und mittels sinnvollem Wassermanagement eine landschaftliche Nutzung in Verbindung mit dem Artenschutz aufgebaut werden.

„Sackgasse“

Landrätin Maria Rita Zinnecker machte deutlich, dass man 2015/16 seitens des Umweltministeriums „händeringend“ nach Projekten gesucht habe, dort nun aber andere Schwerpunkte gesetzt würden und der Landkreis sich nun Hilfe beim Landwirtschaftsministerium suche. Dr. Paul Wengert (SPD) brachte es auf den Punkt: „Ich bin sehr ernüchtert, das ist ein zähes Geschäft.“ Er hält das Projekt für wichtig, sieht es aber mit Blick auf die noch fehlende Entscheidung für eine weitere Finanzierung der Projektphasen zwei und drei in einer „Sackgasse“. Michaela Waldmann will die Fortführung auf politischer Ebene einfordern und Wolfgang Eurisch (beide CSU) stellte klar, dass man es sich nicht leisten könne, das Programm aufzugeben. Auch Christine Räder hält das Projekt für „sehr wichtig“ und Benno Bönisch (beide BN90/Grüne) schlug vor, einen „eigenen Weg“ zu gehen. „Wir setzen auf Freiwilligkeit und auf die Regierung von Schwaben“, sagte die Landrätin. „Sie steht hinter dem Projekt und hat ihre Unterstützung zugesagt.“

von Wolfgang Becker

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