„Es war mein Recht, sie zu töten.“

Mordprozess gegen 38-Jährigen fortgesetzt

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Obergünzburg/Kempten – Ein vierfacher Vater afghanischer Herkunft soll seine Ehefrau in einem Regionalbus von Kempten in Richtung Obergünzburg mit mindestens elf Messerstichen getötet haben. Nach dem Verhandlungsauftakt am Dienstag, 26. Januar (der Kreisbote berichtete), wurde die Hauptverhandlung zwei Tage später vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Kempten fortgesetzt.

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstags wurden weitere Zeugen gehört, die verbale und körperliche Auseinandersetzungen des Angeklagten gegenüber seiner Frau vor dem Tattag bestätigten. Die Schwiegermutter sprach zudem von körperlicher Gewalt gegen die Tochter des Opfers.

Im Vorfeld der Tat habe sich das Opfer ans Jugendamt gewandt und um Unterstützung gebeten, die der Frau zugesagt worden sei, erzählte der Bruder der Verstorbenen im Zeugenstand. Auch bei der Polizei habe sie sich nach einer sicheren Unterkunft erkundigt, allerdings sei keine verfügbar gewesen. Weiter berichtete der Bruder davon, dass der Angeklagte 15 Tage vor der Tat einem anderen Mann von einem Fall erzählt habe, bei dem der Mörder aufgrund einer psychischen Erkrankung nur zu vier Jahren Haft verurteilt worden sei. Die Nachfrage des Facharztes, der mit der Anfertigung des psychiatrischen Gutachtens über den Angeklagten betraut worden war, ob er den vermeintlichen Täter jemals verwirrt erlebt habe, verneinte der Bruder.

Ein ehemaliger Freund der Familie, der ebenfalls als Zeuge aussagte, meinte, dass der Angeklagte ihm bereits vor Jahren erzählt habe, dass er seine Frau beim Kindergarten abpassen werde, um „ihr so viele Messerstiche zuzufügen, dass sie Hackfleisch wird“. Des Weiteren erzählte der Zeuge davon, dass der Angeklagte zwischenzeitlich im Iran gewesen sei, mit der Absicht, eine andere Frau zu heiraten. Dieses Vorhaben sei jedoch gescheitert.

Meinte, das Recht zu haben, den Mord zu begehen

Ein Polizeibeamter berichtete vom Fund eines Briefes im Spind des Angeklagten. In dem Schreiben drohe er mit dem Mord an der Familie seiner Ehefrau sowie weiteren Bekannten. „Das war seltsam, weil es hieß, dass der Angeklagte Analphabet ist“, meinte der Polizeibeamte. „Vermutlich hat er das übersetzen lassen und Schriftzeichen nachgezeichnet“, fügte er als Erklärungsversuch an. Wie die Vernehmungen ergeben hätten, ging es dem Angeklagten am Ende nur noch um seine Kinder. Die Ehefrau habe er dabei ausschließlich als Hindernis gesehen. Während das Opfer und die Tochter in der Lage waren, in Deutschland relativ eigenständig zu leben, habe dies der Angeklagte selbst nie geschafft, was ihm missfallen habe.

„Es war mein Recht, sie zu töten.“

Der Angeklagte

Innerhalb der afghanischen Gemeinde habe es das Gerücht gegeben, dass der Beschuldigte einen Zeitungsartikel in seiner Asylunterkunft herumgezeigt habe, der über einen Ehrenmord in Berlin berichtete. Angeblich soll der Angeklagte im Zuge dessen gesagt haben, dass er das Recht habe, so etwas zu machen, führte der Polizeibeamte weiter aus. Als die Polizei dem Angeklagten am Tag nach der Tat vom Tod seiner Frau berichtete, habe er es nicht fassen können und zu weinen begonnen, berichtete der Zeuge abschließend.

Keine verminderte Schuldfähigkeit

Aufgrund suizidaler Absichten während der Untersuchungshaft, sei der Angeklagte für zwei Monate in eine Psychiatrie in Würzburg eingewiesen worden. Im Zuge dessen habe er den Angeklagten kennengelernt, erzählte der Facharzt für Psychiatrie, der die Ergebnisse seines psychiatrischen Gutachtens über den Angeklagten vorstellte. Der Beschuldigte habe zuerst berichtet, dass seine Ehe bis zum letzten Tag glücklich gewesen sei. Als Grund für den Umzug nach Deutschland habe er angegeben, dass er sich für seine Kinder bessere Zukunftschancen gewünscht habe. Der Angeklagte habe auch in Deutschland nach afghanischen Scharia-Gesetzen gelebt und dies auch von seiner Frau verlangt. Es sei ihm innerhalb der afghanischen Gemeinde in Obergünzburg peinlich gewesen, dass seine Familie die Scharia nicht befolgt habe. Am Tattag habe er nicht das Ziel gehabt, seine Frau zu töten. Er sei nicht bei Sinnen gewesen, weil er drei Bier getrunken habe. „Später hat er erstmals gesagt, dass er dazu gezwungen gewesen sei, seine Frau umbringen zu müssen“, meinte der Facharzt. „Es war mein Recht, sie zu töten“, sei die letzte Aussage des Angeklagten während der psychiatrischen Untersuchung gewesen. Es habe weder Nachweise einer relevanten psychischen Krankheit zum Tatzeitpunkt gegeben, noch gebe es Hinweise, dass der Alkoholkonsum zu einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit oder Einsichtigkeit geführt habe, weshalb keine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt werden könne, fasste der Facharzt für Psychiatrie zusammen.

Der Kreisbote berichtet weiter vom Mordprozess.

Dominik Baum

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