Ab 23. März im Kino

„An den Grenzen des guten Geschmacks“

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Die Schauspieler Lucas Gregorowicz (li.) und Moritz Bleibtreu sprachen mit Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch über ihren Film „Lommbock“, Marihuana und Jugendkultur.

Moritz Bleibtreu, der seit mehr als 20 Jahren zu den führenden deutschen Schauspielern zählt, erlangte den Durchbruch mit der Liebeskomödie „Stadtgespärch“ und dem Road Movie „Knockin‘ on Heaven‘s Door“. Der in London geborene und in Polen aufgewachsene Schauspieler Lucas Gregorowicz feierte 2001 seinen Durchbruch mit der Kifferkomödie „Lammbock“, für die er gemeinsam mit Bleibtreu vor der Kamera stand. Sechzehn Jahre später schlüpfen die Schauspieler für die Fortsetzung „Lommbock“ wieder in die Rollen von Stefan und Kai, deren Leben sich zwar verändert hat, ihre Freundschaft aber noch immer ungebrochen ist. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf das Schauspieler-Duo in Berlin und sprach mit ihnen über das Kiffen und den Film.

In LOMMBOCK spielt Marihuana eine große Rolle. Wie sind eure Erfahrungen damit?

Bleibtreu: Gras ist eine Droge, die mittlerweile in der Gesellschaft angekommen ist. Ich glaube, fast jeder hat damit heutzutage schon Erfahrungen gesammelt. Eigentlich ist das Thema doch gar nicht mehr spannend. Man fragt ja auch niemanden, wie viele Gläser Wein er am Abend trinkt. In den jüngeren Gefilden macht man sich darüber keine Gedanken mehr. Früher hatten die Eltern noch Angst, dass ihre Kinder sterben, wenn sie kiffen.

Gregorowicz: Wenn man einen Arzt spielt, wird man komischerweise nicht gefragt, wann man die letzte Wunde genäht hat.

Der Film zeigt, dass der heutige Umgang mit Gras sehr relaxt ist.

Bleibtreu: Wir haben ja schon mit LAMMBOCK mit den damaligen Kiffergeschichten aufgeräumt. Das Klischees, dass alle Kiffer lange Haare haben und ungewaschen sind, haben wir nicht bedient. Die erste Prämisse für uns war damals, dass wir nicht breit spielen. LAMMBOCK war in Bezug aufs Kiffen damals Underground, ist heute aber längst Mainstream.

Zwischen den zwei Filmen liegen 16 Jahre. Hattet ihr Probleme, wieder in eure Figuren zurückzufinden?

Bleibtreu: Lucas hatte Probleme.

Gregorowicz: Ja. Bis zur ersten Mittagspause.

Hattet ihr über die Jahre Kontakt mit Christian Zübert und habt mit ihm über eine Fortsetzung nachgedacht?

Gregorowicz: Es gibt immer wieder Versuche, die Lunte zu zünden. Moritz hat mit seiner Präsenz immer eine Fortsetzung fokussiert. Christian hatte aber andere Projekte und es hat einfach lange gedauert, bis wieder eine Geschichte entstand, die man erzählen wollte. Damals war es eine Coming-of-Age-Geschichte, diesmal geht es um die Midlife Crisis. Im Nachhinein war es sehr gut, dass Christian nicht aus fadenscheinigen Gründen irgendeine Geschichte erzählt, sondern gewartet hat, bis er wirklich was zum Erzählen hatte.

Habt ihr den Kontakt zueinander gehalten?

Gregorowicz: Zwischendurch haben wir uns immer gesehen und Filme wie SOLINO, CHIKO und SOUL KITCHEN gedreht. Wir haben immer Kontakt gehabt und wussten, was der andere macht. Wir wussten also, dass es zwangsläufig einen zweiten Teil geben würde.

Wird es auch einen dritten Teil geben?

Bleibtreu: Einen vierten!

Gregorowicz: Genau, ganz einfach um die Erwartungshaltung zu brechen (lacht).

Bleibtreu: Uns ist aufgefallen, dass es kaum einen guten zweiten Teil gibt, ohne dass ein dritter Teil folgt. Der zweite Teil ist immer entweder das Todesurteil oder ihm folgt ein weiterer Teil. Wir waren uns der Verantwortung und der Fallhöhe bewusst. Die Fortsetzung musste einfach gut werden.

Gregorowicz: Wir schließen nichts aus. Aber zuerst gucken wir, ob die Leute auch ins Kino gehen. Dass wir mit unserem Humor zu einer Nischengruppe zählen, wissen wir. Wenn nicht mindestens 80.000.000 ins Kino gehen, wird es nichts mit einem dritten Teil. Also Leute geht ins Kino (lacht).

LOMMBOCK ist weder platt erzählt, noch gibt es Szenen zum Fremdschämen. Der Film ist einfach von der ersten bis zur letzten Minute charmant und unterhaltsam.

Gregorowicz: Ja, das ist echt erstaunlich, wobei der Film ja ordentlich auf die Kacke haut. Der Humor kratzt zwar mal mehr, mal weniger knapp an den Grenzen des guten Geschmacks hinweg, aber hält dennoch die Waage der guten Unterhaltung.

Bleibtreu: Ich finde es erstaunlich, dass immer mehr Frauen auf diese Art von Filmen stehen. Es gab einige Szenen, wo ich befürchtete, dass die Frauen ein Problem mit haben werde. Aber es scheint nicht der Fall zu sein, wobei der Film sich durchaus zu Oberschenkelklatscher-Humor hinreißen lässt. Aber der Film schafft es, den Zuschauer abzuholen, sodass man ihm auch derbere Momente verzeiht. Genau das Gleiche hatten wir auch schon mit dem ersten Teil geschafft, was dem Drehbuch von Christian Zübert zu verdanken war.

Das Bemerkenswerte ist, dass das Publikum die Männer des eigenen Umfelds in dem Film wiedererkennt. Wie gut erkennt ihr euch selbst in euren Rolle wieder?

Gregorowicz: Der Film nimmt sich nicht allzu ernst. Die Figuren sind sich nicht zu schade, ihre Schwächen zu zeigen. Als Zuschauer leidet man gerne mit ihnen und erkennt sich dadurch vielleicht selbst wieder.

Im Film geht es um die Rückkehr in die Heimat. Was bedeutet für euch Heimat?

Gregorowicz: Ich bin in England geboren, in Polen aufgewachsen, im Ruhrgebiet sozialisiert, habe fünf Jahre in Hamburg und lange in Berlin, Wien und Warschau gelebt. Da wo meine Familie ist, bin ich glücklich. Ich hab einen deutschen Pass und damit das Privileg mich je nach Tagesverfassung für eine Identität zu entscheiden.

Bleibtreu: Ich sehe das ganz genauso. Meine Heimat ist da, wo meine Familie ist. Hamburg ist aber die Stadt, die ich liebe und die ich meine Heimat nennen würde. Ich würde Hamburg aber auch verlassen, wenn ich mich woanders bei meiner Familie weiß.

Moritz, als Kai versuchst du deinen Teenie-Sohn auf Augenhöhe zu erreichen. War die Ghettosprache eine Herausforderung?

Bleibtreu: Ich interessiere mich total für die Jugendkultur. Als ich jung war, fand ich Erwachsene immer Scheiße, denen man Rap erklären musste. Ich hasse das bis heute und möchte nicht irgendwann selbst jemand sein, dem man das erklären muss. Ich will da dran bleiben und wissen, was die Jugend heute interessiert. Spätestens, wenn unsere Kinder erwachsen werden, ist es gut zu wissen, wie die gestrickt sind. Ich bin da nicht wie Kai. Mein Sohn ist erst acht, aber er sagt jetzt schon Alter. Das kann man einfach nicht aufhalten.

Gregorowicz: Warst du stolz, als er es das erste Mal gesagt hat? (lacht)

Bleibtreu: Man kann da nichts gegen machen. Die kommen heute viel früher mit solchen Wörtern aus der Schule. Da muss man sich mit dem Kind hinsetzen und ihm erklären, warum man gewisse Worte einfach nicht sagen sollte. Ich versuche immer herauszufinden, wo mein Sohn die Worte her hat und erkläre sie ihm.

Vielen Dank für eure Zeit!

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