Bürgerversammlung mit Informationen zum Vorhaben am Stadtrand

Moschee-Neubau in der Diskussion

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So könnte ein Moschee-Neubau auf dem jetzt vorgesehenen Gelände im Gewerbegebiet Untere Au aussehen. Rechts die Buronstraße und im Hintergrund die Wertach.

Kaufbeuren – „Ich fand es heute eine gute Veranstaltung, auf der fair und sachlich diskutiert wurde sowie die wesentlichen Punkte angesprochen worden sind“, so Oberbürgermeister Stefan Bosse und fügte hinzu, „ich bin überzeugt, dass dies dem Stadtrat Orientierung gibt.“

Mit diesen Worten zog die Stadtspitze eine vorläufige Bilanz der eigens einberufenen außerordentlichen Bürgerversammlung zum Thema „Bau eines Islamischen Kulturzentrums an der Unteren Au“ im Kaufbeurer Stadtsaal am vergangenen Montag. Gegner und Befürworter eines möglichen Gebäudes brachten ihre Argumente vor, nachdem der OB grundsätzliche Bedingungen sowie der Verein „Türkisch Islamische Gemeinde Kaufbeuren“ sich selbst und ihr Vorhaben vorgestellt hatten.

Das Stadtoberhaupt stellte in einem kurzen Abriss dar, wie es zum möglichen Bau eines islamischen Kulturzentrums am Stadtrand im Gewerbegebiet Untere Au kam. Die Gemeinde sucht schon seit vielen Jahren nach einem geeigneten Grundstück für den Neubau einer Moschee, da ihr jetziger Standort an der Danziger Straße in einem Wohngebiet völlig unzureichende Bedingungen bot – durch räumliche Enge und fehlende Parkplätze. Transparent wurde die Situation insbesondere dadurch, dass beispielsweise im jetzigen Umfeld bis 200 Metern knapp 1000 Personen und am möglicherweise vorgesehenen Standort im gleichen Umkreis sechs Personen leben. Zudem erläuterte er die Bedingungen, auf die sich die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates im Vorfeld zunächst verständigt hätten, jedoch keine verbindliche Zusage darstellten (siehe Infokasten). Bosse attestierte dem Verein eine hohe Kompromissbereitschaft, unter anderem durch den Verzicht auf eine Veranstaltungshalle, die zur Finanzierung der Moschee angedacht war.

Entwurf vorgestellt

Der eingetragene Verein mit seinem Vorsitzenden Osman Öztürk stellte mit Mukadder Coskun als Sprecher des Vereins in einer Präsentation den Verein unter dem Dachverband DITIB (Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V.) mit seinen Grundsätzen und Zielen vor. Mittels Bildern von Veranstaltungen und Feiern stellte Coskun das praktizierte Vereinsleben dar. Dabei wurde insbesondere die große Enge transparent, was gerade im Sommer auch zu Klagen in der Nachbarschaft geführt habe. Architekt Ulrich Ludwig zeigte einen Entwurf der neuen Moschee auf dem rund 5.000 Quadratmeter großen Areal und erläuterte die diversen vorgesehenen Nutzungsmöglichkeiten wie beispielsweise einen Gebetsraum für 260 Frauen und einen weiteren für 340 Männer. Äußerliche Kennzeichen seien eine Kuppel über dem Gebetsraum und ein, wie Ludwig erklärte, „nicht klassisch anatolisches Minarett“, sondern ein etwa 22 Meter unbegehbarer hoher Turm mit „moderner, in Deutschland eingepasster Architektur“. Im Außenbereich befinden sich 55 Stellplätze für Pkws.

Vorbehalte und Zustimmung

In einer fairen und zum größten Teil sachlich geführten Diskussion artikulierten die Besucher ihre Fragen. Einen Anstieg des Verkehrs, Lärmbelästigung sowie Ängste vor politischen Einflüssen waren in den einzelnen Wortbeiträgen aus dem Kreis der gut 300 Besucher ebenso zu hören, wie die Ansiedlung von Gewerbe als Alternative. Aber auch klare Signale der Zustimmung kamen von Besuchern der Veranstaltung, die sowohl mit dem Standort als auch mit der Architektur keine Probleme hatten. Dies zeigte sich insbesondere bei einer vom OB spontan erfolgten Umfrage unter den Anwesenden, bei denen nach seiner Bewertung „eine Mehrheit damit leben könnte“.

Die Frage nach der Finanzierung des Objektes wurde vom Verein genauso transparent beantwortet wie die Tätigkeit in der Türkei ausgebildeter Imame. „Wir finanzieren den Bau durch Ersparnisse über Mitgliedsbeiträge, Spenden, den Verkauf der jetzigen Immobilie, viel Eigenleistung und ein Darlehen. Wir bekommen keinen Cent von DITIB oder dem türkischen Staat“, sagte Coskun. Er machte deutlich, dass man in Deutschland ausgebildete Imame wolle, was aber erst zukünftig möglich sei, da die Ausbildung der Islamgelehrten an derzeit sechs Universitäten in Deutschland erst begonnen hat. Sorgen und Ängste von Besuchern wurden unter anderem von Anwohnern im Umfeld des derzeitigen Standortes ausgeräumt, die von einem „sehr guten nachbarschaftlichen Verhältnis“ in den letzten Jahrzehnten berichteten.

Den Vorschlag einer Bürgerin und eines Bürgers, man möge das Grundstück doch besser für Gewerbeeinnahmen nutzen, beantwortete der OB: „Ja, uns tut die Fläche weh. Aber eine Kommune hat viele Zielsetzungen, aber das Wohl und Wehe der Stadt hängt von diesen 5.000 Quadratmetern nicht ab, ob es uns besser geht oder nicht!“

Besonderen Beifall ernteten zwei Vertreter der jüngeren Generation für ihre Wortmeldung. Während die junge Frau den „seit 30 Jahren eingeführten Verein“ auch für seine Flüchtlingsarbeit lobte, sprach der Vorsitzende des Stadtjugendringes von einem „guten Partner im Bayerischen Jugendring“ und sah in einer Ansicht des Gebäudes Ähnlichkeiten mit dem Kanzleramt. „Das ist doch ein demokratisches Zeichen“, so seine launige Feststellung.

„Ich habe den Eindruck, dass eine Mehrheit der heutigen Versammlung den jetzigen Weg der Stadträte begrüßt hat und mitträgt“, zog Oberbürgermeister Stefan Bosse eine persönliche Bilanz am Ende der Veranstaltung, „ich bin mir aber genauso sicher, dass es Menschen geben wird, die das kategorisch ablehnen, obwohl nur wenige sich zu Wort gemeldet haben.“ Der Stadtrat entscheide in seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag, ob Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Verein aufgenommen werden. Erst danach werde endgültig entschieden.

Von Wolfgang Becker

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