»Er hinterlässt eine Lücke«

Murnauer Gemeinderat gedenkt Hermann Stademann und Josef Gramer

Wolfgang Küpper und Bürgermeister Rolf Beuting bei der Vereidigung.
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Im Murnauer Gemeinderat folgt Wolfgang Küpper (li.) auf den verstorbenen Josef Gramer, dem in der Sitzung gedacht wurde. Bürgermeister Rolf Beuting (re.) vereidigt das neue Gremiumsmitglied.

Murnau – Alle erhoben sich von den Stühlen. Stille herrschte in den Reihen. Nur Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum Murnau) ergriff das Wort, musste zweimal Worte finden, um zweier Männer zu gedenken: Hermann Stademann, ehemaliger zweiter Bürgermeister, und Josef Gramer, Gemeinderatsmitglied. Sie waren Mitte Januar verstorben. Nach dem Innehalten galt es dann, Formelles zu erfüllen und Gramers Nachfolger zu vereidigen.

Blumenschmuck mit weißen Blüten ziert die Bühne. Bürgermeister Rolf Beuting steht davor und spricht. Ein wenig abseits flackert eine Kerze. Er könne nicht sämtliche Positionen aufführen, die Stademann einst ausfüllte, meint der Rathauschef. So viele habe der ehemalige Vize-Bürgermeister in seiner langjährigen politischen Laufbahn innegehabt. Drei Jahrzehnte lang, bis 2008, war Stademann Gemeinderat, von 1996 bis 2008 bekleidete er das Amt des zweiten Bürgermeisters. „Stets hatte er das Wohl des Marktes und der Allgemeinheit im Auge“, erinnert sich Beuting.

Doch nicht nur politisch sei der 86-Jährige engagiert gewesen, in den Sechzigerjahren war er Vorstand des TSV Murnau. Jahrelang wirkte er im Tischtennis- und Tennisverein. Das sind nur ein paar der Stationen in Stademanns Leben. Neben den Aktivitäten will Beuting aber auch die Auszeichnungen nicht unerwähnt lassen: etwa die Verdienstmedaille der kommunalen Selbstverwaltung im Jahr 1996, die Ehrenmedaille des Landkreises Garmisch-Partenkirchen – Stademann war fast ein Vierteljahrhundert Mitglied des Kreistags – oder auch das Bundesverdienstkreuz im Jahr 2004. Jenseits der vielen Auszeichnungen bleibt Stademann als ein Menschen mit „offener und aufrichtiger Art“, der „große und bleibende Verdienste erworben hat“, in Erinnerung, sagt der Bürgermeister.

„Ein Mann für das Handfeste“

Die Kerze flackert sanft weiter. Hinter dem Licht steht eine eingerahmte Fotografie von Josef Gramer – lächelnd. „Sepp, so kannten wir ihn, war immer ein Mann für das Handfeste“, sagt Beuting, dessen Stimme nun ein wenig zittert. Seit 2008 war Gramer Gemeinderatsmitglied. Zuletzt saß er für die ÖDP/Bürgerforum Murnau im Gremium.

„Er kannte jede Ecke“ von Murnau, sagt Beuting. Und keiner möchte wohl daran zweifeln. Kaum ein Murnauer sah den Gramer Sepp nicht mindestens einmal auf seiner Kutsche durch den Ort fahren. Allein, mit einem Brautpaar oder bei einer seiner vielen Führungen durch den Ort.

Doch nicht nur auf der Kutsche sah man Gramer. Der 71-Jährige führte verschiedene Rollen aus, etwa die des Auktionators bei der jährlichen Versteigerung der Fundsachen. Seitdem er dieses Amt übernommen hatte, „waren die Erlöse ganz ansehnlich gestiegen“, lächelt Beuting. Doch nicht nur diese Rolle lag ihm im Blut, Josef Gramer hatte auch eine ausgeprägte soziale Ader. „Immer, wenn Hilfe gebraucht wurde, war er zur Stelle“, sagt Beuting und glaubt, dass die hinterlassene Lücke „schwer zu schließen sein wird“.

Die Gemeinderäte und Zuschauer nehmen wieder Platz. Vom Emotionalen zurück zum Formalen. Formell bleibt schließlich auch eine Lücke zurück. „Sabine Pecher und Gabriele Lechner haben abgelehnt“, meint Beuting beim Blick auf die Reihenfolge der Nachrücker. Die Nachfolge tritt daher Wolfgang Küpper an. Der Bürgermeister vereidigt den ÖDP-Mann, der nun auch die gesamte Gremienarbeit von Gramer übernehmen wird. „Er tritt nahtlos in Reih‘ und Glied“, so Beuting. Zumindest diese Lücke scheint damit geschlossen.

Von Antonia Reindl

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