Defizit soll um zehn Prozent gesenkt werden

Das Lied vom Kosten senken

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Marktoberdorf – Es ist das alte Lied, und es handelt in allen Strophen davon, die Kosten zu senken: Diese Melodie wurde erneut angestimmt, als es im Marktoberdorf Stadtrat um die Musikschule ging. Mit einer teils saftigen Gebührenerhöhung zum August 2017 soll das Defizit, das zuletzt bei 250.000 Euro im Jahr lag, um circa zehn Prozent gesenkt werden.

Doch aus der Debatte im Finanzausschuss des Stadtrates waren nicht immer nur feine Töne herauszuhören. Harmonie geht anders. CSU-Stadtrat Andreas Wachter („Ich war selbst mal Schüler, hab’s aber nicht zu einem guten Pianisten gebracht“) langte kräftig in die Tasten; er mahnte lautstark an, das andere Szenario zu untersuchen. Damit meinte er den grundsätzlichen Punkt, die Einrichtung zu privatisieren.

Wachter sah trotz des Vorschlags der Stadt, die Gebühren heuer deutlich zu erhöhen und in den nächsten Jahren entsprechend der Lohnsteigerungen anzupassen, dennoch die Entwicklung, dass man im Endeffekt bei dem hohen Defizit hängen bleibe. Im Bund und im Freistaat sei einiges privatisiert worden. „Aber wir klammern uns noch fest“, kommentierte der CSU-Stadtrat. Zudem mache man mit der kommunal geführten Musikschule privaten Anbietern von Instrumentalunterricht das Leben schwer.

Eduard Gapp (CSU) gab zu bedenken, dass die offene Diskussion darüber, wie die Musikschule künftig geführt werde, dringend angezeigt sei. Er forderte einen klaren „Zeitplan“ dafür und kein Vertrösten über mehrere Jahre.

Die andere Sicht der Dinge

„Ich möchte keine Privatisierung der Musikschule haben“, entgegnete Erich Nieberle. Der SPD-Stadtrat sagte, er befürchte dann einen Verlust an Qualität. Ulrike Wieser (SPD) wünschte sich ebenfalls ein „klares Signal für die städtische Musikschule“. Walter Breiner von den Freien Wählern erklärte, eine städtische Musikschule dürfe defizitär sein – „vielleicht nicht ganz in dem Ausmaß“ wie zurzeit.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell sprach von einem „kleinen Einspareffekt“, wenn der Vorschlag der Verwaltung Zustimmung findet, was mit einer knappen Mehrheit im Finanzausschuss auch der Fall war. Es sei „nicht der große Wurf“. Aber es sei ein Anfang, das Defizit zu senken, was ja auch die Kommunalaufsicht fordere.

Auf Vorschlag des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen, der fachlichen Rat zu dem Thema gab, würden die Beiträge künftig kostendeckend kalkuliert. Dann gebe die Stadt Zuschüsse für Schüler aus Markt­oberdorf und den Stadtteilen. Hell verwies zuvor auf die Verantwortung für das tariflich bezahlte Personal an der Musikschule.

Rupert Filser, der geschäftsleitende Beamte bei der Stadt, bezeichnete die vorgeschlagenen Gebühren ab August 2017 als „signifikante Erhöhung“. Er erinnerte zudem an Maßnahmen der vergangenen Jahre, die ergriffen wurden, um das Defizit nicht weiter anschwellen zu lassen. Dazu gehörte die Bereitschaft der Lehrer, die „restriktiv eingeführte Ferienüberhangsregelung“ mitzutragen. Weitere Stichwörter seien das Ausgabencontrolling und leicht sinkende Schülerzahlen. Zurzeit sind es ungefähr 500 Kinder und Jugendliche, die ein oder mehrere Instrumente erlernen.

Der Leiter der Musikschule, Robert Maul, räumte ein, dass gerade junge Kollegen Instrumentalunterricht privat günstig anbieten würden. Was das Spektrum der Musikschule betrifft, so erwähnte Maul, dass über den Unterricht hinaus nahezu jede zweite Woche eine Veranstaltung abgehalten werde. Dies könne ein privater Betreiber nicht leisten.

Durch die Anhebung der Gebühren zum Herbst 2017 ist – eine gleichbleibende Schülerzahl vorausgesetzt – mit Mehr­einnahmen von 21.000 Euro zu rechen. Änderungen gibt es auch bei der Geschwister­ermäßigung. Kostendeckende Gebühren sollen schrittweise eingeführt werden, um eine radikale Abwanderung auswärtiger Schüler (bis aus Bidingen und Rettenbach) zu vermeiden.

Einzelne Beispiele

Wie deutlich die Erhöhung ausfällt, zeigen folgende Zahlen: Musikalische Früherziehung kostet künftig 330 Euro im Jahr. Bei der reduzierten Gebühr (für Kinder aus der Stadt) sind es 220 Euro. Instrumentalunterricht (45 Minuten in einer Dreiergruppe) kostet künftig 571 Euro im Jahr (reduziert 381 Euro). Bisher waren es 498 Euro beziehungsweise reduziert 356 Euro.

Das Defizit der städtischen Musikschule Marktoberdorf, wo 500 Kinder angemeldet sind, beträgt eine Viertelmillion Euro. Zum Vergleich: In der oberbayerischen Nachbarstadt Schongau, wo die Musikschule Pfaffenwinkel seit 14 Jahren vereinsgeführt ist und 680 Musikschüler verzeichnet, steuert die Kommune pro Jahr circa 140.000 Euro zum laufenden Betrieb bei.

jj

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