Märzenburg-Fräulein erlöst!

(Alp-)Traumhotel Märzenburg

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Die weißen und die in einen Pudel verzauberte schwarze Schwester aus der Märzenburg-Sage.
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Die Aufbruch-Umbruch-Trommler.

Kaufbeuren – 175 Menschen umfasst das Aufbruch-Umbruch-Team, davon 153 auf der Bühne – und deren höchstes Anliegen ist es, die Menschen im Saal zu unterhalten.

Neben dem Aufbruch-Umbruch-Stamm-Team um Jürgen Richter, Sepp Eichhorn, Achim Meirich und Biggi Salomon sind das vor allem diese seit Jahren beliebten und bewährten Gruppen: die immer wieder hübsch anzusehende weiß-blaue Wertachgarde mit Minis, Küken, Mini-Küken und den Großen, Anam Cara mit ihrer atemberaubenden Akrobatik, Chris Meirichs Dance Solution, die den Saal zu Begeisterungsstürmen hinriss, die faszinierenden Leuchteffekte der ganz und gar nicht „taktlosen“ Aufbruch-Umbruch-Trommler, die umwerfend komische Männergarde der Buronia Dream Boys und – last, but not least – die fetzige Live-Musik der Radlerband. 

2017 hat das Aufbruch-Umbruch-Team die unerledigte Märzenburg-Sage aufgearbeitet: Die verwunschenen Schwestern sind es leid, dass keine zur Erlösung geeigneten Jünglinge mehr in den Märzenburgwald kommen und wollen welche anlocken. Zu diesem Zweck lassen sie die versunkene Märzenburg als Hotel auftauchen. Dem grantigen Hausl, der mit seiner naiven Schwägerin auf einem „VHS-Kurs für Hobby-Archäologen“ über ein Buch mit „Erlösungsanweisungen“ in einer vielversprechenden Truhe stolpert, suggerieren die Geisterschwestern, dass ihm der Märzenburg-Schatz gehören soll, wenn er in dem Hotel einen Allgäuer Abend veranstaltet und sich dabei ein passender Jüngling findet. 

Natürlich ist es in so einem verwunschenen Hotel nicht ganz geheuer, und so fährt ein Geist auf dem Staubsauger mit, Hotelportier „Helvutius“ produziert entsetzliche Töne auf einer Blockflöte, weil, wie er sagt, die „Aufzugmusiek kapuut“ ist, und beim Dinner kommen unter den silbernen Tellerhauben „abbe“ Köpfe zum Vorschein. Aber auch das „normale“ Hotelpersonal und die ankommenden Gäste sind ganz schön schräg. Christa Becker-Hansen wird zunächst als Gespenst – „die lila Frau“ – verkannt, entpuppt sich aber als für den Wellnessbereich zuständig und geht mit ihren Massagen hausieren. Ein silberjackiger Jüngling mit Spitznamen „Bingo“ schleppt alles Weibliche auf sein Zimmer ab, was er erwischen kann. Dummerweise laufen ihm sämtliche Damen kurze Zeit später schreiend wieder davon, selbst die „lila Frau“ und der junge Mann vom anderen Ufer, auf die er sich – „bevor gar nix geht“ – eingelassen hatte, flüchten. 

Inzwischen ist im Hotel der „Allgäuer Abend“ beschlossenen Sache und die Wertachgarde „probt“ im Hotelfoyer. Herbert Stumpe hat mit seinem Paurischen Dialekt Kommunikationsschwierigkeiten und die dem Trunke ergebene Rezeptionistin fragt ihn verzweifelt „do you speak English?“ Stumpe würde sich ja auch gerne massieren lassen, erhält jedoch den groben Bescheid „Näh, Ausländer massier isch net!“. Zwischendurch versucht eine ungarische Folkloregruppe mehrfach, sich zum „Allgäuer Abend“ dazuzumogeln. Und schließlich trägt ein langbärtiger Hinterwäldler mit seinem Sohn sogar das Fell der erschossenen Pudelschwester als Trophäe herein. 

Für die niedlichen Kätzchen von der Wertachgarde, die zu Songs aus „Cats“ noch einmal Furore machen, ist der Geisterpudel jetzt jedenfalls keine Gefahr mehr. Das „etwas andere Hotel“ ist außerdem genau die richtige Location für die von Dance Soulution getanzten Hochzeit von Wednesday, der wie gewohnt mürrisch blickenden Tochter der Addams Family, neben Wednesday vertreten durch Vater Gomez, einer äußerst verführerischen Morticia, der Großmutter, dem Butler und sogar zwei „eiskalten Händchen“. 

Höhepunkt der Aufführung ist der Allgäuer Abend, bei dem alle Gruppen noch einmal einen begeisternden Auftritt haben. Vor allem Anam Cara brilliert mit menschlichen Pyramiden, von denen nur die bunten UV-Farben zu sehen sind und die Buronia Dream Boys beweisen als richtig „wiaschte“ Bauerngruppe Mut zur Hässlichkeit. 

Schließlich findet sich tatsächlich ein junger Mann, der die geforderten Kriterien erfüllt, und einer Erlösung der Märzenburgfräulein steht nichts mehr im Wege. Ende gut, alles gut! Und wohl dem, der für die verbleibenden Vorstellungen Karten erwischt hat, und sich das sprühende Feuerwerk aus Tanz, Akrobatik, Theater, Live-Musik und Klamauk, von dem hier nur ein kleiner Teil angesprochen werden konnte, selbst ansehen darf.

von Ingrid Zasche

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