„Wie in einer langen Ehe“

Nach Austritt aus Bayernpartei: Marktoberdorfer Peter Fendt bereit zur Kandidatur bei AfD

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Ohne Berührungsängste: Peter Fendt, Kreis- und Stadtrat aus Marktoberdorf.

Marktoberdorf – „Es ist wie in einer langen Ehe. Wenn es nicht mehr passt, dann muss man es beenden.“ Diese Worte findet Stadt- und Kreisrat Peter Fendt (68) für seinen Entschluss, nach Jahrzehnten aus der Bayernpartei auszutreten. Zugleich kündigt er an, dass er sich bereiterklärt, bei der AfD für den Kreistag zu kandidieren, falls die Partei diese Liste fürs Ostallgäu aufstellt und ihn nominieren sollte. Der Kreisbote hat dazu nachgefragt.

Was nun, Herr Fendt? Wie geht es für Sie nach dem Austritt aus der Bayernpartei politisch weiter?

Fendt: Ich bin gewählter Stadtrat und Kreisrat und werde diese Ämter als Parteiloser bis zum Ende der Wahlperiode im April 2020 ausüben.

Sie kündigen an, dass Sie nicht mehr für den Marktoberdorfer Stadtrat kandidieren. Dabei haben Sie doch eine junge Frau und manch anderen Grund dafür, politisch aktiv zu sein und sich noch nicht aufs Altenteil zurückzuziehen.

Fendt: Ich werde nächstes Jahr 70 Jahre und bin am Ende der nächsten Wahlperiode 76 Jahre alt. Außerdem stimme ich mit keiner der im Stadtrat vertretenen Parteien politisch überein, sodass ich nicht glaube, dass eine dieser Parteien mich aufstellen würde. Die einzige Gruppe im Stadtrat wäre „Stadtteile aktiv“, wo ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte.

Wie soll’s denn mit der Bayernpartei im Stadtrat weitergehen? Dr. Karl Renner ist schon 77 Jahre, Wolfgang Schuster hat auch den Siebener vorne dran! Beide werden sich so wie Sie nicht mehr aufstellen lassen.

Fendt: Die Bayernpartei sollte nun ein junges Team aufstellen. Es gibt am Ort ja eine große Stammwählerschaft. Ob es wieder eine Fraktion mit drei Stadträten gibt, bezweifle ich, weil man, um gewählt zu werden, auch einen bestimmten Bekanntheitsgrad haben muss, den sich die jungen Kandidaten erst erarbeiten müssen.

Warum eine Kandidatur für den Ostallgäuer Kreistag, wenn Sie das für den Stadtrat in Marktoberdorf ablehnen?

Fendt: Ich lehne eine Kandidatur für den Stadtrat nicht rundweg ab, sehe aber momentan keine Möglichkeit, aufgestellt zu werden. Im Kreistag dagegen sehe ich diese Möglichkeit.

Was ist aktuell dran an Gesprächen mit der AfD im Ostallgäu? Kandidieren Sie für die auf der Kreistagsliste, falls die zusammengeht?

Fendt: Ich bin mit dem Kreisvorsitzenden Karl Keller im Gespräch und habe mich bereiterklärt, auf der AfD-Kreistagsliste zu kandidieren, falls die AfD Ostallgäu diese Liste aufstellt und mich darauf nominiert.

Bei Ihren bürgerlich-traditionellen Wurzeln: Können Sie denn die Positionen der AfD wirklich gutheißen?

Fendt: Ich bin bürgerlich und konservativ. Vom Programm der AfD sagt mir deren Meinung zur Flüchtlingspolitik sowie deren Ablehnung des menschengemachten Klimawandels zu. Im Übrigen geht es im Kreistag nicht um Parteipolitik, sondern es werden kommunalpolitische Fragen behandelt, wo das Parteibuch eher nachrangig ist. Was auf mich aber in keiner Weise zutrifft, sind Aussagen von ehemaligen angeblichen „Parteifreunden“ die behauptet haben, ich würde dem deutschnationalen Gedankengut anhängen, wäre homophob oder ausländerfeindlich. Ich habe zweimal im Leben geheiratet, jedes Mal eine Ausländerin.

Eine Nachbetrachtung zum Zerwürfnis mit der Bayernpartei, aus der Sie zusammen mit Ihrer Frau und dem früheren Ortsvorsitzenden Dr. Thomas Hilscher ausgetreten sind. Waren es wirklich die Vorkommnisse um die Aschermittwochs-Rede, oder reichen die Ursachen weiter zurück?

Fendt: Die Ursachen liegen in der Programmatik der Bayernpartei. Obwohl ich viele Jahre ein glühender Verfechter der Eigenstaatlichkeit Bayerns war und sogar ein Buch darüber geschrieben habe, wie man so etwas bewerkstelligen könnte, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, ein solches Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen. Ich habe gesehen, dass weder in Schottland noch in Katalonien die jeweiligen Volksabstimmungen eine Mehrheit für die Unabhängigkeit erbracht haben. Mein Entschluss, die Bayernpartei zu verlassen, konkretisierte sich dann bei der Landtagswahl 2018. Hier wurde wiederum mit dem Slogan „Freiheit wählen“ der Wähler eher verwirrt als dazu ermuntert, die Bayernpartei zu wählen, was auch zu einem Rückgang der Stimmen von 2,2 auf 1,7 Prozent führte.

Jahrzehnte in der Bayernpartei, dort sogar mal Bezirksvorsitzender von Schwaben und stellvertretender Vorsitzender im Landesverband: Wie schwer ist die Entscheidung zum Austritt gefallen. Und wie wirkt dieser Schritt nach?

Fendt: Es ist wie in einer langen Ehe. Wenn es nicht mehr passt, dann muss man es beenden. Hätte es die Möglichkeit gegeben, dann hätte ich nur den Landesverband verlassen und wäre im Ort- und Kreisverband verblieben, weil ich mit den Menschen in den beiden letztgenannten Verbänden eine tiefe Verbundenheit verspürt habe. Dies werde ich vermissen.

Interview: jj

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