Eine Funktionärsikone dankt ab

Nach fast 32 Jahren hört Peter Seidel als Vorsitzender des BSK Olympia Neugbalonz auf

BSK-Vorstand Peter Seidel im Waldstadion
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BSK-Vorstand Peter Seidel in seinem zweiten Wohnzimmer, dem Waldstadion. Nach fast 32 Jahren hört er in den kommenden Wochen als Vorstand auf.

Kaufbeuren-Neugablonz – Über 30 Jahre lang lenkt er schon die Geschicke des BSK Olympia Neugablonz. Peter Seidel ist nicht nur Motor des Traditionsvereins, sondern auch Antreiber. Schon öfter wollte der nun 72-Jährige aufhören. Doch die Corona-Pandemie sorgt momentan dafür, dass sein offizielles Ausscheiden noch etwas warten muss. Spätestens nach der kommenden Generalversammlung ist Schluss.

Beim Blick ins weite Rund des Waldstadions kommt bei Peter Seidel schon etwas Wehmut auf. „Ich bin damals mit Herzblut an die Sache herangegangen“, erinnert er sich an viele turbulente Jahre als Vereinschef zurück.

Am 7. Juli 1989 übernahm Peter Seidel das Amt. Zu diesem Zeitpunkt war der Verein fast pleite: 250.000 Mark Schulden und zusätzliche Kosten von 70.000 Mark, resultierend aus einem Küchenbrand. Die Hürden für Seidel waren damals enorm, eigentlich fast nicht zu stemmen. Doch er schaffte es, nach intensiven Gesprächen mit Gläubigern und Banken die Summe zu halbieren. „Das wirkte sich natürlich auf den Sportbetrieb aus“, so Seidel im Gespräch mit dem Kreisbote. Denn die erste Mannschaft stieg damals bis in die B-Klasse ab. Das ehrenamtliche Engagement als Vereinsvorsitzender sei zur damaligen Zeit sehr intensiv und herausfordernd gewesen. „Es war ein Fulltime-Job“, dankt er seiner Frau heute noch, dass sie ihm den Rücken freigehalten habe. Nicht nur, dass die Schulden weiter drückten, er stand sogar als Nachwuchstrainer auf dem Platz. Auch mit den Jahren tat er alles, um seinen Verein zu unterstützen. Mit Sabine Dittrich gewann er eine enorm wichtige Stütze für den Verein. Als Vorstandskollegin nahm sie ihm viele Arbeiten ab.

Viel investiert

In seiner langen Zeit als Vereinschef steckte der BSK viel Geld in das Clubheim: Ein neues Dach, neue Fenster, eine neue Heizung, der Umbau der Kabinen. Sogar eine Sauna und ein Entspannungsbecken wurden angeschafft. Selbst in der Coronakrise waren Verein und Spieler nicht untätig, bauten den Kioskbereich komplett um und gaben dem Vereinsheim sogar einen neuen Anstrich. „Wir haben ein richtig tolles Schmuckkästchen. Um unser Waldstadion beneiden uns viele Vereine. Wir haben hier eine so unglaublich tolle Atmosphäre“, so Seidel.

Auf viele unvergessliche Momente blickt er in seiner schon fast 32-jährigen Tätigkeit als Erster Vorstand zurück: Die Feierlichkeiten zum 75- und 100-jährigen Jubiläum, der Aufstieg von der Kreis- in die Bezirksliga. Fast hätte man vor drei Jahren sogar den Sprung in die Landesliga geschafft. Auch in der Halle feierte Neugablonz große Erfolge. Der Gewinn der Schwäbischen Hallen-Futsalmeisterschaft und das Erreichen des Vizetitels bei der Bayerischen Meisterschaft fallen ebenfalls in die Ära von Peter Seidel.

Zöpfe abschneiden

Unterdessen kann sich der scheidende Vorstand mit einem Gedanken anfreunden: Eine Partnerschaft zwischen der SpVgg Kaufbeuren und dem BSK Olympia Neugablonz. Vor rund zehn Jahren gab es schon einmal Fusionierungsgespräche, doch Seidel wollte nur eine Kooperation mit der Jugend anstreben, was am Ende nicht zu Stande kam. „Mit der SVK haben wir eine gesunde Rivalität. Ich glaube, es wird in den nächsten Jahren nichts anderes übrig bleiben, als dass sich beide Vereine an den Tisch setzen, um gemeinsam über die Zukunft nachzudenken. Zöpfe müssen irgendwann abgeschnitten werden.“ Den Jugendbereich vergleicht er mit einer Art Tannenbaum: Unten herum gebe es viele Spieler. An der Spitze angekommen, also im Bereich der B- und A-Jugend, würden es immer weniger. „Viele Vereine können es nicht mehr stemmen, gehen Spielgemeinschaften ein, weil ihnen Spieler wegbrechen. Wir haben das Glück, noch für jede Altersklasse Mannschaften zu stellen.“ Der BSK habe eine gut funktionierende Nachwuchsabteilung. Sie mache einen tollen Job.

Seidel wünscht sich derweil eine baldige Rückkehr in den Spiel- und Trainingsbetrieb. Dass seit Monaten keine Eintrittsgelder generiert werden können, bereitet ihn schon gewissen Sorgen. „Gas, Strom und Wasser müssen weiterhin bezahlt werden“. Seidel hat Hoffnung, dass spätestens am 18. April die Runde in der Bezirksliga-Süd fortgesetzt werden kann. Die Generalversammlung soll – wenn es die Coronakrise erlaubt – Ende April über die Bühne gehen. Dann wird er als Vorstand abtreten und einen finanziell gesunden Verein hinterlassen. Bis dahin wird er es leider nicht mehr schaffen, das Nebengrundstück als Spiel- und Trainingsfläche für den BSK zu gewinnen. „Ich habe alles probiert und es nicht geschafft“, überwiegt bei ihm aber trotzdem die Freude, dass er über drei Jahrzehnte für ein und denselben Verein ehrenamtlich tätig sein durfte. Der BSK bleibt ewig sein Lebenswerk.

von Stefan Günter

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