Landrat stellt Idee eines Nachnutzungskonzeptes fürs Krankenhaus MOD vor

Ein Format, das es in Bayern noch nicht gibt

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Landschaftlich schön gelegen, gewähren zumindest die oberen Etagen und höher gelegenen Bereiche des Krankenhauses Marktoberdorf auch einen Blick in die Allgäuer Berge.

Landkreis/Marktoberdorf – „Leben und Wohnen für Jung und Alt“ – Unter diesem Motto steht das Nachnutzungskonzept der Klinik Marktoberdorf. Landrat Johann Fleschhut stellte dieses jetzt im Redaktionsgespräch vor.

Einen Weg zurück gebe es nicht mehr, es gelte deshalb endlich ein zukunftsgewandtes Nachnutzungsprojekt für das Krank- enhaus in Marktoberdorf auf den Weg zu bringen, erklärte Landrat Johann Fleschhut in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Auslöser war eine nichtöffentliche Sitzung der Arbeitsgruppe (AG) Krankenhaus am Freitag vor einer Woche, bei der sich die Beteiligten grundsätzlich auf die Konzeptidee „Leben und Wohnen für Jung und Alt“ verständigen konnten. 55000 Quadratmeter Fläche stehen dabei für die Realisierung eines neuen Quartiers zur Verfügung. Laut Fleschhut, könn- te hier ein Format entstehen, „das es in Bayern aktuell so noch nicht gibt“. Wie der Landrat betonte, sei bisher die Suche nach einem Investor für eine medizinische-/Reha-Nutzung ergebnislos verlaufen.

Diese Nachnutzung stehe, zumal sie sich mit dem Beschluss des Verwaltungsrates decke, nach wie vor im Fokus aller Bemühungen. Hier könnte ein attraktives Gesamtkonzept, das alle Belange der demografischen Entwicklung in die Planungen mit einbezieht, weiter helfen, es gelte allerdings, die Suche zu intensivieren und alle Anstrengungen hierfür zu leisten, erklärte der Landrat und ergänzte optimistisch: „Wenn es jemanden gibt, dann finden wir den!“ Allerdings müsse das Gesamtprojekt nicht an dieser Forderung, die laut Fleschhut am schwierigsten zu erfüllen sei, scheitern. Nach einer positiven Entscheidung der Stadt Marktoberdorf könnten die Planungen zur Gesamtquartiersentwicklung ab Mitte 2014 beginnen. 

Ein neues Quartier entsteht 

Kern dieser Konzeptidee, ist das Zusammenführen von Leben und Wohnen für Jung und Alt, wobei sich alle Bereiche gegenseitig bereichern und ergänzen sollen (siehe hierzu auch Infokasten unten). Dem von vielen Seiten immer wieder geäußerten Einwand, die Stadtrandlage eigne sich nicht für eine Einrichtung, die sich gerade auch an ältere Menschen richtet, trat Fleschhut entschieden entgegen. Die Konzeptidee beinhalte ja neben dem Wohnen auch besonders das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Alters. Eine enge Anbindung an die Innenstadt mit Mitteln des ÖPNV und die Schaffung gemeinschaftsbildenden Einrichtungen bis hin zur Nahversorgung nehme dem Projekt den typischen Charakter einer Satellitenvorstadt. In jeder Hinsicht genüge das Projekt der demografischen Entwicklung und stärke die zentralörtliche Bedeutung der Kreisstadt. Das Angebot richte sich, so Fleschhut, nicht nur an ältere und pflegebedürftige Personen, sondern beinhalte auch die Schaffung von Wohnraum für junge und sozial schwächere Menschen und Familien und fördere deren Zusammenleben. Damit werde diese innenstadtnahe Lage genutzt, um, mit Blick auf den Wirtschaftsstandort, die Attraktivität von Marktoberdorf als Wohnort zu stärken. Das Konzept sei nicht nur offen für weitere Ideen, sondern auch erweiterungsfähig. 

Wie aus heiterem Himmel 

Etwas überrascht sei man schon gewesen, erklärte Klara Knestel (Grüne) auf Nachfrage des Kreisboten. Wie aus heiterem Himmel habe der Landrat bei der jüngsten Besprechung der Krankenhaus AG am vergangenen Freitag das neue Konzept, das in Teilen auf eine Idee der Landkreisgrünen zurückgehe, präsentiert. Der Bedarf sei aber unbestritten und die Idee habe, einschließlich der Verlagerung des Gulielminettiheimes, ein positives Echo bei allen Teilnehmern (Fraktionsführer aus dem Stadtrat und Vertreter des Kreistages) und gefunden.

Die Konzeptidee für das Areal des Krankenhauses Marktoberdorf

Als lebendiger Stadtteil mit Synergien und Energien soll auf dem Areal des Krankenhauses, dem Parkplatz und dem im Westen angrenzenden Grundstück am Buchelweg ein neues Quartier entstehen, das nach Osten und nach Nordosten noch erweiterbar wäre. Ziel ist es, das Gesamtgelände, das zum größten Teil noch dem Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu Kaufbeuren gehört, aus einer (öffentlichen) Hand zu beplanen und der Konzeptidee folgend zu vermarkten. Folgende Elemente sollen dabei Eingang finden: 

1. Das alte Klinikgebäude soll, wie bisher bereits geplant, die Komponenten Medizin und Reha aufnehmen. Neu hinzugekommen ist die Einrichtung eines Hospizes zur Strebebegleitung für sechs bis acht Menschen.

2. An der Ecke Hochwiesstraße-Buchelweg ist der Bau eines Wohnkomplexes für barrierefreies Wohnen, für betreutes Wohnen und für das Wohnen in Wohngruppen vorgesehen. In Verbindung mit einer Pflegeeinrichtung steht somit eine für jede Lebenssituation geeignete Wohnumgebung zur Verfügung.

3. Der Teil Stationäre Pflege soll an der Hochwiesstraße daneben entstehen. Angesichts der hohen Sanierungskosten (7,6 Millionen Euro) des aus den 60-Jahren stammenden Gebäudes wurde hier an einen Umzug des Gulilminettiheimes gedacht.

4. Eine geriatrische Tagespflege für ältere und demenzkranke Menschen, einschließ- lich einer Beratungs- und Fortbildungsmöglichkeit und die Vollzeitpflege von an Demenz erkrankten Menschen rundet das Pflegeangebot ab. Dieser Konzeptteil könnte seine Realisierung zwischen altem Krankenhausgebäude und Buchelweg erfahren. 

5. Auch an das in Marktoberdorf immer wieder geforderte Mehrgenerationenhaus wurde gedacht. Dieser Lebensraum für Jung und Alt soll an der Kreuzung zwischen Saliter-Straße und Hochwiesstraße gebaut werden. 

6. Ein Angebot mit kleinen bezahlbaren Wohneinheiten für Singles, Auszubildende und sozial Schwächer ist auf dem Gelände westlich des Buchelweges vorgesehen. 7. Einer seit langem bestehenden Kernforderung nach erschwinglichem Wohnen für junge Familien in Marktoberdorf soll mit geeigneten Wohnungen an der Saliter-Straße, oberhalb des Mehrgenerationenhauses entsprochen werden. 

Damit das Quartier lebt, wird das Projekt mit Gemeinschaftseinrichtungen, Nahversorgung, Spielplatz und einer funktionierenden ÖPNV- Anbindung ergänzt und abgerundet.

Von Klaus Bauer

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