Gut vertaktet

Nahverkehrsplan in Kaufbeuren soll fortgeschrieben werden

Bus in Kaufbeuren an der Haltestelle
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Für die Akzeptanz des ÖPNV spielen auch die Schnittstellen zwischen Bus und Schiene eine wichtige Rolle.

Kaufbeuren – Der Nahverkehrs­plan für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) soll nach dem einstimmigen Willen des Ausschusses für Umwelt und Mobilität auf Grundlage des vorgelegten Endberichtes fortgeschrieben werden.

Die von der Stadt und dem Landkreis Ostallgäu als Kooperationspartner beauftragte Ingenieurgesellschaft für Verkehrs­planung und Verkehrstechnik aus München stellte den über 200 Seiten starken Bericht am Montag in der Sitzung vor. Dabei wurde deutlich, dass sich bei der Betrachtung von Grenz­werten bereits ein gutes Bild im ÖPNV zeigt. Lediglich bei Anwendung der strengeren Richtwerte ergeben sich deutlich mehr Unterschreitungen. Im Dezember 2019 war dem Verkehrsausschuss bereits das Zwischenergebnis mit Schwerpunkt Bestandsaufnahme und Analyse vorgestellt worden. Auch der Ostallgäuer Kreistag hatte kürzlich den neuen ÖPNV verabschiedet (wir berichteten).

Gut zwei Jahre hatte Diplom-Geograph Eric Meder von der „gevas humberg&partner“ als Planer an dem umfassenden und mit vielen Detailinformationen versehenen Bericht gearbeitet. Ein Arbeitskreis und ein Begleitausschuss haben an der Erstellung des neuen Nahverkehrsplanes mitgewirkt. Darin geht es unter anderem um Maßnahmen zum Fahrtenangebot, Barrierefreiheit, Umsteigequalität sowie die Erreichbarkeit von zentralen Orten wie Bahnhof, Krankenhaus oder großen Unternehmen. Dabei spielen nicht nur die internen Bustakte eine Rolle, sondern auch die Verzahnung mit Schnittstellen wie Busbahnhöfen, dem Schienennetz und neuen Bahnhalten.

Bus- und Schienenverkehr

Der Planer stellte drei Fragen an den Anfang seiner Präsentation: Wie ist der „Istzustand“ anhand einer Bestandsanalyse, wohin soll sich der ÖPNV mithilfe einer Rahmenkonzeption entwickeln und wie sollen die Ziele mit einem Maßnahmenpaket erreicht werden. Während in den Feldern Haltestelleneinzugsbereiche und Fahrtenhäufigkeit Grenz- und Richtwerte erreicht werden, besteht in der Umsteigequalität bezüglich des Richtwertes Verbesserungspotenzial, das aber von der Fahrplangestaltung bei der Maßnahmenumsetzung und Entwicklung im Schienenpersonennahverkehr abhängig ist. Darunter fallen die Neugestaltung eines barrierefreien Bahnhofs ebenso wie die neuen Bahnhalte Neugablonz und Haken. Auch die Elektrifizierung der Bahnlinie Buchloe bis Marktoberdorf wird angesprochen.

Gute Verbindungen

Die Taktungen der Buslinien im Stadtbereich liegen zwischen 15 und 60 Minuten und erfüllen in der Normal- und Schwachverkehrszeit die Standards. Auch die Bundeswehr und das Klinikum als größter Arbeitgeber sind angemessen angebunden. Lediglich die Gewerbegebiete im Kaufbeurer Osten könnten zu Arbeitsbeginn und -ende die ÖPNV-Nutzung für Arbeitnehmer erleichtern, wenn die Fahrten der Linie 9 und 9B ohne telefonische Anmeldung verkehren würden.

Aus den Erhebungen geht unter anderem hervor, dass kurzfristig und mit geringen Mitteln Anpassungen im Fahrtangebot und die Prüfung von Linienbildungen möglich sind, um die Richtwerteunterschreitungen zu beheben. Auch die Herstellung der Barrierefreiheit an Haltestellen (Bus/Bahn) sowie die Definition und Umsetzung von Qualitätsstandards für Haltestellen, Fahrzeuge, Kundeninformation, Fahrpersonal und Umweltstandards sind in dem Maßnahmenpaket aufgeführt. „Für die Stadt Kaufbeuren gilt es kurz- und mittelfristig das derzeit bereits gute Angebot zu festigen und festgestellte Schwachstellen im Sinne der vorgeschlagenen Maßnahmen zu beheben“, heißt es in der Zusammenfassung des Nahverkehrsplans.

Gesetzlich verankert

Der Nahverkehrsplan ist laut Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr in Bayern (BayÖPNVG) in regelmäßigen Zeitabständen zu überprüfen und bei Bedarf fortzuschreiben. Durch dieses Gesetz wurde Planung, Organisation und Sicherstellung des allgemeinen ÖPNV im Freistaat Bayern den Landkreisen und kreisfreien Gemeinden als freiwillige Aufgabe im eigenen Wirkungskreis übertragen. Sie führen diese Aufgaben in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit durch. Die Aufgabenträger des allgemeinen öffentlichen Personennahverkehrs können, soweit es Landkreise und kreisfreie Gemeinden betrifft, für ihr Gebiet Pläne über die Ordnung der Nahverkehrsbeziehungen und den Bedarf an Nahverkehrsleistungen einen Nahverkehrsplan aufstellen. Der 1994 erstmals von der Stadt Kaufbeuren erstellte und beschlossene Nahverkehrsplan wurde zuletzt 2008 zusammen mit dem Landkreis Ostallgäu fortgeschrieben. Die räumlichen und strukturellen Entwicklungen in Stadt und Landkreis haben in den letzten Jahren zu deutlichen Veränderungen der verkehrlichen Rahmenbedingungen geführt, weshalb eine Aktualisierung und Anpassung des Nahverkehrsplanes erforderlich ist. Um den Nahverkehrs­plan fortzuschreiben, wurde zum 1. Mai 2018 ein Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Kaufbeuren und dem Landkreis Ostallgäu geschlossen.

Wolfgang Becker

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