Einstimmig im Kreitag beschlossen: neuer Nahverkehrsplan mit großen Zielen

Im Stundentakt durchs Ostallgäu

Busse am Bahnhof Marktoberdorf
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Zukunftsmusik für den Bahnhof Marktoberdorf (Bild): Der neue Nahverkehrsplan fürs Ostallgäu fordert einen Bahnhalt der Münchner S-Bahn in der Kreisstadt.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Der neue Nahverkehrsplan, den der Ostallgäuer Kreistag vergangene Woche einstimmig auf den Weg brachte, hat Großes vor. So sollen in naher Zukunft auf dem Hauptliniennetz im Landkreis die Busse im Stundentakt verkehren – und das von Montag bis Samstag. In einem zweiten Schritt soll auch das restliche Ostallgäu flächendeckend mit einem Regionallinienbus im Stundentakt versorgt sein.

Seit gut zwei Jahren wurde an dem nun vorgelegten Plan unter Leitung von Diplom-Geograf Erik Meder und mit der Beteiligung von Verkehrsunternehmen, Vertretern von Kommunen und der Politik gearbeitet. Auch die Stadträte Kaufbeurens müssen ihn am kommenden Montag prüfen und beschließen. Gut 200 Seiten ist das Werk dick und mit vielen Details zur Ist-Situation gespickt. Es geht darin vor allem um Maßnahmen zum Fahrtenangebot, um Barrierefreiheit, Umsteigequalität und die Erreichbarkeit von Gemeindezentren und zentralen Orten. Im Kreistag erhielt die Neuauflage des Nahverkehrsplans viel Lob von allen Seiten. Alois Kling (CSU) nannte es schlüssig und eine gute Basis für die konkrete Umsetzung.

Wo es geht, barrierefrei

So rückt der neue Nahverkehrs­plan endlich auch das Thema Barrierefreiheit ins Zentrum der zukünftigen Maßnahmen. Den Machern des Plans ist es ernst mit der Herstellung einer vollständigen Barrierefreiheit in Fahrzeugen, an Haltestellen und Bahnhöfen. Dies beinhaltet auch die Fahrgastinformationen wie Fahrplanhefte und Fahrkartenautomaten. Stufenweise soll die Umsetzung erfolgen: zunächst an Haltestellen in zentralen Bereichen sowie in der Nähe von Einrichtungen für mobilitätseingeschränkte Personen. Dann in dicht besiedelten Wohngebieten und bei Einkaufszentren und erst in einem vierten Schritt in wenig besiedelten Ortsteilen und an ausschließlich von Schülern benutzten Haltestellen.

Werktags nur für Schüler? Das soll künftig der Vergangenheit angehören. Geplant sind Linienbusse im Stundentakt.

Fahrtenangebot

Auch ein verlässliches Fahrtenangebot – laut Meder entscheidend für die Akzeptanz von Bus und Bahn – ist auf den Weg gebracht. Dies sei Kernaufgabe der nächsten fünf bis zehn Jahre, sagte der Chefplaner. Ein flächendeckender Stundentakt sei nötig, um die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu steigern und mehr Fahrgäste zu erreichen. Hierbei würde auch die Verzahnung mit den Schnittstellen wie Busbahnhöfen und dem Schienennetz im Minutentakt eine große Rolle spielen. Und auch der Anschluss neuer Bahnhalte, wie Markt­oberdorf-Nord, Füssen-West und Kaufbeuren-Neugablonz an das Liniennetz im Landkreis gehöre selbstverständlich dazu.

Rufbus & Co.

Anstoß erregte hingegen die Formulierung „die Einführung zusätzlicher alternativer Be­dienformen bei gemeindlicher Initiative ist möglich“. Darunter ist die Erweiterung des Linienbus- und Bahnverkehrs mithilfe von Rufbussen, Flexibussen oder Anrufsammeltaxis zu verstehen. Diese Formulierung war nicht nur Hubert Endhardt (Die Grünen) zu vage. Er wie auch Dr. Wolfgang Hell (CSU) vermissten hierbei die ausdrückliche Unterstützung des Landkreises bei der Installierung bedarfsorientierter Angebote vor Ort. „Der Ausbau und die Vernetzung solcher Rufbuslinien,“ so Marktoberdorfs Bürgermeister Hell, „ist nur möglich, wenn der Landkreis im Boot ist und die Kommune organisatorisch und finanziell unterstützt.“ Er nannte als Beispiel den Landkreis Unterallgäu, wo ein Rufbus auf mindestens drei Routen unterwegs sei und die Städte Mindelheim, Ottobeuren und Markt Rettenbach miteinander verbinde. Peter Däubler, Leiter der Kreisentwicklung im Landratsamt, verwies darauf, dass das Angebot im Unterallgäu nicht mit dem Liniennetz im Ostallgäu zu vergleichen sei. Und dass man sich entscheide müsse, zwischen einem flächendeckenden Rufbussystem oder einem Linienverkehr im Stundentakt. Selbstverständlich aber unterstütze der Landkreis die Initiativen vor Ort. Wie Hell berichtete, erarbeiten aktuell die regionalen Verkehrsgesellschaften ein konkretes Angebot für ein bedarfsorientiertes Bussystem in der Kreisstadt. Und Landrätin Maria Rita Zinnecker ergänzte: „Wir warten auf Vorschläge aus Marktoberdorf“.

Mit der S-Bahn nach München

Der vorgelegte Nahverkehrs­plan weist auch die Forderung auf, die Münchner S-Bahn mit dem Ausbau der zweiten Stammstrecke nicht nur bis Buchloe, sondern bis Kaufbeuren und Marktoberdorf zu verlängern. Der Wunsch, die Kreisstadt an die Metropolregion anzubinden, sei nicht aus der Luft gegriffen, bestätigte Däubler. Es gehe darum, frühzeitig auf allen Ebenen die Forderungen nach einem weiteren Allgäuer S-Bahnhalt einzubringen. Ebenso sehen die Nahverkehrsplaner die flächendeckende Elektrifizierung der Allgäuer Bahnstrecken vor. Als Sofortmaßnahme ist insbesondere die Elektrifizierung der Strecke Buchloe – Marktoberdorf genannt. Warum hier nicht gleich die komplette Strecke bis Füssen forcieren?, fragte herausfordernd Dr. Paul Wengert (SPD).

Ein umfangreiches Paket für den ÖPNV in der Region ist geschnürt. Die Landrätin sprach von einer Weichenstellung und kündigte die Umsetzung konkreter Maßnahmen an.

von Angelika Hirschberg

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