Naturnahe Waldverjüngung

Jagdbehörde stellt Leitlinien für Jäger und Grundeigentümer vor

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Die Leitlinien stellen die Bedeutung der Wälder heraus und behandeln Regularien des Abschusses.

Landkreis – Schon in der Präambel der Leitlinien wird die Bedeutung der Wälder im Landkreis für das Klima, als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, als Erholungsraum für die Bevölkerung und als nachwachsender Rohstoff betont. Diese Funktionen können in Zukunft am besten mit naturnahen Mischwäldern erreicht werden, die gegenüber Stürmen, Hitze und Schadinsekten am widerstandsfähigsten sind. Beim Umbau der in vielen Regionen des Landkreises noch fichtendominierten Wälder zu solchen klimatoleranteren Mischwäldern kommt der Jagd eine wichtige Rolle zu. Angepasste Schalenwildbestände (Reh-, Rot-, Gamswild) ermöglichen die natürliche Verjüngung mit Mischbaumarten und den aktiven Waldumbau durch Anpflanzungen.

Unter Federführung der Jagdbehörde am Landratsamt und unter Beteiligung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) hat ein Arbeitskreis – bestehend aus Mitgliedern des Jagdbeirats, der Jagdberater und örtlicher Experten der Forstwirtschaft – daher Leitlinien ausgearbeitet. Diese sollen die Jäger und Grundeigentümer dabei unterstützen, eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Waldverjüngung in den Hegegemeinschaften zu erreichen. Der Arbeitskreis kommt damit Vollzugshinweisen des Landwirtschaftsministeriums nach, die für Hegegemeinschaften, die seit 2006 eine Bewertung des Verbisses der Baumtriebe durch Schalenwild mit „zu hoch“ oder „deutlich zu hoch“ hatten, die Aufstellung solcher Leitlinien vorsieht. Im Landkreis Ostallgäu hatten sechs von zwölf Hegegemeinschaften dauerhaft eine solche Bewertung. Man war sich jedoch im Arbeitskreis vor Ort schnell einig, dass die ausgearbeiteten Maßnahmen für alle Hegegemeinschaften im Landkreis Ostallgäu sinnvoll sind und daher auch an alle gerichtet sein sollen.

Im Einzelnen sehen die Leitlinien vertrauensbildende Maßnahmen und Förderung der Transparenz zwischen den Jägern als Revierinhabern und den Jagdgenossenschaften als Zusammenschluss der Grundeigentümer vor. So sollen zum Beispiel die im Landkreis seit langem bewährten Zwischenmeldungen zum Abschuss von Schalenwild, die in der Jagdsaison monatlich erfolgen, beibehalten werden („Ostallgäuer Modell“). Dadurch kann mehr Transparenz für die Jagdgenossenschaften erreicht und flexibel und zeitnah auf Entwicklungen reagiert werden. Auch soll damit der Informationsstand innerhalb der Hegegemeinschaften erhöht werden, sodass auch Reviernachbarn sich über die Erfüllung der Abschusspläne austauschen und abstimmen können. Sollte Anfang November eines Jahres der Abschuss noch nicht zu mindestens 70 Prozent erfüllt sein, wird die Jagdbehörde darauf hinweisen.

Nachweis erbringen

Die Leitlinien sehen den sogenannten körperlichen Nachweis, also das Vorzeigen des erlegten Wildes, als eine wichtige, vertrauensbildende Maßnahme. Es wird empfohlen, diesen körperlichen Nachweis bei der Pachtvergabe einvernehmlich einzuführen oder von den häufig in laufenden Jagdpachtverträgen vorhandenen Optionen Gebrauch zu machen. In der Praxis haben sich je nach der örtlichen Konstellation verschiedenste, für alle Beteiligten praktikable Formen des körperlichen Nachweises entwickelt (Anruf, Bereithalten, Vorzeigen von Teilen und mehr). Als weitere Maßnahme, die neben der Zusammenarbeit über Reviergrenzen hinweg vor allem dem Tierschutz Rechnung trägt, wird die flächendeckende Einführung sogenannte Nachsuchen-Vereinbarungen empfohlen.

Ein ganz wesentlicher Punkt, den die Leitlinien darstellen, ist die gegenseitige Rücksichtnahme von Jäger und Grundeigentümer. So wie die Jäger durch angepasste Wildbestände die Interessen der Forst- und Landwirte wahren, sollen auch die Grundeigentümer soweit möglich Rücksicht nehmen, indem beispielsweise Störungen der Jagdausübung durch zeitliche Absprachen vermindert oder jagdliche Einrichtungen geduldet werden. Neben der vertrauensvollen Zusammenarbeit sehen die Leitlinien auch die Ausnutzung vorhandener jagdlicher Möglichkeiten als Maßnahmen zum Erreichen der Ziele an. So wurden zum Beispiel einheitliche Kriterien für die Verkürzung von Schonzeiten ausgearbeitet, sodass diese für die Beteiligten transparenter werden. Den Hegegemeinschaften wird empfohlen, Konzepte zum Schalenwild-Management aufzustellen. Hier kann auf bereits bestehende Konzepte, wie beispielsweise das Schalenwildmanagement-Konzept der Hochwildhegegemeinschaft Ammergebirge zurückgegriffen werden. Dieses wurde 2010 in der Hegegemeinschaft durch die örtlichen Berufsjäger erstellt.

Die Leitlinien werden in der Folge den Hegeringleitern, Revierinhabern und Jagdgenossenschaften zugesandt und auf der Homepage des Landratsamts veröffentlicht. Zur Evaluierung der Maßnahmen soll schließlich dem Jagdbeirat jährlich über die Umsetzung der Leitlinien berichtet werden.

Landrätin Maria Rita Zinnecker ist zufrieden, dass die Leitlinien noch vor Ende des vergangenen Jahres fertig gestellt werden konnten: „Unsere Wälder erfüllen wichtige Funktionen, die allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Beteiligten im Landkreis bei dem oft schwierigen Ausgleich von Wald und Wild immer bereit sind, konstruktiv miteinander zu reden und zu Ergebnissen zu kommen, anstatt fruchtlose Grundsatzdiskussionen zu führen.“ So wird der Landkreis Ostallgäu auch einer der ersten in Bayern sein, der dem Landwirtschaftsministerium die Umsetzung der Vollzugshinweise vermelden kann.

Die Leitlinien stehen neben der regelmäßigen, alle drei Jahre stattfindenden Abschussplanung für Rehwild (für Rot- und Gamswild jährlich). Für die Jahre 2019 bis 2021 wurde für den gesamten Landkreis ein Abschuss-Soll von 20.442 Stück Rehwild festgelegt; in den Jahren 2016 bis 2018 wurden 18.901 Stück Rehwild im Landkreis erlegt. 

kb

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