Baubeginn für April 2014 geplant – Stadt muss 400.000 Euro zuschießen

Weg frei für den neuen Bahnhof

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Der neue Bahnhof in abendlicher Beleuchtung: Dieses Bild soll sich den Buchloer Bürgern bald anstelle des „Hasenstalls“ bieten.

Buchloe – Beinahe wäre der Bau des neuen Bahnhofsgebäudes in Buchloe kurz vor dem Ziel fürs Erste gescheitert – aus finanziellen Gründen. Nun konnte doch noch eine Einigung erzielt werden. Nach "harten Verhandlungen" zwischen Bürgermeister und Bahn gibt es nun eine Lösung, die vom Bahnvorstand und dem Stadtrat abgesegnet ist.

Für Bürgermeister Josef Schweinberger war es wie ein Feiertag: Er konnte dem Stadtrat verkünden, dass das leidige Bahnhofsthema vom Tisch ist. Stadt und Bundesbahn (DB) hätten sich über den Bau des neuen Bahnhofsgebäudes geeinigt. Zwar muss die Stadt noch einmal richtig tief in die Tasche greifen und 400.000 Euro auf den Tisch legen, doch mit dem Abriss des alten Bahnhofsgebäudes wird ein Schandfleck im Stadtbild beseitigt. Der Bauausschuss soll noch diese Woche die Weichen für den Abriss stellen. Zu klären wird sein, ob der Bauhof oder eine externe Firma tätig werden soll. 

Buchloe sei seit 1847 an das Bahnnetz angeschlossen, sagte Schweinberger: „Wir hatten ein wunderschönes Bahnhofsgebäude“. 1962 sollte es dann für 50.000 DM saniert werden. Doch die Stadt hatte kein Geld. Damit war die Chance vertan, das historische Gebäude, an dem schon König Ludwig auf dem Weg zu seinem Märchenschloss umgestiegen war, zu erhalten. 1967 wurde es abgeris- sen und durch das heutige schmucklose Gebäude ersetzt. „Hasenstall“ ist seitdem nur eine der abwertenden Bezeichnungen für das Bahnhofsgebäude. 

Im Jahr 2010 einigten sich Bahn und Stadt auf den Neubau eines Empfangsgebäudes. 550.000 Euro Zuschuss sagte die Stadt damals der Bahn als Zuschuss zu. Dafür darf Buchloe nun den Bahnhofsvorplatz sein eigen nennen. Dieser sollte eine zentrale Rolle in der städtebaulichen Weiterentwicklung der Stadt spielen: Gleich nebenan entsteht die „Neue Mitte“ mit Buchloes neuer Einkaufswelt. 

Dann geriet das Projekt bei der Bundesbahn auf das Abstellgleis. Neue Prioritäten wurden von der Politik vorgegeben – der Bau eines „Bahnhalts“ in Graben (bei Augsburg) für die Amazon-Beschäftigten rückte zu Lasten des Buchloer Bahnhofsneubaus in der Prioritätenliste ganz nach vorne. 

Inzwischen war auch die ursprüngliche Kalkulation der Baukosten durch die Preissteigerung aus dem Runder gelaufen. Der Bahnvorstand zog kurzerhand die Notbremse. Die Folge war, dass auch das städtebauliche Konzept von Buchloe zum Stillstand kam. Denn die Voraussetzung für die weiteren Planungen zum neuen Omnibusbahnhof (ZOB), zur ebenfalls neuen Verkehrsführung sowie zur Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes wäre gewesen, dass die Bahn das alte Bahnhofsgebäude abreißt und mit dem Neubau beginnt. 

Stadträte verärgert 

Der neue Bahnhof mit dem Vorplatz sollte das Schmuckstück von Buchloe werden. Schon in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause hatten sich die Räte mit der Gestaltung der Bahnhofsumgebung befasst und sich vom beauftragten Architekten Wendelin Burkhardt die Vorplanung präsentieren lassen. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigten sich einige Stadträte verärgert, weil es nicht weiterging. Dabei hatten vorbereitende Arbeiten schon begonnen. Auf der gesamten Länge von Gleis 1 wurden die Leerrohre eingezogen. Der Bahnsteig ist erhöht worden. Sogar ein Teil des Daches vom alten Bahnhofsgebäude wurde abgesägt, um Platz für eine neue Trafostation zu schaffen. 

Harte Verhandlungen 

Bürgermeister Josef Schweinberger setzte während der jüngsten Sommerferien auf Diplomatie, um den „Zug“ wieder in Bewegung zu bringen. So waren es vor allem die aus dem Ruder gelaufenen Kosten bei der Bahn, die den Stillstand verursacht hatten. Auf 800.000 Euro bezifferte die Bundesbahn die Preissteigerung. Davon sollte die Stadt Buchloe die Hälfte, also 400.000 Euro, zuschießen. Darin sind allerdings rund 130.000 Euro für den Abriss des alten Gebäudes enthalten, die, wenn die Arbeiten vom städtischen Bauhof übernommen werden, zwar „Kosten“, aber kaum reelle Ausgaben bedeuten. Im Ergebnis stimmte der Stadtrat schließlich dem Deal zu, der inzwischen auch vom Vorstand der Bahn abgesegnet war. „Die Verhandlungen waren hart“, sagte Schweinberger. Immerhin erreichte er, dass die verbleibende Summe auf zehn Haushaltsjahre aufgeteilt wird – das bedeutet 27.000 Euro pro Jahr. Das war es nicht nur dem Bürgermeister, sondern auch den meisten Räten wert, um den „Schandfleck“ Bahnhofsgebäude zu beseitigen. Bei überwiegender Zustimmung der Räte gab es nur zwei Gegenstimmen. 

 "Der Weg ist frei" 

Damit ist nun der Weg für den Abriss des alten Bahnhofsgebäudes frei. Einige Ratsmitglieder meinten, dass mit dem Neubau eigentlich unverzüglich begonnen werden könne. Diese Hoffnungen musste DB-Regionalbereichsleiter Günther Pichler aber dämpfen – derartige Großprojekte müssten europaweit ausgeschrieben werden, so Pichler. Frühester möglicher Baubeginn dürfte im April 2014 sein. Pichler zeigte sich zuversichtlich: „Die Kuh ist vom Eis“ resümierte er. Die notwendigen Genehmigungen für den Neubau liegen indes bereits vor. Das Landratsamt hatte bereits im November 2012 das Projekt abgesegnet, das Eisenbahnbundesamt hat die Zustimmung Ende April 2013 erteilt. 

Stimmen zum Ergebnis 

Günther Pichler musste sich als Vertreter der DB in der Ratssitzung einige Kritik anhören. Monika Strohmayer (SPD) sagte, die Stadt habe „alles getan“ und sogar noch einmal nachgelegt. Herbert Barthelmes CSU) gab zu bedenken, dass in der Bevölkerung Zweifel an dem Bahnprojekt aufgekommen seien, deshalb müsse man mit einem schnellen Abriss des alten Gebäudes ein sichtbares Zeichen setzen. Christine Warkus (FWV) hegte ihre Zweifel öffentlich und fragte, ob die Stadt denn nun die Sicherheit habe, dass wirklich alles in die Gänge käme. Richtig „sauer“ zeigte sich Franz Lang (parteilos). Für ihn hat die Bahn die Stadt „abgekocht“. Fast eine Million Euro müsse Buchloe nun hinblättern. Er forderte, dass die Stadt an den zukünftigen Mieteinnahmen beteiligt werden solle. 

Maximilian Hartleitner (CSU) zeigte sich dagegen erstaunt über die schlechte Stimmung und die negativen Wortbeiträge. Das Problem sei „gut gelöst“, meinte er. Amely Beutlrock (UBI) wiederum äußerte die Meinung, für die vorliegende Summe hätte man auch selbst „ein schnuckliges Bahnhofsgebäude“ bauen können. von csp

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