Die neue Allgäuer Abgeordnete Susanne Ferschl gibt Einblick in Bundestag

Lange Tage, kurze Nächte

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MdB Susanne Ferschl (Die Linke) im Plenarsaal des Bundestages.

Berlin/Kaufbeuren – Am morgigen Donnerstag, 25. Januar, lädt Susanne Ferschl (Die Linke)alle Interessenten um 18 Uhr zu ihrem „Bericht aus dem Bundestag“ in das Hotel Hasen in Kaufbeuren ein und berichtet in lockerer Atmosphäre über ihre ersten Wochen als Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Dem Kreisbote gab die neue Bundestagsabgeordnete schon vorab ein Interview zu den ersten Eindrücken in Berlin.

Sie sind nun schon seit einigen Wochen im Bundestag. Wie haben Sie den ersten Sitzungstag erlebt?

Ferschl: Der erste Sitzungstag war schon sehr aufregend und spannend – es ist doch ein Unterschied ob man vom Fernseher aus eine Sitzung verfolgt oder als Abgeordnete live vor Ort ist. Man muss sich natürlich auch erst zurecht finden – wir hatten ja auf der Konstituierung auch die Wahl des Bundestagspräsidenten und dessen Stellvertreter – wie das mit den Stimmkarten, dem Wahlausweis etc. funktioniert.

Sie sitzen der AfD unmittelbar gegenüber, haben sozusagen direkten Blickkontakt. Wie empfinden Sie diese Situation?

Ferschl: Als sehr unangenehm. Besonders am ersten Tag ist mir das aufgefallen. In der AfD-Fraktion sind überwiegend Männer und die trugen alle ein weißes oder helles Hemd – das war wie ein uniformierter Block. Und wenn man weiß, wer da alles dabei ist, dann wird das Unbehagen nur größer.

Haben Sie Frau Merkel schon persönlich getroffen und konnten Sie kurz mit ihr sprechen? Wenn ja, worüber haben Sie gesprochen?

Ferschl: Nein, ich habe sie quasi nur „aus der Ferne“ gesehen.

Wovon sind Sie mit Blick auf Ihre politische Arbeit in Berlin am meisten beeindruckt?

Ferschl: Von dem riesigen Apparat, der hier dran hängt. Egal ob man zum Beispiel eine schriftliche oder mündliche Frage an die Bundesregierung stellen will – alles läuft nach festen Regelungen, ist an Fristen gebunden und wird von Mitarbeitern vor- und nachbereitet.

Wie muss man sich einen ganz gewöhnlichen Tag als Bundestagsabgeordnete während einer Sitzungswoche vorstellen?

Ferschl: Die Wochen laufen normalerweise immer nach einem festen Schema. Normalerweise deswegen, weil wir bislang – aufgrund der Regierungsbildung – noch keine regulären Sitzungswochen hatten, das wird sich ab KW 5 aber ändern.

Am Montag startet die Woche meistens mit einer Bürobesprechung meines Teams, Erledigung der Post, Anfragen etc. Am Dienstag tagen dann die Arbeitskreise der Fraktionen, Nachmittags ist Fraktionssitzung. Am Mittwoch finden dann die fraktionsübergreifenden Ausschusssitzungen statt und ab Mittwochmittag ist Plenum bis Freitagnachmittag bzw. -abend. Donnerstag geht das oft bis in die Nacht. Und an den anderen Abenden finden Empfänge oder Veranstaltungen statt, zu denen man eingeladen ist. Also alles in allem: Die Tage sind lang, die Nächte kurz.

Haben Sie schon Ihr neues Büro in Berlin fertig eingerichtet? Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Ferschl: Das Büro in Berlin ist eingerichtet und ich bin froh, eine Büroleiterin zu haben, die mit den Abläufen bestens vertraut ist. Aktuell bin ich auf der Suche nach einem wissenschaftlichen Mitarbeiter. Im Wahlkreisbüro in der Johannes-Haag-Straße in Kaufbeuren arbeitet bislang mein Referent im Wahlkreis, Herr Hintermayr, der zeitgleich schwäbischer Bezirksrat ist. Ab Januar fängt eine weitere Mitarbeiterin in Teilzeit an.

In den Sitzungswochen bleiben Sie in Berlin. Wo leben Sie da?

Ferschl: Ich habe eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung in Alt-Moabit gefunden, schön zu einem Innenhof gelegen – es ist also sehr ruhig und sogar ein wenig grün.

Sie sind verheiratet. Wie gelingt der Spagat zwischen Job und Privatleben?

Ferschl: Wenn mein Mann meine Ambitionen nicht unterstützt hätte, hätte ich dieses Amt nicht angestrebt. Allerdings ist er durchaus gewohnt, dass ich sehr viel unterwegs bin, denn das war ich als Gesamtbetriebratsvorsitzende auch. Die knappe freie Zeit versuchen wir immer gemeinsam zu nutzen und jetzt eben auch mit dem ein oder anderen Wochenende in Berlin.

Haben Sie sich die Arbeit in Berlin so vorgestellt?

Ferschl: Im Großen und Ganzen schon. Keine Vorstellung hatte ich von den parlamentarischen Abläufen im Detail und ich hatte tatsächlich die langen Tage etwas unterschätzt.

Wie ist das Verhältnis zwischen den Bundestagsabgeordneten der verschiedenen Parteien? Spricht man miteinander oder werden die „Neuen“ erstmal sondiert?

Ferschl: Das ist ganz unterschiedlich, aber es gibt durchaus parteiübergreifende nette Verbindungen. „Sondiert“ wird man nur deswegen, weil die meisten erfahrenen Abgeordneten nicht unbedingt Kontakt zur AfD suchen und die Neuen kann man eben bisweilen nicht zuordnen.

Wie ist das Verhältnis zu Herrn Stracke? „Verbündet“ man sich da als Allgäuer, oder lässt das die jeweilige Parteizugehörigkeit nicht zu?

Ferschl: Ich denke, wir haben ein ordentliches Verhältnis zueinander. Ich hätte auch kein Problem damit, bei Themen, die wir für das Allgäu voranbringen wollen, an einem Strang zu ziehen – ich bin da pragmatisch veranlagt. Bislang hat sich das noch nicht ergeben. In Berlin sehe ich ihn selten – der Bundestag ist so groß, dass man sich da oft die ganze Woche nicht sieht.

Vielen Dank für das Gespräch.

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