Möglichst lang mobil und selbständig

Neue Quartiersmanagerin Birgit Martin stellt ihr Seniorenkonzept im Gemeinderat Aitrang vor

Der spontane „Fensterplausch” ist in Coronazeiten eine beliebte Kommunikationsart. Birgit Martin an ihrem Arbeitsplatz im Aitranger Rathaus
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Der spontane „Fensterplausch” ist in Coronazeiten eine beliebte Kommunikationsart. Birgit Martin an ihrem Arbeitsplatz im Aitranger Rathaus

Aitrang/Ruderatshofen – Bereits im September 2019 hatten die beiden Gemeinden mit der Unterstützung der Seniorenbeauftragten ein sogenanntes Quartierskonzept vereinbart (wir berichteten). Es stellt einen wichtigen Bestandteil der allgemeinen Dorfentwicklung dar und will insbesondere die Bedürfnisse älterer Menschen in die Entwicklung der beiden Gemeinden mit einbeziehen. Für das dazugehörige Quartiersmanagement wurde im Aitranger Haushalt eine Halbtagsstelle eingeplant, deren Kosten die Gemeinde mit dem Ort Ruderatshofen abrechnet. Die jährlich dafür anfallenden Kosten belaufen sich auf 30.000 Euro Personal sowie 3.000 Euro Sachkosten und werden über vier Jahre hinweg vom Freistaat mit einer Förderung von 80.000 Euro bedacht

Vergangene Woche bekam die seit Oktober 2020 eingestellte Quartiersmanagerin Birgit Martin die Gelegenheit, sich selbst und ihre Arbeit bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung vorzustellen. Die examinierte Krankenschwester, die erst 14 Jahre im Pfrontener Klinikum St. Vinzenz und dann sieben Jahre im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren gearbeitet hat, war durch eine Erkrankung in ihrem Familienumfeld auf die Idee gekommen, an der Hochschule Kempten Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege zu studieren und so die Qualifikation einer Gerontologischen Pflegekraft zu erwerben. Privat ist sie verheiratet und hat zwei fast erwachsene Kinder.

Strukturen unter die Lupe nehmen

Unterstützt von einer Powerpoint-Präsentation stellte Martin den versammelten Gemeinderatsmitgliedern das Konzept ihres Quartiersmanagements vor. Als Angestellte der Gemeinde möchte sie „die Mitverantwortung der Kommune zur Daseinsvorsorge wahrnehmen”. Was das bedeutet, erläutert sie anschaulich anhand eines Zitats des Anthroposophen und Sozialreformators Wilhelm-Ernst Barkhoff: „Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen.”

Ihr übergeordnetes Ziel für die Gruppe der Senioren ist deswegen der möglichst lange Verbleib in den eigenen vier Wänden. Dafür will sie die örtlichen Besonderheiten sowie die vorhandenen Strukturen unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls optimieren, damit die Selbständigkeit der Senioren und ihre Mobilität in den beiden Gemeinden erhalten bleibt. Hier richtet sie ihr Augenmerk auf Stolperstellen auf den Straßen und Wegen und sucht geeignete Plätze für die Aufstellung von Ruhebänken auf den täglichen Wegen der Seniorinnen und Senioren. Geplant ist auch der Sturzpräventionskurs „Trittsicher” für alle, die sich nicht nur informieren wollen, sondern auch gerne mitmachen.

„Seniorenblättle“ ins Leben gerufen

Als Kommunikationsmittel hat Martin das „Seniorenblättle“ ins Leben gerufen, eine monatlich erscheinende Zeitschrift, die neben den neuesten Nachrichten aus dem Quartiersbüro auch Gesundheitstipps, Rätsel, Gedichte, Gedächtnistraining, bietet, aber auch Besinnliches und Spirituelles sowie allerlei Interessantes zu Gebräuchen und Sitten aus der Umgebung. Im „Seniorenblättle” gibt es auch Rubriken, in denen Leser selbst Erinnerungen, Rätsel, Gedichte und vieles mehr veröffentlichen können. Die Publikation liegt in den Rathäusern der Gemeinden und deren Kirchen aus, aber auch in einigen Geschäften sowie in den Arztpraxen vor Ort.

Einen mindestens ebenso zentralen Stellenwert hat für Martin der Aufbau der dorfübergreifenden Nachbarschaftshilfe „AIT RUD”. Um mit dieser Struktur Nachbarschaftshilfe sinnvoll und effektiv zu gestalten, wünscht sich die Quartiersmanagerin aus der Gemeinde und der Bevölkerung Informationen darüber, wer von den Betroffenen und Angehörigen aus Aitrang und Ruderatshofen aktuell Beratung und Unterstützung braucht, oder wer sich als Helfer mit seinen individuellen Talenten und Fertigkeiten in die Nachbarschaftshilfe einbringen könnte. Auch konkrete Vorschläge, wie und wo man die Gemeinde noch seniorenfreundlicher gestalten könnte, sind ihr willkommen.

Bürgermeister Michael Hailand zeigte sich mit der derzeitigen Entwicklung seines interkommunalen Quartiersbüros sehr zufrieden. „Viele Gemeinden um uns herum ziehen jetzt nach in dieser Entwicklung”, sagte er. „Das heißt, wir sind auf dem richtigen Weg.”

In ihrem Büro in der Aitranger Lindenstraße 30 ist Birgit Martin Dienstag bis Donnerstag von 8.30 bis 12 Uhr telefonisch erreichbar, jederzeit auch unter der E-Mail-Adresse birgit.­martin@vgem-biessenhofen.de.

Felix Gattinger

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