Neubau in Marktoberdorf mit Hort und Turnhalle für 26 Millionen Euro – Wettbewerb

Die neue Schule St. Martin: Was sie kostet

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Das Martinsheim. Es soll erhalten werden, darf aber dann abgerissen werden, wenn dies für eine „faszinierende“ Planung der neuen Grundschule mit Hort sinnvoll ist.

Marktoberdorf – Jetzt sind Zahlen dazu auf dem Tisch, was die Schule St. Martin kosten wird, die im Herzen Marktoberdorfs neu gebaut wird. In der Summe sind es mehr als 26 Millionen Euro. Wird zudem eine Tiefgarage unter dem Schulgebäude realisiert, dann werden es mindestens 30 Millionen Euro sein.

Ralf Baur, der Chef des Bauamts, listete vor den Stadträten die einzelnen Posten auf. Der Neubau der Grundschule mit zwölf Klassenzimmern und mehreren weiteren funktionalen Räumen für 300 Erst- bis Viertklässler kostet samt Abbruch 14,9 Millionen Euro.

Für einen neuen Hort mit sechs Gruppen für ungefähr 150 Kinder sind 5,7 Millionen Euro veranschlagt. Eine Turnhalle, die mit 15 mal 27 Meter größer sein wird als die jetzige, kostet wohl drei Millionen Euro. Und: Die Auslagerung in eine Containerschule während der Bauzeit wird mitsamt dem Umzug auf 2,8 Millionen Euro beziffert. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell sprach von einer „professionellen Kostenschätzung“, die zugleich „schonungslos“ und auf den „Worst Case“ ausgelegt sei.

Besucherreihen waren gut gefüllt

Erstmals seit vielen Monaten waren die 40 Besucherstühle im Rathaussaal wieder nahezu alle voll; zahlreiche Lehrer, Erzieher und Eltern fanden sich zu der Sitzung ein, auf der die weitere Vorgehensweise zur Grundschule und zum Hort vorgestellt wurde. Zudem wurde – begleitet von mehreren spontanen Anträgen und Abstimmungen – intensiv darüber beraten, welche aktuellen Änderungen in den Auslobungstext zum Realisierungswettbewerb aufgenommen werden. Das 39 Seiten starke Papier war bereits Mitte Januar in einem Workshop vier Stunden lang behandelt worden – allerdings nichtöffentlich.

Zwölf Architekturbüros sind bereits von der Stadt Marktoberdorf eingeladen worden, ihre Ideen für einen Neubau der Schule an gleicher Stelle im Herzen der Stadt zu entwickeln. Weitere 23 Büros werden, wie Ralf Baur und Architektin Marion Schmidt vom Stadtbauamt erklärten, können sich bewerben; sie werden über ein vorgeschaltetes Verfahren ausgewählt. Letztlich sollen es 35 Teilnehmer sein. Für den besten Entwurf im Realisierungswettbewerb, der bis Herbst 2018 abgeschlossen sein soll, gibt es ein Preisgeld von 28.000 Euro.

Dem Gremium gehören vier Fachpreisrichter an, darunter ist auch der Bauamtschef von Markt­oberdorf. Stimmberichtigt sind auch die Sachpreisrichter. Diese Aufgabe übernehmen Bürgermeister Dr. Hell, zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig und dritter Bürgermeister Carl Singer. Weitere interessierte Stadträte aus allen Fraktionen sind eingeladen, da mitzudiskutieren – allerdings ohne Stimmrecht.

Die Entscheidung darüber, ob eine Tiefgarage unter der neuen Grundschule gebaut wird, ist noch offen. Ein Antrag der Grünen, darauf ganz zu verzichten, ist mit großer Mehrheit abgelehnt worden; ebenso ist deren Vorschlag zurückgewiesen worden, nur zehn statt der geplanten 17 Stellplätze für die Lehrer und Erzieher auszuweisen.

Der Vorstoß von Franz Barnsteiner und Carl Singer, alle Gebäude auf dem Areal abzureißen, also auch das Martinsheim, ist abgelehnt worden. Dafür waren die vier Räte aus der SPD, drei von den Freien Wählern und Andreas Wachter (CSU). Singer sagte, die Investition sei auf 30 bis 50 Jahre ausgelegt. Geschaffen werden soll „eine optimale Schule an diesem Standort“. Darum sei es besser, alle Gebäude auf dem Areal zu entfernen und neu zu errichten.

Zuvor hatte Bauamtschef Baur erklärt, der Abbruch des Martinsheimes sei durch die Vorgaben im Auslobungstext nicht ausgeschlossen, sofern dadurch eine „überzeugende Gesamtlösung geschaffen wird“. Aber die Botschaft an die Architekten sei im Realisierungswettbewerb schon eindeutig: „Wenn ihr da rangeht (an das Martinsheim, Anm. der Redaktion), muss das schon ein absolut faszinierender Gedanke sein.

Aktuelle Änderungen beim Auslobungstext

Wesentlicher Bestandteil des Auslobungstextes zum Wettbewerb, der europaweit ausgeschrieben wird und von der Architektenpartnerschaft Walter Landherr/Ralf Wehrhahn aus München betreut wird, sind schließlich Kriterien wie die Wirtschaftlichkeit, die Nachhaltigkeit (Stichwort Energieeffizienz) und die Unterhaltskosten für das neue Gebäude. Auch die Bauzeit ist ein Kriterium. Schließlich wurde der Auslobungstext samt aktuellen Änderungen mit 23 zu zwei Stimmen gebilligt. Nur die Grünen-Stadträte Christian Vávra und Georg Martin waren dagegen.

Die Verabschiedung des knapp 40-seitigen Auslobungstextes, der im Stadtrat stundenlang durchgeackert und überarbeitet wurde, ist gleichsam der Startschuss für den Architektenwettbewerb. Nach dem Wettbewerb und dem Beschluss, wer den Auftrag bekommt, geht es ab Ende 2018/Anfang 2019 in die detaillierte Planung. Es ist davon auszugehen, dass nach dem Abriss der Neubau innerhalb von zwei Jahren errichtet wird. Markt­oberdorf kann für dieses teuerste Projekt der letzten Jahre mit einer staatlichen Förderung rechnen – sowohl aus dem Topf des Schulbaues als auch aus dem Bereich der Städtebauförderung.

jj

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