Bewusste Umschau in der Stadt

"Ansichtssache Kaufbeuren"

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Begehbares „Wimmelbild“ im Stadtmuseum Kaufbeuren.

Kaufbeuren – „Was wir täglich sehen, nehmen wir meist nicht mehr wahr – allerhöchstens unbewusst.“ Darin waren sich sowohl OB Stefan Bosse als auch Petra Weber bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Ansichtssache Kaufbeuren“ im Stadtmuseum einig.

Neben dem Grußwort des Oberbürgermeisters und der Einführung der Museumsleiterin wurde die wie immer sehr gut besuchte Vernissage musikalisch umrahmt von „Teen Spirit“, dem Jugend-Gospelchor der evangelischen Christuskirche in Neugablonz unter der Leitung von Monika Stapf.

Die neue Ausstellung will die Kaufbeurer Bürger wieder zu einer bewussten Umschau in ihrer Stadt animieren. Die Fotografen Dieter Schmidt und Hans-Jörg Michaelis sowie der vielfach ausgezeichnete Maler – unter anderem Kaufbeurer Kulturpreisträger von 1985 – Peter Krusche zeigen dafür in älteren und neueren Werken ihren ganz persönlichen Blick auf die Stadt. Objekte und Stadtansichten aus den Beständen des Museums ergänzen die Gegenüberstellungen. Von Dieter Schmidt sind aus den Jahren 1960 bis 1990 analoge Schwarz-Weiß-Fotos mit dokumentarischem Charakter zu sehen. Als „fotografisches Gedächtnis der Stadt“ hat er dabei viele Orte – Geschäfte, Wirtschaften, Straßen – im Bilde festgehalten, die heute verschwunden sind.

Hans-Jörg Michaelis hat die Stadt von 2014 bis 2016 digital fotografiert. Sein Schwerpunkt waren dabei die „Dachlandschaften“, an denen allein schon diverse bauliche Stadtentwicklungen abzulesen sind.

Dominierend jedoch in dem „begehbaren Wimmelbild“, wie Petra Weber es formulierte, sind die in ihrer expressiven Farbigkeit extrem ausdrucksstarken, meist großformatigen Gemälde von Peter Krusche. Trotz aller Verfremdung ist sowohl auf seinen Bildern aus den 1990er Jahren, auf denen die Häuser mit ihren gebrochenen Kanten zu tanzen scheinen, als auch auf den Werken aus 2016 mit geradlinigen Häusern immer eindeutig Kaufbeuren zu erkennen. „Und die Fenster stimmen auf jeden Fall immer!“, betonte Peter Krusche.

Die Ausstellung hat keine chronologische Abfolge, sie ist vielmehr in die Bereiche „Innenstadt“, „gewachsene Stadt mit Dächern und Baustellen“, „mobile Stadt und verschwundene Orte“ aufgeteilt. Dazu kommt der Bereich „Mein Kaufbeuren“. Hier sind Kaufbeurer und Nicht-Kaufbeurer aufgefordert mitzumachen und ihre eigene Ansicht von Kaufbeuren als Foto nebst Kommentar unter dem Hashtag #AnsichtssacheKF auf Instagram hochzuladen. Einige dieser Bilder werden im Laufe der Zeit zusätzlich in die Ausstellung integriert, so dass ein noch nuancenreicheres Bild der Stadt entsteht. Alle hochgeladenen Bilder sind zudem auf einer Medienstation abrufbar.

Begleitend zur Ausstellung im Stadtmuseum hat Fotograf Hans-Jörg Michaelis in Zusammenarbeit mit der Abteilung Kulturförderung der Stadt Kaufbeuren eine Auswahl von Aufnahmen aus seinem Projekt „Stadtfotograf 2014-2016“ zusammengestellt, die an Häuserfassaden der Innenstadt angebracht sind. Der Rundgang dauert etwa dreißig Minuten.

Für den Ausstellungs-Rundgang im Museum lohnt es sich, etwas mehr Zeit anzusetzen, um die oftmals ungewöhnlichen Blickwinkel in aller Ruhe im Kopf nachzuvollziehen oder zu überlegen, wo sich denn eigentlich diese verschwundene Tankstelle oder jener Wolleladen oder die abgebildete Abriss-Baustelle befunden hat. Ob einem die Baustellenbilder oder überhaupt die Veränderungen gefallen – das ist dann wieder Ansichtssache...

Information: „Ansichtssache Kaufbeuren – Stadtbilder gestern und heute“ Sonderausstellung noch bis zum 30. Juli 2017 Stadtmuseum Kaufbeuren. Montags geschlossen, ausgenommen an Feiertagen.

von Ingrid Zasche

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