Einweihung der Tagesklinik am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren

Ein "Schutzraum" für Geist und Seele

+
Atmosphäre zum Wohlfühlen: Ein Gruppenraum für Gespräche und gemeinsame Therapiestunden in der Tagesklinik des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Man könnte es fast als Quantensprung in der medizinischen Betreuung seelisch erkrankter Menschen bezeichnen, was sich mit der aktuellen Einweihung der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Tagesklinik (TK) an den Bezirkskliniken Schwaben am Standort Kaufbeuren vollzogen hat.

Besonders im Hinblick auf die historische Entwicklung des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, kurz "BKH" wird deutlich, welche Veränderungen sowohl die Therapieformen, als auch die räumlichen Rahmenbedingungen erfahren haben: Helle, freundlich gestaltete Räume, die Ruhe ausströmen und nicht den Charakter von Behandlungs- oder Therapieräumen aufweisen. Mit der neuen Tagesklinik in Kaufbeuren stehen 25 Patientenplätze an fünf Wochentagen tagsüber zur Verfügung. In Anwesenheit zahlreicher Gäste wurde die Einrichtung nun offiziell eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Thomas Düll als Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben ging in seiner Ansprache auf die Entwicklung in der teilstationären Behandlung in den letzten Jahrzehnten bayernweit und speziell in Kaufbeuren ein. Dabei wurde deutlich, dass bereits vor rund 50 Jahren erste Ideen für teilstationäre Behandlungen entstanden waren. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender sprach von einem wichtigen Beitrag zur Gesundung des Menschen. Während früher an verschiedenen Orten behandelt worden sei, geschehe dies heute zentral und interdisziplinär, also bereichsübergreifend. Dadurch seien aber auch Sucht- und gerontologische Erkrankungen zum bisherigen Behandlungsumfang hinzugekommen. „Ein gelungenes Werk, das zudem mit 480.000 Euro rund 45.000 Euro unter dem veranschlagten Kostenrahmen geblieben ist“, so der Präsident abschließend. 

Mehr Platz – mehr Patienten 

Dr. Gudrun Pawelke als Ärztliche Leiterin der Tagesklinik gab Einblicke in die Arbeit ihres Bereiches und erläuterte Strategien und Maßnahmen zur Erhöhung der Autonomie von Erkrankten. Dabei spiele die Einbindung des persönlichen Umfeldes der Betroffenen eine wesentliche Rolle. Beate Hummel als Stationsleiterin zeigte die organisatorischen Veränderungen auf. Bisher war die seit 1992 bestehende eigenständige Abteilung auf dreizehn Plätze begrenzt. Mit der Verdoppelung auf 25 Behandlungsplätze sind nunmehr 4,5 Vollzeitplätze für Pflegekräfte auf über 500 Quadratmetern entstanden. Damit ist die Einrichtung eine von sieben in Schwaben etablierten Tageskliniken. PD Dr. Albert Putzhammer als Ärztlicher Direktor empfand „tiefe Freude“ angesichts der „wunderbaren Räume“. Er wies darauf hin, dass die Zahl der Menschen mit leichteren Erkrankungen stetig zunehme. In einem Grußwort machte Oberbürgermeister Stefan Bosse deutlich, dass die Einrichtung mit dem vor 20 Jahren erfolgten Schritt zur damals dezentralen Tagesklinik die Stadt und die Bevölkerung verändert habe. „Die Menschen, die hier leben und arbeiten, gehören mit dazu“, sagte der OB. Sie würden von der Öffentlichkeit „als integriert wahrgenommen“. Die feierliche Einweihung der neuen Tagesklinik nahmen die für die Klinik zuständigen Seelsorger Adelheid Weigl-Gosse, Christoph Grötzner und Richard Willburger vor. von Wolfgang Becker


Individuelle Therapien

Das Therapieangebot in der Tagesklinik richtet sich an diejenigen Menschen ab 18 Jahren in akuten Lebenskrisen oder mit einer seelischen Erkrankung, bei denen eine ambulante Behandlung ihrer seelischen Erkrankung nicht ausreicht, eine vollstationäre Behandlung aber nicht notwendig erscheint oder wegen der Versorgung von Familienangehörigen schwer möglich ist. Insbesondere für Patienten mit Depressionen und Erkrankungen nach akuten Lebensbelastungen eignet sich eine tagesklinische Behandlung. Bei einem Vorgesprächstermin wird der Therapieansatz eng auf den einzelnen Patienten und seine Situation abgestimmt. Der daraus resultierende Behandlungsplan kom- biniert verschiedene Therapieverfahren und erfolgt ebenfalls in Absprache mit dem Patienten.





Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene
Razzia gegen "Reichsbürger"
Razzia gegen "Reichsbürger"

Kommentare