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Eine Saison mit Licht und Schatten 

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Von: Thomas Schreiber

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Tray Tuomie
Der ESVK verlängert die Verträge des Trainerduos um Cheftrainer Tray Tuomie (links) und Co-Trainer Sebastian Osterloh nicht. © Benjamin Lahr

Kaufbeuren – Nur wenige Tage nach dem Saisonende hat der ESV Kaufbeuren bereits wichtige Personalentscheidungen getroffen. Die Verträge mit Trainer Tray Tuomie und Co-Trainer Sebastian Osterloh werden nicht verlängert. Der bisherige U20 Trainer Daniel Jun wird künftig Co-Trainer der DEL-Mannschaft und mit Andreas Becherer vom EV Füssen und Juha Nokelainen bekommt auch der Nachwuchs prominenten Zuwachs auf den Trainerpositionen. Sportlich hat der ESVK mit einem tollen Endspurt nach Ende der Hauptrunde noch den achten Platz belegt und sich somit das zusätzliche Heimrecht für die Pre-Play-Offs gegen Freiburg gesichert. Die „Best-of-Three“ Serie ging jedoch in zwei knappen Spielen an die Breisgauer und somit war die Saison für die Joker schneller beendet als erhofft. Der Kreisbote hat dazu die abgelaufene Spielzeit noch einmal beleuchtet. 

Die Saison in Zahlen

Nach 52 Spieltagen in der Hauptrunde hat der ESVK 73 Punkte auf seinem Konto gesammelt und somit den achten Platz belegt. Das entspricht einem Punkteschnitt von 1,40 pro Spieltag. Dabei konnten die Joker ein Torverhältnis von 182:173 erzielen. Interner Top-Skorer war der Kanadier John Lammers mit 22 Toren und 39 Vorlagen. Große Sorgen bereiteten dem Verein in der abgelaufenen Spielzeit die Special-Teams. Im Powerplay kamen die Joker lediglich auf einen Erfolgswert von 17 Prozent und auch der Unterzahlwert von knapp 75 Prozent verspricht deutlich Luft nach oben.

Die Torhüter

Wie schon im Vorjahr gab es auf der Torhüterposition auch in dieser Spielzeit die größte Baustelle. Der ESVK musste ab Mitte Januar auf Stefan Vajs verzichten und als sich dann auch noch sein Vertreter Maximilian Meier, sowie Dieter Geidl aus dem Nachwuchs verletzt meldeten, gab es beim ESVK akuten Handlungsbedarf. Da ein Deutscher Torhüter zu diesem Zeitpunkt nicht zu bekommen war, vergab man die sechste und letzte Ausländerlizenz an den Österreicher Thomas Höneckl. Der wiederum gab ein vielversprechendes Debüt, doch nach der Genesung von Maxi Meier blieb für den 32-Jährigen oft nur der Tribünenplatz. Da der langjährige Vertrag von Vajs mit Saisonende ausgelaufen ist, bleibt die Frage, für welche Torhütervariante sich der Verein künftig entscheiden wird.

Die Verteidiger

Nach den Abgängen von Julian Eichinger, Denis Pfaffengut und Florin Ketterer war die Abwehr vor der Saison mit dem größten Fragenzeichen behaftet. So stand die Defensive von Beginn an unter Beobachtung und blieb auch nicht frei von Fehlern. Insbesondere die fehlende Erfahrung und auch individuelle Fehler sorgten für viele vermeidbare Gegentreffer. Zudem konnte der ESVK die Trennung von Sören Sturm nicht adäquat ersetzen. Mit dem gelernten Stürmer Florian Thomas, sowie Leon van der Linde aus dem eigenen Nachwuchs, konnten die Joker diese Lücke jedoch aus den eigenen Reihen gut schließen und so bekam die Verteidigung zum Ende der Hauptrunde dann auch deutlich mehr Stabilität. Zwar hat der ESVK auf dieser Position junge, entwicklungsfähige Spieler, doch brauchen diese weiterhin noch die Unterstützung erfahrener Nebenleute.

Die Stürmer

Einmal mehr setzte der Verein im Sturm auf vier ausländische Stürmer, die auch die Hauptlast des Toreschießens tragen mussten. Mit 182 erzielten Toren stellte der ESVK nach Ende der Hauptrunde zwar den viertbesten Angriff, doch blieben die Leistungen der vier Kontingentspieler nicht immer von Kritik verschont. Die Vertrags­auflösung von Branden Gracel verbunden mit der Verpflichtung von Mikko Lehtonen war für den ESVK im Nachhinein betrachtet ein guter Schachzug, denn der neue Angreifer hat dem Kaufbeurer Angriffsspiel frischen Wind verliehen. Jedoch konnte auch er in den entscheidenden Spielen nur wenig Impulse setzen. Bemerkenswert war jedoch die Entwicklung der eigenen jungen Stürmer, die zeitweise Doppelschichten zwischen DEL2 und DNL1 spielen mussten. Dennoch hätte dem Angriff insgesamt noch der eine oder andere erfahrene deutsche Spieler gut zu Gesicht gestanden.

Der Trainer

Tray Tuomie hat die Mannschaft nach vier Spieltagen übernommen und den negativen Trend zunächst gestoppt. Doch in den weiteren Monaten seiner Arbeit in Kauf­beuren konnte er dem Team nicht die gewünschte Stabilität verleihen. Dies lag mitunter auch an den ständigen Umstellungen, die auch bei den Spielern nicht für die nötige Sicherheit gesorgt haben. Dennoch hat er durch eine gute Schlussphase das minimale Saisonziel erreicht. Auch die Sympathiewerte in der Öffentlichkeit im Vergleich zu seinem Vorgänger hat er deutlich verbessert. Nun hat sich der Verein für eine Neuausrichtung entschieden und so müssen sich Tuomie und auch sein Co-Trainer Sebastian Osterloh nach einer neuen Aufgabe umsehen.

Die Zuschauer 

Mit knapp 1.400 verkauften Dauerkarten bekam der Verein bereits vor dem ersten Bully einen großen Vertrauensbeweis. Doch die vermeintlich besten Fans der Liga sorgten nach einem schwachen Saisonstart verbunden mit dem Lockdown im Stadion schon früh für die ersten Misstöne über die sozialen Netzwerke. Nach der Serie von neun Niederlagen über die Weihnachtstage wurde die Kritik an der Mannschaft, aber auch den Verantwortlichen immer lauter. Zudem hatte sich auch der eine oder andere Fan etwas vom Eishockeysport entfernt. Mit der Rückkehr der Zuschauer, wenn auch nur in reduzierter Form, kehrte beim ESVK wieder der Erfolg zurück. Insgesamt konnte der ESVK bei seinen 26 Heimspielen in der Hauptrunde 20.262 Zuschauer begrüßen.

Unser Fazit

Es war die prognostiziert schwere Saison mit vielen Schwankungen. Erst zum Ende der Hauptrunde hatte sich die Mannschaft deutlich stabilisiert und mit einer guten Serie noch den achten Platz erreicht. Offensichtlich haben die Verantwortlichen bei der Trennung von Branden Gracel und Sören Sturm das richtige Näschen gehabt, denn ab diesem Zeitpunkt zeigten die Joker ein anders Gesicht. Sicher hatte sich der Verein nach dem Lockdown auch einen größeren Zuschauerzuspruch erwartet, doch die anhaltende Maskenpflicht, sowie das Alkoholverbot im Stadion, haben einige davon abgehalten. Schon jetzt dürfte jedoch klar sein, der ESVK muss zur neuen Saison wieder um seine Fans kämpfen, denn Corona und auch die schwankenden Leistungen haben bei so manchen Fan die Lust auf den Kufen-Sport deutlich schwinden lassen. Mit der Neuausrichtung auf der Trainerposition hat Geschäftsführer Michael Kreitl schon frühzeitig für ein deutliches Signal gesorgt. Sicher hat er auch bei den Spielern genau hingesehen, wer sich über den ganzen Saisonverlauf hinweg für ein neues Arbeitspapier empfohlen hat.

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