SpVgg Kaufbeuren ist verärgert

Zaun teilt zukünftig Sportgelände

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Die lila markierten Flächen zeigen den neuen Weg vom Bahnhof (Treppe) kommend, am neuen Eisstadion (Terrasse) vorbei und zwischen Parkstadion und Kabinentrakt hindurch.

Kaufbeuren – Die Spielvereinigung Kaufbeuren ist verärgert. Der Grund: Die geplante neue Wegeführung vom Bahnhof über das neue Eisstadion entlang am Parkstadion zum Berliner Platz. Stein des Anstoßes ist vor allem ein Zaun, der das Areal am Parkstadion für den Verein zukünftig teilt. Darüber hinaus hätten Fußballfans zukünftig die Möglichkeit, ein Heimspiel der SVK bei sehr guter Sicht auf den Platz auch kostenlos zu erleben. Damit würde dem Verein viel Geld durch die Lappen gehen.

Doch der Reihe nach. Der Bauausschuss hatte vergangene Woche Pläne für die Neugestaltung im Umfeld des Sportzentrums mit Park- und Eisstadion vorgestellt. Herzstück ist eine neue Wegeführung, die vom Bahnhof über eine große Treppe zum neuen Eisstadion zwischen Parkstadion und Eishalle hindurch zum Berliner Platz führt (siehe auch Foto). Die Kosten für Treppe (in Form einer zehn Meter breiten Tribüne), Weg, Zaunanlage und Beleuchtung und Beschilderung belaufen sich auf rund 240.000 Euro, die die Stadt und nicht das Kommunalunternehmen Eisstadion zu zahlen hat. Den Grund hierfür lieferte Baureferatsleiter Helge Carl: So handle es sich hier um einen öffentlichen Raum, der als „Bypass“ zu verstehen sei – eine neue attraktive Wegebeziehung vom Bahnhof über die Sportanlagen und Forettle-Center hin zur Kaufbeurer Altstadt.

Was sich der Stadt als gelungene Wegeführung präsentiert, stößt nun bei der Spielvereinigung Kaufbeuren auf wenig Gegenliebe. Da spielt es für die Verantwortlichen der Spielvereinigung auch keine Rolle, dass Carl mit Blick auf die Einrichtungen der SVK mit Kassenhäuschen, Umkleidekabinen, Jugendraum und Kiosk von einer „provisorischen Lösung“ die „verträglich erscheint“ für eine Übergangszeit spricht. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen dann Lösungen folgen, die die anderen Probleme mit aufgreifen.

Welche das sind, davon kann SVK-Vorstandsmitglied Stefan Günter bereits jetzt schon ein Lied singen. Aus seiner Sicht fanden im Vorfeld zu den Planungen keine Gespräche mit seinem Verein statt. Weder zur Abgrenzung in Form eines Zaunes noch über die Auswirkungen des Baus (neues Eisstadion) auf die Infrastruktur des Parkstadions, fanden Abstimmungsgespräche statt, so Günter. Aus Sicht des Vorstandes stelle der Bau eines Zaunes nicht nur eine optische, sondern auch eine „physische Trennung“ und somit weitere Aufteilung des Parkstadions dar. „Einen Zaun direkt vor der Nase zu haben dürfte auch ein beklemmendes Gefühl sein“. Noch zu klären wäre, wie sich dies auf die dann öffentlich zugänglichen Bereiche des Parkstadions (Kabinen, Büro der SVK, Jugendraum und Kiosk) auswirkt. „Es ist nicht auszuschließen, dass es im Vorfeld und nach Eishockeyspielen durch alkoholisierte Fans zu Sachbeschädigungen kommen kann“, betont Günter, der vor allem große Bedenken in Richtung Vandalismus äußert.

Von der Terrasse des neuen Eisstadions hat man einen sehr guten Blick auf das Parkstadion. SVK-Vorstandsmitglied Stefan Günter befürchtet daher Einbußen beim Eintritt.

Der geplante Zaun könne bei Punktspielen der SVK in erster Linie auch Auswirkung auf die Lenkung der Besucher haben. „Denn wer im Innenraum des Stadions ist und Eintritt bezahlt hat, also jenseits des Zaunes, kommt nicht mehr auf direktem Weg zu den Toiletten oder zum Kiosk“, gibt Günter zu bedenken. Außerdem bestehe dann keine Notwendigkeit mehr, das Areal durch das Fußgängertor unter Zahlung von Eintritt zu betreten, da der neue Weg und die öffentliche Terrasse des neuen Eisstadions mit einem sehr guten Blick auf das Spielfeld ja regelrecht einlade, das Spiel der SVK kostenlos zu erleben. „Wir müssen abwarten, wie sich das finanziell bei Heimspielen für die SVK auswirkt. Falls es sich auswirkt, bleibt die Frage, wann es existenzbedrohend für den Verein wird“, so der Vorstand.

Für die SVK sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu beurteilen, welche Auswirkungen die Maßnahmen tatsächlich haben werden, da keine Erfahrungswerte bestehen. Allerdings habe es laut Günter beim Richtfest des Eisstadions schon erste kleine Dispute zwischen alkoholisierten Teilnehmern und Verantwortlichen der SVK gegeben, weil diese auf eine Verunreinigung des Stadions (einige Gäste urinierten im Parkstadion) hingewiesen hatten. „Ich hoffe und appelliere auch an den ESVK, seine Fans auf die Problematik hinzuweisen. Was wir unter keinen Umständen wollen, sind Missstimmungen zwischen ESVK-Fans und unseren Fußballern. Sicherlich hat die SVK hier tiefe Einschnitte, doch wollen und müssen wir das Beste aus der Situation machen. Es bleibt uns auch nichts anderes übrig“, so Günter. Der SVK-Vorstand hat darüber hinaus viele Fragen, die er noch dringend geklärt hätte. Dazu gehören etwa: „Wie erfolgt der Zugang zur Osttribüne? Müssen die Zuschauer künftig über die Tartanbahn laufen? Was ist dann bei Leichtathletikveranstaltungen? Muss die gegegenüberliegende Tribüne vielleicht gesperrt werden, aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen? Im Zuge der Punktspiele muss auch der Bayerische Fußball-Verband über die Maßnahmen informiert werden. Wie lautet das Sicherheitskonzept?“

„Anders als vielleicht Stadträte oder Offizielle behaupten, mit der SVK wäre alles abgeklärt, muss ich für mich ein klares Nein aussprechen. Hätten wir etwas gewusst, würde die gesamte Vorstandschaft, da schließe ich auch unseren Geschäftsführer Jens-Uwe Homann mit ein, sicherlich anders reagieren“, so Günter.

Stadt ist gesprächsbereit

Baureferatsleiter Helge Carl indes wundert sich darüber, dass der SVK-Vorstand nichts über die Pläne wissen will. Ungeachtet dessen spricht er von einer Entwurfsplanung, über dessen Feinheiten man noch sprechen müsse. Entsprechend soll der Dialog mit dem Verein gesucht werden. Dann werde man sehen, wo etwa Türen in den Zaun kommen könnten. Auch beim Eintritt könne der SVK auf der Terrasse des Eisstadions kassieren gehen. „Das wird sich einspielen“, ist sich Carl sicher. Mit Blick auf den Kabinentrakt, solle dieser in einigen Jahren ohnehin dann ins Areal des Parkstadions verlegt werden. Ob bis dahin mit Vandalismus in diesem Bereich zu rechnen sei, könne Carl nicht ausschließen, kündigte aber an, bei berechtigten Bedenken „nach ordentlichen Lösungen“ zu suchen.

von Kai Lorenz

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