DB Regio setzt im Allgäu neue Züge ein

In Zukunft doppelstöckig

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Die Pendler wird es freuen. Mit Doppelstockwaggons erhöht die DB Regio Allgäu-Schwaben die Sitzplatzkapazität ihrer Züge im Allgäu von bisher 330 auf 459 Plätze. Die neuen Loks bringen darüber hinaus eine Einsparung beim Verbrauch. Das Foto zeigt den neuen Zug auf seiner Premierenfahrt im Bahnhof von Augsburg.

Buchloe – Der eine oder andere Bahnpendler wird es sofort bemerkt haben. Statt der einstöckigen Waggons hängen auf einigen Strecken im Allgäu vier knallrote Doppelstockwaggons hinter der ebenfalls in rot lackierte Diesellokomotive.

Waggons mit Klimaanlage, viel Platz für Fahrräder und Kinderwagen und mit bequemeren Ein- und Ausstiegen auch für behinderte Fahrgäste – das sind die Vorzüge der neuen Waggons und Loks, die die Bahn im Allgäu eingeführt hat. Eher unbemerkt von den Fahrgästen hat die Bahn diese Neuerung zu bieten. Die Züge auf den Strecken zwischen Kempten, Marktoberdorf, Buchloe und Augsburg werden von Dieselloks der modernsten Generation gezogen. Denn die alten Züge, im Bahnjargon auch „Silberlinge“ genannt, weil sie früher einen silbernen Anstrich hatten, haben nach Aussage von Geschäftsleiterin von DB Regio Allgäu-Schwaben, Bärbel Fuchs, die Kapazitätsgrenzen erreicht. 

„Die Fahrgastzahlen steigen weiter“, verriet die Geschäftsleiterin. Immerhin haben die neuen Züge 459 Sitzplätze, 129 mehr als die „Silberlinge“. Die Waggons sind nicht brandneu, sie stammen von anderen DB Regio-Bereichen. Sie sind überholt und unterscheiden sich deshalb kaum von neuen Waggons. Komfortabel, ruckelfrei und leise rollen die Züge bei maximal 120 Kilometer pro Stunde durch das Allgäu und Schwaben. 20 Millionen Euro investiert die DB Regio Allgäu-Schwaben in sieben neue Diesellokomotiven der neuesten Baureihe BR245 von Bombardier. Drei der 19 Meter langen und 81 Tonnen schweren Lokomotiven mit jeweils 3062 PS sind bereits ausgeliefert. Sie ersetzen die Loks der bisherigen Baureihe 218, die seit mehr als 30 Jahren im Einsatz sind. Die restlichen vier neuen Lokomotiven sollen bis Ende des Jahres in Betrieb gehen. 

Statt eines großen Dieselmotors verfügt die BR 245 über vier kleinere Dieselaggregate. Sie liefern über Generatoren Strom an den Elektromotor des eigentlichen Fahrantriebes. Je nach geforderten Leistung schalten sich die einzelnen Motoren automatisch zu oder ab. Das Ergebnis ist eine merkbare Kraftersparnis und somit eine verbesserte Umweltverträglichkeit. Die neuen Loks erfüllen laut Herstellerangaben die gültigen „EU-Abgasnormen Stage IIIB“. Außer auf der Strecke nach Lindau, wo eine Tunnel nicht die notwendige Höhe für die Doppelstockwaggons hat, sollen ab kommenden Jahr die Strecken zwischen Memmingen und München, Kempten und München sowie Füssen und München bzw. Augsburg mit den Doppelstockzügen befahren werden. „Das Zeitalter der herkömmlichen Regionalzüge wird dann im Allgäu ein Ende haben“, betonte Bärbel Fuchs. Auch der Tunnel auf der Strecke nach Lindau soll in einigen Jahren neu gemacht werden. 

Die neue Lok hatte auf ihrem ersten Umlauf in München, Kempten, Marktoberdorf, Augsburg und Buchloe ihre fahrplanmäßige Deutschlandpremiere. Für die behördliche Zulassung waren umfangreiche Testfahrten notwendig. Insgesamt 7000 Kilometer legten die Züge in den letzten 6 Wochen ohne Fahrgäste zurück. „Störungsfrei“, wie Bärbel Fuchs betonte. 

„Derzeit bilden wir unsere Lokführer und die Zugbegleiter auf den neuen Zügen aus“, erklärte Franz Lindemair, zuständig für Kommunikation im Regionalbüro München. Rudi Neumann hatte die Ehre, die neue Lok auf ihrer ersten fahrplanmäßigen Fahrt zu steuern. Er zeigte sich begeistert von seinem neuen Arbeitsplatz, der in Ausstattung und Design eher einem Flugzeugcockpit gleicht. Der Kreisbote durfte ihn auf der Strecke von Augsburg nach Buchloe auf seinem Führerstand begleiten. Modernste Elektronik, automatische Ansagen für den Lokführer, klimatisierter Fahrerstand und die neue Drehstromtechnik begeistern Rudi Neumann. Seine Bewertung: „Sehr gut“. 

Zu einem ähnlichen Urteil dürften die Fahrgäste kommen, denn der Unterschied im Komfort zwischen den ICE-Zügen und dem Regionalverkehr ist geschrumpft oder besser ausgedrückt, er ist nicht mehr vorhanden, sieht man von einem fehlenden Speisewagen mal ab. von csp

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