Arbeiten für zukunftsweisende "Krippe am Klinikum" haben begonnen

Neuland in der Betreuung

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Architekt Karl-Georg Bauernfeind (2. v.li.) erläutert die Pläne für die neue Kinderkrippe. Das moderne Betreuungskonzept setzt sich in der Außengestaltung fort, wo Aluminiumelemente einen, so Bauernfeind, „reizvollen Kontrast“ mit der Holzkonstruktion des Gebäudes eingehen werden.

Kaufbeuren – Nicht „nur“ der Bau einer weiteren Kinderkrippe, vielmehr ein Pilotprojekt für die Region nahm am Montag auf dem Gelände des Klinikums seinen Anfang. Die geplanten Betreuungszeiten von 6 bis 22 Uhr sind ein echtes Novum.

Das Wetter taugte diesmal nicht als „gutes Omen“, gingen doch Wind und Regen auf die Anwesenden beim Spatenstich für die neue Krippe auf dem Klinikgelände nieder. Trotzdem dürfen die Stadt Kaufbeuren als Bauherr und die AWO als späterer Betreiber sich berechtigte Hoffnungen auf einen Erfolg der Einrichtung machen, denn als einzige Kindertagesstätte im Umkreis wird diese eine Betreuung von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends anbieten. Rund 1,8 Millionen Euro investiert die Stadt in das Projekt, dazu kommen rund eine Million Euro an Fördergeldern von Bund und Freistaat. 

„Es geht uns darum, die Mitarbeiter des Kaufbeurer Krankenhauses, aber auch alle anderen Eltern zu unterstützen, deren Arbeitszeiten Schichtdienste beinhalten“, betonte Oberbürgermeister Stefan Bos- se beim Spatenstich am Montag. In einer Welt, in der von Mitarbeitern immer mehr Flexibilität im Hinblick auf die Arbeitszeiten erwartet wird, sei es die Aufgabe einer Kommune wie Kaufbeuren, auf diesen Bedarf zu reagieren. 

Dem „Vorurteil“, dass die neue Kinderkrippe, die neben 24 Plätzen für unter Dreijährige auch rund 50 Kindergartenplätze anbieten wird, eine „teure Luxuseinrichtung“ sei, erteilte der Bürgermeister eine klare Absage: Es sei „vollkommen klar“, dass eine Einrichtung, die Kleinkinder über einen derart langen Zeitraum sowie in den Abendstunden betreue, erhöhten Anforderungen gerecht werden müs-se. „Zum Wohl der Kinder muss hier ein besonderes Konzept verwirklicht werden, sowohl in pädagogischer Hinsicht als auch im Hinblick auf die bauliche Gestaltung. Dies bedeutet eben auch höhere Kosten“, so Bosse. Von den gesamten Baukosten in Höhe von 2,8 Millionen Euro übernimmt die Stadt 1,8 Millionen, der Rest sind Fördergelder. Der Regierungspräsident von Schwaben Karl-Michael Scheufele berichtete, in den vergangenen Jahren seien rund 500 Einrichtungen im Bezirk mit öffentlichen Geldern gefördert worden. Er dankte den Kommunen für ihren Einsatz, Betreuungsangebote zu schaffen, und sagte weitere Unterstützung zu. Der Kaufbeurer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke fügte mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel in Deutschland hinzu, Einrichtungen wie die Krippe am Klinikum seien ein „nicht zu unterschätzender Standortfaktor“ für arbeitende Eltern.

Modernes Konzept 

Das Gebäude selbst wird laut Architekt Karl-Georg Bauernfeind gemäß Niedrigenergie-Standard errichtet und basiert auf einer Holzkonstruktion, die im Außenbereich durch eine modern wirkende Aluminiumfassade ergänzt wird. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage auf 600 Quadratmetern den Strom für die Einrichtung liefern. 

Zum Betreuungskonzept gab die zukünftige Einrichtungsleiterin Kerstin Jäger Auskunft, die derzeit bereits seit einigen Jahren die AWO-Kindertagesstätte in Hirschzell leitet. Das dort bereits praktizierte Grundkonzept mit sogenannten „offenen Gruppen“ und verschiedenen Lernbereichen möchte sie in die neue Krippe am Klinikum übernehmen. Darüberhinaus werde sich der tägliche Ablauf wohl auch danach richten, wie vor allem die Kleinsten mit den Öffnungszeiten klar kämen. „Wenn die Kinder sich eingewöhnt haben, kann ich mir auch vorstellen, ein Kind zum Beispiel ein- fach schlafend entgegen zu nehmen“, sieht sie die Bedürfnisse der Kinder im Vordergund. Jäger sieht dem Ende der Bauarbeiten entspannt, aber gleichzeitig gespannt entgegen: „Auch für uns Betreuer ist ein solches zukunftsweisendes Projekt noch Neuland!“ von Michaela Frisch

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