Neuer Slogan der Initiative "Apfeltrang – windradfrei" vorgestellt

Apfeltrang – "Oben ohne..."

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Zu einer Infoveranstaltung hatten Gottlieb Maurus (v. li.), Sieglinde Horatschek, Richard Kroha und Horst Holzhauer geladen.

Apfeltrang – Zu einem „heißen Thema“, das sehr vielen Bürgern der betroffenen Gemeinden förmlich unter den Nägeln brennt, hatte dieser Tage die Initiative „Apfeltrang – windradfrei“ wegen der bereits genehmigten Windkraftanlagen im Bereich „Sattlers Buckl“ in den Landgasthof „Hubertus“ in Apfeltrang eingeladen. Mit Freude registrierten die Initiatoren das gezeigte Interesse und einen voll besetzten Saal. Viele Argumente wurden vorgetragen und auch Beschlüsse gefasst – letztlich mussten aber viele Fragen unbeantwortet bleiben.

Immer wieder stieß man dabei auf Ungereimtheiten und sogar von „Schnellschüssen“ vonseiten des Landratsamtes wurde gesprochen, nachdem die Genehmigung der drei umstrittenen Anlagen in kürzester Zeit „durchgepeitscht“ wurden. Filmemacher Leo Hiemer bezeichnete das Ganze als einen Riesenskandal und bemängelte lautstark die bisherige Reaktion vonseiten des Landkreises. Ein mehrseitiges, fundiertes Schreiben vom 16. Januar an Landrätin Maria Rita Zinnecker und an die Leiterin der Abteilung Bauen und Umwelt im Landratsamt, Gudrun Hummel, blieb bis heute unbeantwortet. Auch die Frage, ob vielleicht entsprechende Schadenersatzforderungen der Investoren „Modwind Energiesysteme AG“ bei der so raschen Genehmigung eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben, stand immer wieder im Raum. Schließlich hätten erhebliche Ansprüche vonseiten der Investoren gestellt werden können, falls das eingeleitete Prüfungsverfahren für die umstrittenen Windkraftanlagen nicht noch vor Jahresende 2016 abgesegnet worden wäre.

Ein Besucher erklärte dem Kreisbote ganz offen: „Ich habe nichts gegen Windkraft – ich befürworte sie sogar! Aber nur da, wo Menschen und Natur nicht darunter zu leiden haben“. In diese Richtung tendieren auch Hiemer und der Ornitologe Colin MacKenzie vom Landesbund für Vogelschutz. Sie vertreten einhellig die Meinung, dass der Standort oberhalb von Apfeltrang vollkommen verfehlt und ungeeignet sei. „Windräder haben inmitten dieser wertvollen Allgäuer Kulturlandschaft nichts verloren. Wir können froh und stolz darüber sein, dass so seltene Vogelarten wie Schwarzstorch, Wespenbussard oder Roter Milan in diesem Gebiet noch vorkommen. Geradezu unverantwortlich und unverzeihlich, sie durch Wind­räder zu gefährden und letztlich für immer zu vertreiben.“

Große Bedenken wurden auch vom Skiclub Kaufbeuren geäußert. Die stark frequentierten Loipen im Bereich der Wenglinger Steige zum Bergmang-Hof seien bei Realisierung der Windkrafträder aus haftungstechnischen Gründen nicht mehr aufrecht zu erhalten. Abstürzende Eisbrocken von den 140 Meter hohen Rotoren seien lebensgefährlich und selbst nur in der Spur liegende Eisklumpen würden eine erhebliche Gefahr darstellen. Ein seit Jahrzehnten beliebtes Ziel für Langläufer ginge dadurch verloren.

Auch Bürgermeister Johannes Stich meldete sich zu Wort und gab zu bedenken, dass betroffene Gemeinden bei derartigen Projekten nur angehört werden, aber letztendlich nichts entscheiden oder verhindern können. Er selbst sei kein absoluter Gegner von Windkraft, nur solle seiner Meinung nach Naturschutz und das Wohl der Menschen im Vordergrund stehen. Es stelle sich am vorgesehenen „Windpark Apfeltrang“ ohnehin die Frage, ob sich diese Anlage überhaupt wirtschaftlich lohne, wenn diese – wie von den Betreibern zugesichert – bei notwendigen Anlässen und zu bestimmten Zeiten aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werde. Überhaupt müsse sehr darauf geachtet werden, dass die gesetzlichen Bestimmungen auch eingehalten werden. Er befürworte deshalb die vorgesehene Gründung eines eingetragenen Vereins, allein schon aus rechtlichen Gründen. Abzuwarten sei auch noch der Ausgang eines Gerichtsverfahrens vor dem Landgericht Augsburg, das am 11. Oktober stattfinden soll. Auch die angesprochenen Kabelarbeiten, die mittlerweile die Apfeltranger Gemeindeflur erreicht haben, dürfen laut Stich weiter verfolgt werden, obwohl noch nicht alles genehmigt und in „trockenen Tüchern“ sei.

Horst Holzhauser gab in seinem Beitrag einen chronologischen Rückblick und berichtete von den bisherigen Aktivitäten, wie Infoveranstaltungen, Unterschriftenaktionen, Gesprächen im Landratsamt, Übergabe einer Petition mit 2.137 Unterschriften zusammen mit MdL Bernhard Pohl an den Landtags-Vizepräsidenten Peter Meyer, und weitere Kampagnen. Nächstes Ziel sei die Gründung eines eigenen eingetragenen Vereins, für den zur Zeit bereits an einer Satzung gearbeitet werde.

Richard Kroha, der circa einen halben Kilometer von einer genehmigten Anlage entfernt wohnt, hatte, wie er dem Kreisbote erklärte, als erster die durch Pohl unterstützte Petition „Apfeltrang – wind­radfrei“ unterschrieben. Mithilfe von Videoclips warf Kroha neue Fragen hinsichtlich Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Umweltverträglichkeit und Effizienz auf. Dabei stand im Vordergrund „die Frage aller Fragen“ zu diesem Thema: „Warum wurden diese nun genehmigten Anlagen trotz 10H-Regelung zugelassen, obwohl es sich hier um Windkrafträder mit wesentlich höherer Leistung und 30 Prozent größerer Rotorfläche als ursprünglich geplant, handelt?“ Eine weitere Frage stelle sich mit der Quelle und der Trinkwasserversorgung von Apfeltrang. Auch hier bestünden Gefahren, die abzuwenden seien. Obendrein stehe ein beliebtes Naherholungsgebiet kurz vor seiner Zerstörung.

Und so warb die Initiative, den im Herbst diesen Jahres zu gründenden Verein „Apfeltrang – windradfrei“ zu unterstützen und durch eine Mitgliedschaft zu dokumentieren und zu zeigen, dass allen Bürgern eine unversehrte, Lebensqualität bietende Heimat nach wie vor am Herzen liege.

von Klaus-Dieter Körber

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