Ein Bürger informierte den Bund der Steuerzahler

Neues Hochwasserschutzbecken in Eurishofen

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Das Hochwasser-Rückhaltebecken bei Eurishofen ist das letzte von 10 Becken, das der Bevölkerung Schutz vor dem sogenannten „hundertjährigen Hochwasser“ bieten soll. Unser Foto zeigt den symbolischen Spatenstich mit Anwohner, Ingenieuren, Politikern und Behördenvertretern.

Jengen – Der Bau des letzten Hochwasser-Rückhaltebeckens im zu Jengen gehörenden Ortsteil Eurishofen hat mit dem symbolischen Spatenstich begonnen. Damit nähert sich das in Bayern als vorbildlich bezeichnete Hochwasserschutzprojekt seinem Ende. Lediglich der Gerinneausbau in der Gemeinde Westendorf steht noch aus. Trotzdem gab es einen Wermutstropfen.

Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger und gleichzeitig Vorsitzender des „Zweckverbandes Hochwasserschutz an Gennach und Hühnerbach“ sagte bei der Veranstaltung, der Hochwasserschutz sei ins Visier des Bundes der Steuerzahler geraten. Ein unbekannter Briefschreiber hatte gegenüber dem Bund der Steuerzahler das Bauwerk in Eurishofen als „völlig überzogen“ und „überflüssig“ bezeichnet.

Das sehen sicherlich Tausende Anwohner anders, deren Keller nicht nur in Buchloe, sondern auch an den von Gennach und Hühnerbach gelegenen Gemeinden beim Pfingsthochwasser 1999 vollgelaufen waren. Dreistellige Millionenschäden und auch Todesopfer waren zu beklagen. Weitere Hochwasser gab es 2005, 2017 und zuletzt erst vor einigen Wochen.

„Die Zahl der Starkregenereignisse nimmt zu“, sagte Josef Schweinberger. Das war der Grund, den Zweckverband zu gründen. Seit 2007 arbeiten elf Kommunen erfolgreich zusammen, betonte Buchloes Rathauschef. Zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt in Kempten und dem Ingenieurbüro Mooser habe man ein stimmiges Gesamtkonzept mit insgesamt zehn Rückhaltebecken entwickelt. Es sei auch die Aufgabe der Kommunalpolitik, die Bürger so gut wie möglich vor den Gefahren durch Hochwasser zu schützen.

Ausgelegt ist das Gesamtkonzept der zehn Becken auf einen Wasserrückhalt in der Größenordnung von 1,6 Millionen Kubikmeter. Es soll die Orte vor einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser schützen. Schweinberger wies darauf hin, dass gerade beim letzten Hochwasser Ende Mai dieses Jahres diese Becken ihren wirkungsvollen Schutz bewiesen hätten. „Ohne abgestimmte Rückhaltesysteme wären viele Orte vom schmutzigen Hochwasser ereilt worden und zahllose Hauseigentümer hätten tief in die Taschen greifen müssen, um die Schäden zu begleichen.“

An den Staat können sich hochwassergeschädigte Einwohner zukünftig nicht mehr wenden. Seit dem 1. Juli gilt die Aussage, dass sich der Freistaat nicht mehr an Gebäudeschäden durch Unwetter beteiligen wird. Hauseigentümer müssen künftig privat durch den Abschluss einer sogenannten Elementarversicherung vorsorgen. Schweinberger wies darauf hin, dass die Vorsorgemaßnahmen des Hochwasserschutzes an Gennach und Hühnerbach sich sicherlich auch positiv auf die Prämienhöhe auswirke.

Von einem Vorzeigeprojekt sprach Angelika Schorer. Die Landtagsabgeordnete (CSU) betonte, man könne stolz sein. Der Zweckverband habe sehr gute Arbeit geleistet. Ihr Dank galt vor allem Josef Schweinberger. Dem Buchloer Bürgermeister sei es zu verdankten, dass alle beteiligten Kommunen ins Boot geholt wurden und das Projekt so zum Vorzeigeobjekt wurde.

Andere Landkreise seien noch lange nicht so weit mit ihrem Hochwasserschutz und beneideten die Kommunen an Gennach und Hühnerbach, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker. Hier bei uns werde alles für die Sicherheit der Bürger getan, bilanzierte die Landrätin.

Jengens Bürgermeister Franz Hauck sprach von einem großen Tag für Jengen und Eurishofen. Er lobte die ökologische Aufwertung des Gebietes. Der Damm sei in die Landschaft eingebettet. Wie notwendig die Rückhaltebecken seien, hätten die jüngsten Starkregenereignisse gezeigt. „Es hat funktioniert“, sagte Hauck. Sein Dank galt vor allem den Anwohnern, die bereit waren, ihre Grundstücke zur Verfügung zu stellen.

Die maximale Dammhöhe beträgt nach Aussage von Bertram Mooser etwas über drei Meter. Insgesamt 630 Meter lang wird das Bauwerk sein. Das Rückhaltevolumen wird bei 126.500 Kubikmetern liegen, die Überflutungsfläche bei 152.000 Quadratmetern. Ingenieur Mooser wies darauf hin, dass das Gesamtkonzept mit den zehn Rückhaltebecken die Aufgabe habe, nur die bewohnten Gebiete, nicht aber die Wiesen zu schützen.

Die Kosten für das Becken in Eurishofen belaufen sich auf 5,3 Millionen Euro. 3,7 Millionen Euro davon wird der Freistaat übernehmen. Die Arbeiten werden von der Baufirma Hubert Schmid durchgeführt. Die Firma will versuchen, das Becken rechtzeitig zum Ausscheiden von Josef Schweinberger und Franz Hauck aus dem Amt fertig zu stellen. Beide Bürgermeister, die sich als Hochwasserschützer einen Namen gemacht haben, treten bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr nicht mehr an.

von Siegfried Spörer

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