Ein neues Kapitel aufgeschlagen

Sichtbare Zufriedenheit über die Werkseröffnung spiegelte sich in den Gesichtern: Ministerpräsident Horst Seehofer (Mitte) mit Staatssekretär Franz-Josef Pschierer (rechts) und Mitgliedern der Agco-Fendt-Führungsspitze Hubertus Köhne (li.), Peter-Josef Paffen (2.v.li.) und Martin H. Richenhagen.

Das weltweit tätige Marktoberdorfer Vorzeige-Unternehmen Agco-Fendt ist seit der vergan- genen Woche um ein Superlativ reicher: Am Freitag wurde auf dem Betriebsgelände am Micheletalweg das, so die Unternehmensleitung stolz, „modernste Traktorenwerk der Welt“ mit den beiden Standorten Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim (bei Donauwörth) offiziell eröffnet. Dementsprechend fiel auch der Festakt aus. 3.500 internationale Gäste aus Wirtschaft, Politik und Presse sowie Werksangehörige waren geladen, darunter auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Er lobte das Unternehmen Agco-Fendt als „wichtigen Teil des Hochleistungs-Kreislaufs in Bayern“.

300 Millionen US-Dollar hat der amerikanische Mutterkonzern Agco in den neuen Werksverbund investiert. „Hierfür hat das Unternehmen nicht nur neue Fertigungs- und Montagehallen eröffnet“, betont Pressesprecher Sepp Nuscheler: „Sämtliche Prozesse, IT-Systeme sowie wesentliche Elemente der Produktionstech- nologien wurden neu überdacht und optimiert.“ Die neu errichtete Infrastruktur an beiden Standorten ist auf einer Gesamtfläche von 85.000 Qua- dratmetern entstanden, die zusätzlichen Produktionsstrecken sind rund einen Kilometer lang. Insgesamt wurden rund 20.000 Quadratmeter Beton und 850 Tonnen Stahl verbaut. Eine der Besonderheiten des neuen Werks ist, dass sämtliche Schlepper-Baureihen auf einer einzigen Montagelinie gefertigt werden können – vom kleinsten Spezialtraktor für den Weinbau bis zum Großtraktor mit 390 PS. Diese Komplexität stelle die übliche Traktorenherstellung sowie die Fertigungsprozesse der gesamten Automobilindustrie in den Schatten, so Hubertus Köhne, Vice President und Geschäftsführer Produktion bei Agco-Fendt. Auch modernste Umwelttechnologien habe man installiert. Sowohl bei der Emissionsminderung als auch bei der Energieeffizienz habe man „neue Maßstäbe“ gesetzt. Um die Verbundenheit mit dem Schwester-Werk in Asbach-Bäumenheim zu demonstrieren, wurde das dortige Werk mit den versammelten Mitarbeitern zu Beginn der Festlichkeiten per Live-Schaltung nach Marktoberdorf geholt. Im Anschluss daran sprach Ministerpräsident Seehofer sein Grußwort und zeigte sich voll des Lobes für die Entwicklung der Firma Fendt, indem er an die Anfänge erinnerte: Im Jahr 1930 baute Firmengründer Johann Georg Fendt den ersten europäischen Diesel-Kleinschlepper, den „Fendt Dieselross“ mit einer Leistung von sechs PS. 1997 wurde Fendt dann vom US-amerikanischen Großkonzern Agco übernommen, aber als eigene „Premium-Marke“ weitergeführt. „Heute schreiben wir diese Geschichte wieder ein Stück weiter“, so Seehofer. „Erfahrung und Visionen, Tradition und Moderne“ sei die Kombination, die Fendt so erfolgreich mache. Besonders hob der Ministerpräsident hervor, dass Agco sich „im Zeitalter der Globalisierung zu den bayerischen Standorten Marktoberdorf und Bäumenheim bekennt“. „Dies ist ein guter Tag für ganz Bayern“, stellte Seehofer fest, blickte aber auch durchaus selbstbewusst auf den Freistaat als Industriestandort: „Wir haben heute praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit, dafür ein Höchstmaß an Finanzkraft, beste Schulen und Fachleute.“ Harte Verhandlungen Ganz reibungslos sei die Entscheidung für den Standort Bayern bei Agco allerdings nicht gefallen, gestand Martin Richenhagen, Chairman, President und Chief Executive Officer und General Manager für Europa, Afrika und den Mittleren Osten bei Agco. „Da ich selbst Deutscher bin, wollte der Aufsichtsrat natürlich zusätzliche objektive Gründe warum diese Investition ausgerechnet in Deutschland getätigt werden sollte“, erinnerte er sich im Rahmen einer kurzen Podiumsdiskussion. Auch Polen und Rumänien seien als Standorte für die neuen Produktionsstätten in Frage gekommen. Um hier konkurrenzfähig zu bleiben, habe man „hart“ mit der Vorsitzenden des Betriebsrats Monika Hoffmann in Marktoberdorf „verhandeln“ müssen. Nachdem Richenhagen die Konzernleitung sichtbar erfolgreich vom Standort Bayern überzeugt hat, konnte am Freitag der „Rote Knopf“ gedrückt werden, und ein brandneuer Fendt-Traktor rollte symbolisch über den roten Teppich. Beim Rundgang durch das neue Werk konnten die Gäste sich dann persönlich von den beeindruckenden Dimensionen der Fertigungsstrecke überzeugen. Schritt für Schritt wurde vermittelt, wie aus durchschnittlich 10.000 Bauteilen ein „echter Fendt“ montiert wird. Nicht fehlen durfte natürlich auch die feierliche Segnung des neuen Gebäudes auf dem Marktoberdorfer Firmengelände, die – auch hier nahm Agco-Fendt eine Vorreiterrolle ein – interreligiös von dem Marktoberdorfer Stadtpfarrer Wolfgang Schilling und seinem muslimischen Kollegen Imam Ismail Senkul von der islamischen Gemeinde Marktoberdorf vorgenommen wurde.

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