Unter Denkmal stehende Ruhestätte soll Parkcharakter erhalten

Neues Konzept für alten Friedhof

+
Eine solche Fläche im westlichen Teil soll probeweise als Grünfläche bepflanzt werden, um den Pflegeaufwand zu reduzieren.

Kaufbeuren – Die zukünftige Gestaltung des alten Städtischen Friedhofs soll nach den Plänen der Stadt erneuert und so angepasst werden, dass die teils alten Strukturen und Ansichten wieder stärker zur Geltung kommen.

Auch der bereits in der Vergangenheit kritisierte Zustand an Stellen mit aufgelassenen Gräbern wird an ausgesuchten Orten einer Lösung zugeführt. Hierzu stellte Gudrun Dietz-Hofmann vom gleichnamigen Architekturbüro in Irsee dem Bauausschuss in seiner letzten Sitzung ein entsprechendes Instandhaltungs- und Entwicklungskonzept vor. Alle Fraktionen waren davon überzeugt und beschlossen, dass künftige Bau- und Grünunterhaltsmaßnahmen auf Grundlage dieser Konzeption durchgeführt werden sollen.

Der Friedhof an der Heinzelmannstraße als zweitgrößte innerstädtische Grünanlage wird von den Bürgern nicht nur zum Totengedenken, sondern auch zur Erholung und Besinnung aufgesucht, wie Baureferent Helge Carl eingangs erläuterte. In den letzten zwei Jahrzehnten habe sich mit der geringeren Nachfrage nach Erdbestattungen und Familiengräbern die Bestattungskultur verändert, was zu größeren Freiflächen an der Gräberanlage geführt habe. Er bezeichnete die Thematik insgesamt als „sehr sensibel“ und stellte klar, dass keinerlei Maßnahmen – egal welcher Art zu einer Aufgabe bestehender Gräber führen werde. Grundsätzlich sei das Konzept als „Leitlinie“ mit auf mehrere Jahre verteilten Schritten gedacht. Mit einer Ausnahme: Als Sofortmaßnahme schlug er im westlichen Teil einen mit Rasen und Blumen angesäten Grünstreifen vor, da sich dort in einer Reihe mehrere aufgelassene Grabstätten befinden. Insgesamt sind mehrere Hundert Grabstätten frei.

Historische Strukturen

Die Architektin ging zunächst auf die historische Entwicklung der im 15. Jahrhundert entstandenen Friedhofsanlage von „ökologischer Qualität mit architektonischen Bezügen“ ein, die sowohl durch eine von Osten nach Westen verlaufende Achse als auch durch mehrere parallel verlaufende Achsen von Nord nach Süd geprägt wird. Die derzeit an der Kirchenmauer im Osten endende historische Wegeachse könnte ihrer Meinung mittelfristig wieder geöffnet werden, um eine durchgängige Verbindung über das historische Kreuz bis zum Kriegerdenkmal herzustellen. Aber auch der Blick auf die Fassade der Heilig-Kreuz-Kirche sollte frei geöffnet werden, was ohne Nachpflanzen von Alleebäumen möglich wäre. Zusätzliche Aufenthaltsplätze mit Sitzmöglichkeiten und entsprechenden Blickbeziehungen zeigte die Expertin ebenfalls auf.

Einen Schwerpunkt bildet auch der jetzige Haupteingang von Norden, der in Gestaltung einer als Allee ausgeführten Wegeachse in die Altstadt führen könnte. Der Vorplatz der Aussegnungshalle habe eine geringe Aufenthaltsqualität, die durch Anpflanzungen verbessert werden könne. Insgesamt fehlen derzeit rund 120 Bäume, bis zu 40 Nachpflanzungen hält Dietz-Hofmann für möglich. Dr. Thomas Jahn (CSU) schlug sogenannte „Grabpatenschaften“ vor, welche durch Übernahme alter Grabstätten deren Erhalt garantiere und die weitere Nutzung durch einen Erwerber möglich mache.

Unter Denkmalschutz

Die Gesamtanlage ist in der Denkmalliste als Baudenkmal eingetragen. Die Ursprünge liegen im Jahr 1482/84 außerhalb der damaligen Stadtmauern, eine Erweiterung nach Westen erfolgte 1805. 1825 entstand die katholische Heilig-Kreuz-Kirche im Süden. 1860 folgten die jetzige Leichenhalle sowie die evangelische Gottesackerkirche. Letztere wurde 1970 abgerissen und auf deren Fläche später das heutige Kriegerdenkmal realisiert. Die letzte Erweiterung des Gottesackers fand 1930 statt. Räumlich ist die Anlage geprägt von ahornbestandenen Alleen, welche rasterförmig die verschiedenen Eingänge, Bauwerke und Zonen miteinander verbinden. Einige bedeutende Grabmale von Kaufbeurer Ehrenbürgern sind in einem Faltblatt erläutert.

Von Wolfgang Becker

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Konzept für alten Friedhof
Neues Konzept für alten Friedhof
Einschränkung für Bahnfahrer
Einschränkung für Bahnfahrer
Heimat für begrenzte Zeit
Heimat für begrenzte Zeit
Tiefgreifender Hintergrund
Tiefgreifender Hintergrund

Kommentare