"Michl, noch a Stickl"

Neues Programm von "mauke – Die Band" in Zitts Theaterstadel

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"mauke – Die Band" nimmt den tosenden Applaus entgegen (v. li.): Poet und Schlagzeuger O. Michael Siegmund, „Vizekonsul (mütterlicherseits)“ Dieter Schaurich, Björn Siegmund „der Bezaubernde“, Frontmann Wolfgang Klemm, Sven „Fastfinger“ Siegmund und „Professor Dr. Dr.“ Herbert Stumpe.

Blonhofen – Vergangenen Samstag haben die Kaufbeuer Kulturpreisträger und frisch gebackenen Träger des Bayerischen Mundartpreises in Zitts brechend vollen Theaterstadel in Blonhofen ihr neues Programm „Michl, noch a Stickl“ (Michael, bitte noch ein paurisches Gedicht) präsentiert.

Die Rede ist von den sechs hochmusikalischen Mundartkabarettisten „mauke – Die Band“, die ihre Fans mit elf neuen Liedern und – wegen des Wiedererkennungswertes – auch mit einer Reihe ihrer alten Erfolgsstücke ein weiteres Mal begeisterten und ihr Publikum zuverlässig zu heftigen Lachanfällen hinrissen.

Dem allgäuerischen Teil des Publikums zuliebe moderierte Frontmann Wolfgang Klemm die einzelnen Songs größtenteils „nouch dr Schröft“, sprich: auf Hochdeutsch. Die Einleitung der jeweiligen Lieder erfolgte jedoch, wie das in einem Programm mit diesem Titel erwartet werden kann, mit einem paurischen „Stickl“ von Band-Poet und Schlagzeuger O. Michael Siegmund.

Die Melodien sind nicht wirklich neu, vielmehr wurden erneut Klassiker wie Perry Comos „Papa loves Mambo“, „Halleluhja“ oder „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ und Chuck Berry‘s „Johnny B. Goode“ von mauke mit urkomischen paurischen Texten unterlegt. Sie hießen dann als Lied über einen Ehepaar-Tanzkurs „Mama mag tanzn – iech mit menn Ranzn ho kejne Lust drzu“ (Mama möchte tanzen – ich mit meinem Übergewicht habe keine Lust dazu), „Olles Thuja (Alles Thuja)/Hallo Julia“, worin der Sichtschutz für eine private FKK-Anlage und die zarte Liebe zur strengen Amtsleiterin Julia Müller besungen wird, oder „Uf m Morchte am Sömde um acht“ (Auf dem Markt am Samstag um acht), mit dem Wolfgang Klemm das Dankeschön-Freibier für die Fans vor dem Gablonzer Haus thematisierte. Ein Lied hatte den Titel „Nej is dar Karle gutt!“ (Nein, ist der Kerl gut!) und handelte von Herbert Stumpes Leben.

Echtes Gablonzer Liedgut wie „O menner Ziege ho ich Frejde“(An meiner Ziege habe ich Freude) wurde dagegen rockig interpretiert. Neben den neuen Liedern kamen auch ältere Mauke-Renner wie die Geschichte vom Badetag (Caprifischer) oder vom Pilzgericht für Gustl und von der „Sensibilität des Mannes“ zu Ehren. Der im Original gesungene Hit „Please release me“ wird jedes mal zum Erheiterung des Publikums dreisprachig vorgetragen. Das mit sorgfältig artikulierter hochdeutscher Übersetzung und sehr eigenwilliger paurischer Auslegung („Mach kej Thiatr, Ale! Mir zweje sein wie Rejcherworscht und Moubuchte uf enn Tallr“ – Mach kein Theater, liebe Frau! Wir zwei sind wie Räucherwurst und Mohnkuchen auf einem Teller).

Die Zuhörer im Saal, allen voran der Mauke-Fan-Club in grün-weißen Fan-Shirts, sangen und klatschten wie immer begeistert mit. Und selbstverständlich verwandelt sich Siegmund bei „Wenn de Glasl (die Glocken) hell erklingen“ mit einem „olejbschn“ (unattraktiv altmodisch) rosa „Kouptichl“ (Kopftuch) wieder in „Michaela“ und zetert zahnlos in kreischendem Falsett „nej, nej, nej, du alr Sifflich!“ (Nein, nein, nein, du alter Saufkopf!), bevor der betrunken heimgekehrte Gatte eins mit der „Pletsche“ (Bratpfanne) verpasst bekommt. Dieses beliebte Paradestück erhielt bereits bei der Anmoderation enthusiastischen Applaus. Die Kennmelodie „Mauke, Mauke“ und das traditionell endgültig letzte Stück bei den Zugaben „Nimm (Sag) beim Abschied leise Servus“ dürfen ebenfalls im Programm nicht fehlen.

Beim tragischen Lied von der Erfindung des Mono-Skis (Der Song „Angie“ als „Ejn Schi“ – Ein Ski), kann „Fast Finger“ (der schnelle Finger) Sven Siegmund am Synthesizer seine Pianistenqualitäten entfalten. Bassist Dieter Schaurich und E-Gitarrist Herbert Stumpe steuern die korrekten Unter- und Obertöne bei. Björn Siegmund sorgt selbst dann für Gesang, wenn Leadsänger Wolfgang Klemm eine Instrumental-Einlage bringt. Klemm beherrscht auch Trompete, Akkordeon und Akustikgitarre. Siegmund überraschte diesmal als bemerkenswerter Kontertenor beim Lied „Olles Thuja“. Alle Punkte des Witze-Feuerwerks hier einzeln aufzuzählen, würde zu weit führen – es war den Reaktionen des Publikums zu Folge ein sehr amüsanter Abend.

Wer beim Kartenverkauf für diese Vorstellung leer ausgegangen ist, hat am Mittwoch, 22. Januar 2020, um 19 Uhr im Gablonzer Haus beim Ortsbildungsausschuss Neugablonz eine weitere Chance, Mauke zu erleben. 

Ingrid Zasche

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