Neues Zeitalter für Bahnfahrer

Veränderungen im Zugverkehr ab Dezember 2021

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Florian Hülsmann (v. li.) und Bastian Goßner von Go-Ahead im Gespräch mit Jörg Bruchertseifer, stellver. Bundesvorsitzender von Pro Bahn, und Errol Yazgac (Pro Bahn).

Buchloe – Ab Dezember 2021 sollen die Regionalzüge zwischen München, Buchloe, Memmingen und Lindau elektrisch betrieben werden. Für die Fahrgäste bricht damit ein neues Zeitalter an: lautes Motorengebrumm und Dieselabgase gehören dann der Vergangenheit an, zudem werden die Züge schneller als bisher fahren. Angekündigt sind mehr durchgehende Verbindungen zwischen München und Memmingen, flotte Expresszüge werden die Strecke in etwa einer Stunde zurücklegen. Das sagten Vertreter des Zugbetreibers Go-Ahead bei einer Veranstaltung des Fahrgastverbandes PRO Bahn vergangene Woche in Buchloe.

Die Fahrzeit zwischen München und Lindau über Memmingen wird dann schneller sein als über Kempten, die Zahl der Direktverbindungen werde sich erhöhen, so Bastian Goßner, kaufmännischer Geschäftsleiter von Go-Ahead Bayern. Bereits ein Jahr zuvor, im Dezember 2020, sollen die Eurocity-Züge von München nach Zürich mit elektrischer Energie fahren – der Beginn des elektrischen Zugbetriebs im Allgäu. Die Regionalzüge folgen dann ein Jahr später; die Fahrgäste dürfen sich auf neue Züge freuen, die mit Niederflureinstieg, Klimaanlage, modernem Informationssystem und rollstuhlgerechten WC-Kabinen ausgestattet sein werden. An den meisten Sitzplätzen sind Tische und Steckdosen zum Laden von Handy und Laptop vorgesehen, und es wird WLAN in den Zügen geben.

Go-Ahead lässt bewusst für die bayerischen Strecken Züge in weiß-blauem Design liefern und wirbt damit, „man biete ein Stück Heimat auf der Schiene“. Goßner betonte, das vorrangige Ziel seines Unternehmens sei, auf die Bedürfnisse der Fahrgäste einzugehen: „Wir wollen Menschen von A nach B bringen.“ Neben Go-Ahead werden weitere Zugfahrten im Allgäu von anderen Zugbetreibern wie etwa DB Regio und der Bayerischen Regiobahn betrieben; die Fahrkarten werden bei allen Zugbetreibern gleichermaßen gelten, so dass die Fahrgäste problemlos zwischen den Unternehmen umsteigen können.

Viel Erfahrung

Go-Ahead ist ein erfahrenes Nahverkehrsunternehmen aus Großbritannien, das pro Jahr eine Milliarde Fahrgäste befördert. Es hat die Ausschreibung für den elektrischen Zugbetrieb von München nach Lindau ab 2021 gewonnen und lässt dafür derzeit 22 Triebzüge bauen, die jeweils 200 Sitzplätze in der zweiten Klasse, 16 in der ersten Klasse und 21 Stellplätze für Fahrräder haben. Zwischen München und Buchloe werde man sehr viele Züge mit zwei oder drei dieser Triebzüge fahren, so dass man besonders im Berufsverkehr mehr Sitzplätze bieten könne als dies bisher der Fall sei. „Wir sind für eine steigende Nachfrage gewappnet“, so Stefan Mühlstraßer, der als Betriebsplaner für Go-Ahead tätig ist.

Mit hoher Qualität soll der Fahrgast überzeugt und dabei neue Maßstäbe hinsichtlich Komfort erreicht werden. Dabei sei oberstes Ziel, den öffentlichen Nahverkehr als attraktive Alternative zum Auto zu stärken. Komfortable, barrierefreie Fahrzeuge mit Wohlfühlfaktor, sowie ein hoher Anspruch an Sicherheit, Pünktlichkeit und Sauberkeit seien daher selbstverständlich. Ab Dezember 2021 werden im „Elektronetz Allgäu“ 2,6 Millionen Zugkilometer und in den Augsburger Netzen ab Dezember 2022 jährlich 7,4 Millionen Zugkilometer bewältigt. Ziel sei es pro Tag 100.000 Fahrgäste in beiden Netzen (Allgäu und Augsburg) zu befördern.

Und wie gestalten sich die zukünftigen Zugfahrten? So werde neben einer zweistündlich verkehrenden Expresslinie, die München mit Memmingen nach 64 Minuten erreicht, zusätzlich dazwischen (ebenfalls zweistündlich) eine RB-Linie mit sämtlichen auf der Strecke liegenden Haltestellen eine Verbindung zwischen München und Memmingen herstellen. Fahrzeit eine Stunde und 28 Minuten. Ab Memmingen bis nach Lindau mit zusätzlichen neuen Haltestellen ab dem Jahre 2023 sind wochentags stündliche und an den Wochenenden zweistündliche Zugverbindungen vorgesehen. Dauert die Fahrzeit München-Lindau über Kempten derzeit 160 Minuten, wird sich diese erheblich verkürzen. Mit einer Steigerung der Sitzplatzkapazitäten könne bereits nach Übernahme der Strecke um 20 Prozent gerechnet werden.

Noch viele Probleme

Beim Thema Anschlussmobilität kam es zu einer lebhaften Diskussion, nachdem Erwin Bier, Fahrdienstleiter am Bahnhof Buchloe, auf zahlreiche Schwachpunkte und Probleme aus der täglichen Praxis verwies. „Viele jetzt von Ihnen gut gemeinte Vorstellungen werden praktisch nicht möglich sein“, so der praxiserprobte Fachmann. Einig war man sich schließlich, dass gerade bei Anschlusszügen aufgrund zentralisierter und nicht vor Ort getroffener Entscheidungen, sich nicht nachvollziehbare Fehler und Pannen einschleichen. So fahren Züge ab, ohne auf eben einfahrende zu warten, was keinesfalls dem Image der Bahn förderlich sei. Auf jeden Fall werde man dieses Thema verstärkt im Auge behalten und mit der Fahrdienstleitung in Buchloe im Kontakt bleiben, um entsprechende Erfahrungen zu berücksichtigen.

Verleihung Schwäbischer Fahrgastpreis

Vor der eigentlichen, nicht öffentlichen Mitgliederversammlung, in deren Verlauf u.a. auch sechs Mitglieder für 25-jährige Verbundenheit zum Fahrgastverband PRO Bahn e.V. mit Urkunden geehrt wurden, stand noch die Verleihung des Schwäbischen Fahrgastpreises auf der Tagesordnung. In diesem Jahr wurde Olaf von Hoerschelmann, Geschäftsführer beim Augsburger Verkehrverbund (AVV), für dessen mit viel Weitsicht vorangetriebene Erschließung des öffentlichen Nahverkehrs, mit einheitlichen Tarifen und abgestimmten Verbindungen zu nahezu allen Zielen im Verbundgebiet, geehrt.

von Klaus-Dieter Körber/kb

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