Vertriebene und Flüchtlinge in der Sendereihe „Deutschlandrundfahrt“

Neugablonz am 3. Februar im Deutschlandfunk Kultur

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Florian Felix Weyh beim Interview.

Kaufbeuren-Neugablonz – Im Deutschlandfunk Kultur wird in der Sendereihe „Deutschlandrundfahrt“ am Sonntag, 3. Februar um 11.05 Uhr eine einstündige Sendung über Neugablonz ausgestrahlt. Als Thema für eine seiner „Deutschlandrundfahrt“-Sendungen hat der Radiojournalist Florian Felix Weyh Neugablonz schon seit Jahren im Hinterkopf.

Der in Düren geborene und heute in Berlin lebende Journalist wuchs in Ulm auf. Seine Eltern haben, wie er sagt, ebenfalls im weitesten Sinne Migrationshintergrund, so dass er sich ein wenig in die Mentalität von Flüchtlingen einfühlen kann: Die Mutter stammt aus Hinterpommern, der Vater aus Sachsen. Unter anderem wohnten die Eltern auch dreizehn Jahre in Bad Wörishofen, wo Weyh sie sechs Wochen lang besucht hat. In dieser Zeit kam er das erste Mal mit Neugablonz in Berührung und ließ sich von der besonderen Geschichte des Ortes faszinieren. In seinem Ortsporträt wollte Weyh jetzt auch der Frage nachgehen, ob sich die Situation der Vertriebenen von damals mit derjenigen der Flüchtlinge von heute vergleichen lässt.

Anfang Januar interviewte Weyh eine Reihe von Neugablonzer Bürgern und Kaufbeurern mit sudetendeutschen Wurzeln, die sich haupt- oder ehrenamtlich mit der Neugablonzer Geschichte beschäftigen oder in für den Ort charakteristischen Betrieben und Einrichtungen arbeiten: Geschäftsführer Thomas Nölle berichtete über den Bundesverband der Gablonzer Industrie. Mit den Schmuck- und Präzisionsteile-Herstellern Peter Seibt und Thomas Hübner in Marktoberdorf werden typische Neugablonzer Firmen vorgestellt. Manfred Heerdegen vom Neugablonzer Archiv im Haus der Gablonzer Industrie informierte Weyh ausführlich über die Geschichte des Vertriebenenortes auf dem ehemaligen Gelände der von den Amerikanern gesprengten Munitionsfabrik der Dynamit AG. Gertrud Hofmann, stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats vom Isergebirgs-Museum, erzählte von der Erfolgsgeschichte des inzwischen überregional beachteten Museums. Die Vorsitzende des Freundeskreis Sophie La Roche, Helga Ilgenfritz, wurde zu der aus Kaufbeuren gebürtigen ersten deutschen Bestsellerautorin befragt, und die Leiterin des Gablonzer Mundartkreises, Ingrid Zasche, trug zum Verständnis des Paurischen bei, dem Gablonzer Dialekt. Außerdem kamen Schüler und Lehrer der Berufsfachschule für Glas und Schmuck zu Wort.

Früher, so sagte Weyh, musste er für so eine Sendungs-Recherche mit einem ganzen Übertragungswagen voller technischer Spezialausrüstung anreisen. Heute passen die erforderlichen Aufnahmegeräte mit auswechselbaren Mikrofonen, mit der „toten Katze“ (Fellhaube für die Mikrophone zum Dämpfen von Nebengeräuschen) und Ersatzbatterien in ein etwas über DIN A5 großes Plastikköfferchen. Dazu kommen lediglich noch die „Mickey-Mäuse“ genannten Kopfhörer.

Die Ausbeute an den sehr persönlichen Erzählungen der Interviewpartner hört Weyh bereits auf der langen Zugfahrt zurück nach Berlin ab und zerschneidet sie in hunderte von kleinen, verschlagworteten Audiodateien. In der Regel kristallisiert sich für den erfahrenen Journalisten dabei schon zu diesem Zeitpunkt ein Muster heraus. Aus den kleinen Dateien wird dann am PC Stück für Stück wie ein Mosaik das Hörbild eines Ortes für die Sendung zusammengestellt und mit Musik und Kommentaren unterlegt. Erst dann geht es für die Fertigstellung ins Deutschlandfunk-Studio.

Die Sendung ist in Kaufbeuren auf der Frequenz UKW 107,3 zu empfangen. Alternativ kann sie unter www.dlfkultur.radio.de per Livestream im Webradio auf dem PC angehört werden.

von Ingrid Zasche

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