Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation

Kränze für die Vertriebenen

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Kränze vom Freistaat Bayern, von der Stadt Kaufbeuren und vom Gablonzer Heimatkreis mit der Ehrenwache von der Freiwilligen Feuerwehr.

Neugablonz – Das Bürgerfest war zwar am vergangenen Sonntag dank des regnerisch-kalten Wetters buchstäblich ins Wasser gefallen. Jedoch wenigstens am Ehrenmal beim Neugablonzer Friedhof hatte sich trotz der unangenehmen Witterung ein kleines Häuflein Aufrechter eingefunden, als dort Kränze in symbolischen Farben zum Gedenken an die Vertriebenen niedergelegt wurden:

Ein weiß-blauer vom Freistaat Bayern durch Staatssekretär Franz-Josef Pschierer, ein rot-gelber von der Stadt Kaufbeuren durch OB Stefan Bosse und ein grün-weißer vom Gablonzer Heimatkreis durch dessen Vorsitzenden Dr. Thomas Jahn.

Auch die entsprechenden Fahnen von Bayern, Kaufbeuren und Neugablonz wehten von den Masten. Getragene Weisen von der Musikvereinigung Neugablonz umrahmten die Veranstaltung und die Freiwillige Feuerwehr hatte zwei Ehrenwachen abgestellt.

Bis 2014 erfolgte die feierliche Kranzniederlegung immer am Volkstrauertag. 2014 wurde der zweite Sonntag im September in Bayern, Hessen und Sachsen als Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation festgelegt. Seitdem werden die Kränze an diesem neuen Gedenktag beim Ehrenmal niedergelegt.

OB Stefan Bosse erklärte in seiner Ansprache, das Andenken an die Opfer der Vertreibung sei nicht vergangen, sondern nach wie vor lebendig. Auch wenn die Erlebnisgeneration von Jahr zu Jahr schrumpfe, solle sie doch wissen, dass die Nachgeborenen der Ereignisse immer noch in Würde gedenken. „Wir haben die Lektion aus der Geschichte gelernt und schon viele Jahre Frieden – aber die Welt ist in Unordnung und es gibt mehr Menschen denn je, die ihre Heimat verloren haben“, so Bosse.

Staatssekretär Pschierer, dessen Vater ebenfalls 1946 aus Tachau ins Schwäbische gekommen war, erinnerte einmal mehr daran, dass Bayern die Sudetendeutschen als „4. Stamm“ aufgenommen habe. An Neugablonz könne man sehen, was echte Integration bedeute. Ohne die Aufbauleistung der Neugablonzer gebe es in der Region viel weniger Wohlstand. Sie hätten nicht gefragt, was der Staat für sie tun könne, sondern die Ärmel hochgekrempelt und selbst etwas getan. Das könnten heutige Flüchtlinge von ihnen lernen. Aber man müsse auch unbedingt die Begriffe sauber trennen. „Mein Vater hat immer gesagt: ‚wir sind nicht geflohen – wir wurden vertrieben!‘“ Abschließend dankte Pschierer allen heutigen Integrationshelfern. Flucht und Vertreibung seien auch heute noch politische Realität. „Es gibt noch viel zu tun“, sagte er, deshalb sei der Gedenktag auch als Mahnung an künftige Generationen zu verstehen.

Von Ingrid Zasche

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