Den Bestand besser auslasten

Gutachten vorgestellt: Veranstaltungsstätten sollen optimiert werden, kein Neubau-Bedarf

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Neben dem Stadttheater beleuchtete ein Gutachten auch das Gablonzer Haus und den Stadtsaal.

Kaufbeuren – Oberbürgermeister Stefan Bosse „geht es gegen den Strich“, dass die Abschlussveranstaltungen weiterführender Schulen oftmals nicht in Kaufbeuren stattfinden können, weil keine geeignete Halle für viele Menschen zur Verfügung steht. Der OB kann sich vorstellen die arena zu nutzen.

Es müssen die Absolventen schon mal ins Markt­oberdorfer Modeon ausweichen. Der OB hat aber auch schon eine Lösung parat, die er am Dienstag im Verwaltungsausschuss vorstellte: Er kann sich vorstellen, für solche Veranstaltungen die erdgas schwaben arena zu nutzen.

Wie berichtet, wurde in der Oktober-Sitzung des Stadtrats einer kommerziellen und nicht sportlichen Nutzung des Eisstadions zugestimmt, die vor allem im Sommer, also in der eisfreien Zeit, denkbar ist. In diese Zeitspanne fallen auch die Zeugnisverleihungen und Feierlichkeiten der Schulabgänger; das wären etwa sechs Veranstaltungen dieser Art. Bosse erwähnte, dass er einigen Schulleitern schon im vergangenen Jahr diese Möglichkeit aufgezeigt habe, nur hätten sich die Rektoren solche Veranstaltungen in der Arena wohl nicht vorstellen können. Er regte nun an, im nächsten Sommer das Stadion probeweise so herzurichten, damit die Schulleiter von dem Konzept überzeugt werden. Bosse denkt da etwa an rote Bahnen an Teppichen, die ausgelegt werden, an wertige und bequeme Bestuhlung und an Catering mit Büfett. Das Ganze könne ausgeliehen werden. Der OB ist sich sicher, das sei mit vertretbarem Aufwand zu verwirklichen.

Analyse der bestehenden Veranstaltungsorte

Diesen Vorschlag zog er aus dem Ärmel, nachdem das Thema „Veranstaltungsstätten in Kaufbeu­ren“ schon anderthalb Stunden lang behandelt worden war. Dazu hatte die Verwaltung auf Antrag der Freien Wähler erneut Elisabeth Hiltermann vom Büro Kohl & Partner eingeladen, um die Ergebnisse ihrer Bedarfsanalyse darzustellen. Sie hatte in der jüngsten Stadtratssitzung bereits erläutert, inwieweit eine Multifunktionsnutzung der erdgas schwaben arena sinnvoll und notwendig ist (wir berichteten). Im Verwaltungsausschuss stellte sie die positiven und negativen Aspekte der städtischen Veranstaltungsräume vor, sprich Gablonzer Haus, Stadtsaal, Stadttheater und Tänzelfestplatz. Außerdem behandelte sie die Frage, ob es einen Bedarf nach weiteren Veranstaltungsflächen gibt und berücksichtigte dabei auch die touristische Nachfrage der Stadt. Ihr Fazit dazu: Kauf­beuren ist keine sehr touristisch geprägte Stadt.

Auf den ersten Blick wirke das Gablonzer Haus am Bürgerplatz in Neugablonz etwas altmodisch und in die Jahre gekommen. Es eigne sich gut für die bisherige Nutzung wie Besprechungen, Seminare und Tagungen, aber nur bedingt für Jubiläen, Vereinsfeste, Prüfungen und Schulabschlussbälle, zumal das Veranstaltungsende in der Regel um 22 Uhr sei. Hiltermann kam zu dem Schluss, dass es nur bedingt zur professionellen Vermarktung in Frage käme. Renovierungen seien nötig, zudem schränkten Lärmimmissionen für die Anwohner, vor allem bei Veranstaltungsende, und das Exklusivrecht der Catering-Firma die Möglichkeiten ein. Auch die Parksituation ist nicht ideal. Mit dem Galonzer Haus wird laut Hiltermann kein Geld verdient, den Verlust von etwa 100.000 bis 135.000 Euro pro Jahr hat die Stadt zu tragen.

In keiner Relation

Der unter Denkmalschutz stehende Stadtsaal mache einen ansprechenden Eindruck, so Hiltermann. Darin finden pro Jahr etwa 100 Veranstaltungen statt. Der Große Saal habe mit seinen etwa 550 Plätzen eine „anständige Größe“ und sei ideal für Lesungen, kleinere Konzerte und Jubiläen. Um weitere Veranstaltungen, wie Empfänge durchzuführen, seien jedoch sowohl Renovierungen in der Küche als auch Verbesserungen in der Vermarktung notwendig. Auch hier werden seit Jahren erhebliche Verluste eingefahren (bis zu 145.000 Euro pro Jahr), die ebenfalls aus dem Stadtsäckel bezahlt werden. Die Erträge aus den Mieten und Pachten und die sogenannten Nutzungsentschädigungen stünden in keiner Relation zu den Aufwendungen für Mitarbeiter, Sachkosten und sonstigen Betriebskosten, wie Unterhalt des Gebäudes, Reinigung und Energie-Kosten.

Ein Schmuckstück

Das Stadttheater bezeichnete Hiltermann als Schmuckstück. Es eigne sich hervorragend vor allem für Theateraufführungen, aber auch für Lesungen. Die Auslastung des Theaters sei – mit den derzeit zur Verfügung stehenden Kräften – gut und kaum verbesserbar. Noch mehr Veranstaltungen dort stattfinden zu lassen, würde ihrer Einschätzung nach bedeuten, den Personalstand zu erhöhen, um sowohl in der Vermarktung als auch in der Organisation und Betreuung vor Ort mehr Spielräume zu haben. Das Stadttheater macht derzeit einen jährlichen Verlust von knapp 159.000 Euro, die Einnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die Kosten zu denken. Auch hier entfällt der Verlust auf die Stadt.

Zusammenfassend sagte Hiltermann, die Bezuschussung aller drei Veranstaltungsgebäude mit über 400.000 Euro jährlich sei eine hohe Belastung für die Kommune. Einem Bau und Betrieb einer weiteren Halle sei aus ihrer Sicht nicht zuzustimmen. Das Angebot am Markt im Allgäu und im weiteren Einzugsbereich sei quantitativ und qualitativ mehr als abgedeckt. Die Empfehlung geht eher in Richtung Renovierung der bestehenden Räume, wo dies notwendig erscheint, und Optimierung in der Organisation und der Vermarktung dieser.

Auch den Tänzelfestplatz hatte Hiltermann analysiert. Der „gut geschnittene“ Platz wird für das Tänzelfest, Zirkusse und Flohmärkte genutzt. Ihre Empfehlung geht dahin, diesen Platz in seiner Funktion so zu belassen und zusätzliche – wenig störende – temporäre Nutzungsoptionen wie Ausstellungen zu suchen, die möglichst auch zur Kostendeckung beitragen.

Fokus auf Tourismus?

Bernhard Pohl (FW) kritisierte zunächst, dass Hiltermann den Fokus auf den Tourismus legte. Schließlich seien Veranstaltungsgebäude für die einheimische Bevölkerung wichtig. Außerdem sprach er sich dafür aus, sich als Stadt ehrgeizige Ziele zu setzen und verwies auf das Modeon in der wesentlich kleineren Nachbarstadt. „Welchen Anspruch haben wir?“, fragte er in die Runde. Bosse sagte, er sei da ganz Pohls Meinung: „Es tut schon weh, wenn die Verleihung des Abiturzeugnisses nicht in Kaufbeuren möglich ist“. Da die vorhandenen Veranstaltungshäuser bereits defizitär sind, hielt Dr. Thomas Jahn (CSU) nichts von einer weiteren Halle. Im Neubau-Trakt des Gablonzer Hauses würde die Catering-Situation verbessert werden, sagte er. Somit eigne es sich für eine Weiterentwicklung. Er sprach von einer „Luftschlossaktion“ der Freien Wähler. Derselben Auffassung war Ernst Holy (KI): „Das Gutachten sagt klar, dass der Markt gesättigt ist“. Und Bosse ergänzte, die Idee, etwas Zusätzliches zu schaffen, wirke sich auf den Bestand aus. „Die leiden darunter, die können wir nicht aus der Welt schaffen.“ Dr. Erika Rössler (CSU) fand, Kaufbeuren biete ein reichhaltiges Kulturprogramm. Es sei schon vorgekommen, dass im Stadtsaal bei herausragenden Veranstaltungen gähnende Leere geherrscht habe. „Das ist blamabel.“

Catrin Riedl (SPD) wünschte sich belastbare Zahlen, welche Veranstaltungen tatsächlich von Kauf­beuren abwandern, weil die Kapazität zu gering ist. Da verwies Bosse neben Schulabschlussbällen auch auf türkische Hochzeiten oder Mitarbeiterversammlungen von Unternehmen. „Ich traue mich gar nicht, den Städtetag nach Kaufbeuren einzuladen“, ergänzte er, weil die Stadt in Sachen Veranstaltungsstätten nicht mit anderen mithalten könne. Er bedauere, dass die Zeppelinhalle nicht mehr zur Verfügung stehe. Gespräche mit Bauunternehmer Dobler hätten ergeben, dass Traglufthallen inzwischen so wertig seien, dass sie mit großen Hallen mithalten können. Auch Industriebrachen seien für Veranstaltungen gefragt. Doch zunächst wird Bosses Vorschlag mit dem Eisstadion weiterverfolgt. Den Bericht nahm der Ausschuss zur Kenntnis.

st

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