ESVK lädt Fans zum "Weißwurstfrühstück" und diskutiert Stadion-Frage

Plädoyer für Stadion-Neubau

Kaufbeuren/Apfeltrang – Beim jüngsten "Weißwurst-Frühstück", zu dem der ESVK und der Kaufbeurer OB Fans und Interessierte luden, wurde nicht nur entspannt gespeist sondern auch die Zukunft des Stadions diskutiert. Die große Frage war: Was kommt nach den nächsten zwei Spielzeiten?

„Wir müssen dem Eishockeysport in Kaufbeuren eine verlässliche Zukunft geben und vor allen Dingen ein realistisches Konzept erarbeiten, welches dann auch von der Bevölkerung akzeptiert wird", so das jüngste Statement von Stadtoberhaupt Stefan Bosse (CSU) zum Thema „Kaufbeurer Eisstadion“ anlässlich eines Weißwurstfrühstücks im Apfeltranger Landgasthof „Hubertus“. Der ESV Kaufbeuren hatte dazu Fans und Interessierte eingeladen. Als Veranstalter und Organisator trat dabei der „Bayerische Immobilien Bund e.V.“ erstmals öffentlich in Erscheinung – von Seiten des ESVK bemühe man sich darum, so Settele, dass das renommierte Münchner Unternehmen auch weiterhin zum Beispiel im Rahmen solcher Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit für den Verein tätig werde.  

Vor den zahlreich erschienenen Zuhörern erläuterte Oberbürgermeister Stefan Bosse zunächst den Stand der Dinge (wir berichteten) und erklärte erneut, dass man sich aufgrund des zeitlichen Drucks von Seiten der Stadt für eine Teilsanierung der Arena entschieden habe, um vorerst die nächsten beiden Spielzeiten zu sichern. In dieser Zeit müsse geklärt werden, ob eine anschließende Komplettsanierung oder ein Neubau mehr Sinn mache. Auch die Kostenfrage sei zu diskutieren, schließlich sei Kaufbeuren finanziell nicht „auf Rosen gebettet“. 

Bevor nun zeitnah mit den aktuellen Sanierungsarbeiten begonnen werde, müsse aber noch aufgrund von EU-rechtlichen Bestimmungen das Stadion für einen symbolischen Euro von der Stadt übernommen werden. Erst dann könne die Stadt als Eigentümer mit den Arbeiten beginnen. Das Ergebnis der Arbeiten werde sicherlich nur „eine Notlösung“ sein, wie Bosse feststellte, aber eine Lösung, „die sicherstelle, dass keiner, der das Stadion aufsucht, Angst um sein Leben haben muss“. 

MdL Pohl und ESVK favorisieren Neubau 

Andreas Settele als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ESVK erklärte, dass aufgrund der Stadionschließung im Verein „ein hoher Verlustbetrag bilanziert“ werden müsse. Wenn nun noch beispielsweise eine Bauverzögerung hinzu komme, stehe man vor einem Dilemma. „Der einzige Rettungsanker ist die Einhaltung dieses vorgegebenen Termins – nämlich im August mit dem Trainingsbetrieb beginnen zu können“. Oberste Priorität habe aber selbstverständlich die Sicherheit für Zuschauer und Spieler. 

Der Kaufbeurer Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler MdL Bernhard Pohl plädierte dafür, dass die Sanierung der Eis-Arena „nur eine Übergangslösung“ sein könne. Er favorisierte wie schon in der Vergangenheit ganz klar einen Neubau. Seiner Meinung nach wäre eine Komplettsanierung des alten Stadions „ein Fass ohne Boden“ und daher „uninteressant“. Das Gelände im Jordanpark werde besser als Baugrund genutzt. 

Der Oberbürgermeister zeigte sich offen für diese Sichtweisen, sprach sich jedoch selbst tendenziell für eine Komplettsanierung aus. Dies sei „realistischer“ und voraussichtlich „finanziell besser machbar“. Hinsichtlich des Grundstücks, auf dem sich das bestehende Eisstadion befindet, sehe er „keine optimalen Voraussetzungen“ für eine Nutzung als Baugrund. 

Franz Aßner, Leiter der Nachwuchs-Abteilung beim ESVK, wollte noch auf einen Umstand hinweisen: „Wer nutzt denn eigentlich das Stadion – viele Bürgerinnen und Bürger glauben, dass hier eine Profi-Eishockey-Truppe finanziell unterstützt werden muss. Dem ist aber nicht so.“ Grob geschätzt nutze die Bundesligamannschaft die Eisfläche nämlich maximal nur zu 20 Prozent. Die übrige Zeit seien Jugend- und Schülermannschaften, aber auch häufig Schulen und Besucher des öffentlichen Laufs auf dem Eis. Dies müsse der Öffentlichkeit besser erklärt werden. 

Eine verstärkte Aufklärungsarbeit soll laut Aßner dazu beitragen, eine breite Unterstützung von der Kaufbeurer Bevölkerung zu bekommen. Denn nach jetzigem Stand sollen die Bürger im Rahmen eines Ratsbegehrens über die Frage nach Neubau oder Komplettsanierung abstimmen. Als Termin haben die Verantwortlichen den Tag der Europawahl anvisiert, die voraussichtlich Ende Mai 2014 stattfindet.  

"Menschen zurück ins Stadion holen" 

In einer geradezu leidenschaftlichen und von den Anwesenden mit viel Beifall bedachten Rede sprach sich ESVK-Nachwuchstrainer Stefan Mayer für eine neue Eishalle aus. Seiner Meinung nach seien Clubs mit veralteten Stadien „nicht mehr konkurrenzfähig“. „Zwei Eisflächen wären enorm wichtig – vor allem auch für den öffentlichen Lauf“, so Mayer weiter. Viele Hobbyteams hätten Kaufbeuren zwischenzeitlich verlassen, weil es im Kaufbeurer Stadion zu wenig Eiszeiten für sie gibt. Den Zuschauern müsse außerdem mehr Komfort geboten werden, um die Menschen „wieder ins Stadion zu locken“. 

Eine neugebaute Eishalle könne ein gesellschaftlicher Mittelpunkt für die Stadt werden und sei ein attraktiver Austragungsort beispielsweise für Länderspiele und Trainings ausländischer Teams. All das werde der Stadt und der hiesigen Wirtschaft zugute kommen. Stefan Bosse begrüßte alle vorgebrachten Gedanken, erinnerte aber an die Finanzen. 

Man werde „alles abwägen und in Ruhe nach machbaren und finanzierbaren Lösungen suchen“, wobei auch die Energie- kosteneinsparung als Pluspunkt für einen Neubau nicht unber- ücksichtigt bleiben dürfe. In einem solchen Fall käme wohl ein städtischer Grund im Bereich der Mindelheimer Straße in Frage, da andere Flächen kaum mehr zur Verfügung stünden. Zum Abschluss bat der „Bayerische Immobilien Bund e.V.“ die Anwesenden, mit einer kleinen Spende ihre Verbundenheit zu „ihrem ESV Kaufbeuren“ zu bekunden. 750 Euro konnten so gesammelt werden, zudem spendete der Immobilien Bund jeweils 5.000 Euro an die Stadt als „kleinen Beitrag zu den anstehenden Renovierungsarbeiten“ und an den ESVK „zur Unterstützung der Jugendarbeit“. von Klaus-Dieter Körber

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