Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbunds Kaufbeuren behandelt Schere zwischen Arm und Reich

Für mehr soziale Gerechtigkeit

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Paul Meichelböck (DGB, v. li.), MdL Ilona Deckwerth (SPD), MdB Susanne Ferschl (Die Linke) und OB Stefan Bosse beim Neujahrsempfang des DGB in Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Der Neujahrsempfang des DGB-Ortskartells Kaufbeuren vergangene Woche stand zum Jahresanfang ganz im Zeichen der Umkehr der Einkommensentwicklung von Arm und Reich. Entsprechend wolle man mit viel Herzblut für die Verbesserung der sozialen Gerechtigkeit kämpfen.

Zu Beginn der Veranstaltung im Kaufbeurer Podium überbrachte Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse die besten Neujahrsgrüße der Stadt. Die Sorgen der Bürger, mit denen er als Stadtoberhaupt aktuell konfrontiert werde, seien nicht die aufgenommenen Flüchtlinge, sondern sichere Altersversorgung und Alters­pflege.

In ihrem Grußwort erinnerte die zweite Rednerin Ilona Deckwerth, Abgeordnete des Bayerischen Landtags (SPD), als erstes daran, dass vor 100 Jahren der Sozialist Kurt Eisner die bayerische Republik als „Freistaat“ ausgerufen habe und von den Arbeiter- und Soldatenräten zum Ministerpräsident gewählt wurde. Im Weiteren sprach sie über die prekären Arbeitsverhältnisse unserer heutigen Zeit.

Auch der DGB-Ortskartellvorsitzende Paul Meichelböck sprach die Sorgen der Menschen in den Betrieben an, mit denen er als Gewerkschafter und politisch aktiver Bürger oft konfrontiert werde. Die Kernforderungen an die Politik seien vor allem gute und gerechte Renten, ein Gesundheitssystem ohne Klassenunterschiede, gute Schulen und gute Bildung für Kinder und Erwachsene sowie Verbesserungen im Pflegebereich, um der älteren Bevölkerung einen menschenwürdigen Lebensabend zu bereiten.

Die Gastrednerin des diesjährigen Neujahrsempfangs, Susanne Ferschl (MdB, Die Linke) erklärte schließlich, sie sehe als langjährige Gewerkschafterin und Betriebsrätin ihre Aufgabe darin, die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Berlin zu vertreten. Der direkte Sprung, den sie bei den Wahlen zum deutschen Bundestag für die Partei Die Linke nach Berlin schaffte, sei eine echte Herausforderung besonders in diesen Zeiten.

Die Einkommensschere entwickle sich seit 1980 zunehmend zu Ungunsten der ärmeren Bevölkerung. Laut OECD-Studie verdienten in Deutschland die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher 6,6-mal so viel wie die untersten zehn Prozent. Für 2018 sehe sie als wichtigste Aufgabe eine Gegenmacht gegen Arbeitgeber- und Kapitalmacht zu schaffen. 45 Prozent der Arbeitnehmer befänden sich in befristeten Arbeitsverhältnissen und eine Million Leiharbeitnehmer seien laut Ferschel auch keine gute Basis für eine sichere Familiengründung.

„Wenn DAX-Vorstände 57-mal mehr verdienen als ihre Mitarbeiter und ich nach vier Jahren Bundestag die gleichen Rentenansprüche erwerbe wie nach 25 Jahren meines bisherigen Arbeitslebens, dann liegt noch viel politische Arbeit vor mir“, resümierte Ferschl.

Nach einer Stunde aufmerksamen Zuhörens tauschten sich die Gäste im vollbesetzten Podium bei einem kleinen Imbiss noch in entspannter Atmosphäre aus.

von Jürgen Wischhöfer

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