Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr (fast) unverändert

"Schad' is schon!"

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General Maus: „Bei aller verständlichen Wehmut bleibt die Tradition fortbestehen".

Kaufbeuren – Großen Zuspruch fand der gemeinsame Neujahrsempfang am Donnerstag im Offiziersheim am Fliegerhorst von Stadt und Bundeswehr. In ihren Ansprachen gingen Oberst Harald Burghardt und OB Stefan Bosse auf die erst kürzlich erfolgte Auflösung der TSLw 1 und die jetzige neue Struktur ein – aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Das Einzige, was sich geändert hatte, war der Name einer der beiden Gastgeber. Ansonsten waren keine Veränderungen beim Neujahrsempfang im Offizierheim des Kaufbeurer Fliegerhorstes spürbar. Der traditionell gemeinsame Empfang von Stadt und Bundeswehr war mit deutlich über 300 Teilnehmern auf noch stärkeres Interesse gestoßen als sonst. Oberst Harald Burghardt als früherer Leiter der TSLw 1 und jetziger Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe Abteilung Süd (TAusbZLw Abt. Süd) betonte, dass sich durch die politischen Entscheidungen auch zukünftig an der qualitativ hochwertigen Ausbildung nichts ändern werde. Er stellte aber „ganz persönlich und sicher etwas sentimental“ im Hinblick auf eine mögliche Verlagerung des Standortes fest: „Schad is‘ schon!“ 

Zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, der Geistlichkeit sowie Vertreter aus Wirtschaft, Handel, Kultur und der Zivilgesellschaft waren der Einladung gefolgt. Auch Oberst Peter Kraus als Kommandeur des TAusbZLw aus Faßberg war anwesend. In ihren Ansprachen gingen Oberst Harald Burghardt und Oberbürgermeister Stefan Bosse auf die Vergangenheit der Technischen Schule der Luftwaffe 1 und die mögliche Entwicklung am Fliegerhorst ein. „Bis zum Umzug wird noch einiges Wasser die Wertach herunterfließen“, so der Oberst. Und die Soldaten würden sich in Kaufbeuren weiterhin sehr wohl fühlen. Den Zeitplan für einen Umzug ab 2017 halte er aufgrund der Vorbereitungen für die Infrastruktur auf dem Lechfeld für „sehr sportlich“. 

Rückschau

In einer kurzen Rückschau ging der Kommandeur auf die Geschichte der TSLw 1 seit ihrer Gründung 1957 mit einigen wesentlichen Eckpfeilern ein. Dazu gehörte anfangs die Ausbildung von Technikern an den Flugbaumustern F 84 und F 86, danach am Starfighter, der Phantom und schließlich am Tornado sowie am Eurofighter. Der Quantensprung in der Ausbildung der Flugsicherung im Simulator fand dabei ebenso Erwähnung wie das 2008 eingeführte „Optimierte Eigen- modell“ (OEM) und die Integration der Ausbildungswerkstatt aus Memmingen. Burg- hardt sagte, mit Blick auf die Tradition der TSLw 1 gelte es, deren Geschichte und Leistungen zu bewahren betonte aber abschließend: „Es gibt viel zu tun – in welcher Organisationsform auch immer - wir packen’s an!“ 

"Politische Résistance" 

Der Kaufbeurer OB stellte in seiner Ansprache fest, dass der Empfang die seit Jahrzehnten bestehende enge Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Stadt zeige. Mit Blick auf die Entscheidung vom 26. Oktober 2011 blicke man nun gemeinsam nach vorne. Doch er skizzierte Unterschiede. Das Militär müsse sich der Herausforderung der Umgliederung stellen. Für die Stadtpolitik kündigte er eine Doppelstrategie mit „politischer Résistance“ an: „Einerseits wollen wir erreichen, dass möglichst viele Soldaten und zivile Beschäftigte möglichst lange in Kaufbeuren bleiben können, von uns aus gerne für immer!“ Auf der anderen Seite sehe man das sukzessive Freiwerden des Fliegerhorstes in den nächsten Jahren als – zwar nicht angestrebte, aber doch neue - Jahrhundertchance, die unbedingt genutzt werden müsse, um neue und zukunftsträchtige Arbeitsplätze nach Kaufbeuren zu holen. Hier nannte er in Anlehnung an die im Gespräch befindliche Windkraftformel zehn Arbeitsplätze pro Hektar als Ziel. Auf die Fläche des Fliegerhorstes übertragen bedeute das 2.300 neue Arbeitsplätze. Der OB erläuterte weitere zukünftige Herausforderungen wie beispielsweise den vierspurigen B 12-Ausbau, die Erneuerung der Fußgängerzone und die Weiterentwicklung am Forettle und endete mit den Worten: „Wir gehen mit einer starken Stadt in die Zukunft!“ 

General Maus ging in einer kurzen Ansprache auf die Gründe für die Veränderungen in der Schullandschaft in der Luftwaffe ein, was besonders in Kaufbeuren zu unterschiedlichen Phasen der Betroffenheit bei den Angehörigen der Schule geführt habe. Als sichtbares Zeichen für das Fortbestehen der Tradition stiftete er abschließend ein Fahnenband für die alte Truppenfahne der Ausbildungs- einrichtung. Für alle Gäste bestand die Möglichkeit, gegen eine Spende die umfangreiche Chronik der TSLw 1 zu erhalten, die unter Federführung von Hauptmann a. D. Matthias Tietje entstanden ist. von Wolfgang Becker

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