Noch eine weitere Chance

inen Ordner mit über 50 Bildern von nackt posierenden Kindern und Jugendlichen besaß ein Kaufbeurer. Mindestens zehn davon fallen unter den Tatbestand der Kinder-, 25 unter den Tatbestand der Jugendpornografie. Dafür wurde der Mann von Richterin Ulrike Hämmerle am Amtsgericht Kaufbeuren zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt.

Schon einmal war er aktenkundig geworden, als er im Jahre 2003 des sexuellen Missbrauchs an einem 13-Jährigen beschuldigt worden war. Damals hatte er neun Monate Haft bekommen, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt worden war. Dem Angeklagten, der allein wohnt, jedoch einen Vormund hat, zusätzlich ambulant betreut wird und in einer Einrichtung für Behinderte arbeitet, wurde vom anwesenden Sachverständigen (Ärztlicher Direktor im BKH Kaufbeuren, Norbert Ormanns) eine „verminderte Intelligenz“ sowie ein „psychosexueller Reifemangel“ bescheinigt. Nach eingehender Untersuchung und Befragung des Angeklagten habe er erfahren, dass dieser sich bereits als Jugendlicher für gleichaltrige Jungen „interessiert“ habe. Bei dieser Vorliebe sei der Beschuldigte dann auch mit dem eigenen Älterwerden geblieben. Obwohl der Experte von ihm als einem „kindlich naiven, schüchternen und zurückhaltenden Menschen“ sprach, der laut Befragung noch nie tatsächliche „sexuelle Beziehungen, weder zu Erwachsenen noch zu Minderjährigen“ gehabt habe, sahen alle Anwesenden den Mann als schuldfähig an, zudem dieser seine Tat einräumte. Auch habe sein Verhalten in dem Internetcafé, in dem er sich mangels eines eigenen Internetanschlusses die Bilder heruntergeladen hatte, für ein Schuldbewusstsein gesprochen, wie eine Zeugin aussagte. Sie hatte im betreffenden Zeitraum 2009 in einer Kaufbeurer Spielhalle gearbeitet, in der auch ein Internetcafé betrieben wurde. Dort sei ihr der Angeklagte aufgefallen, weil er sich stets sehr bemüht habe, den Bildschirm während seiner Benutzung verdeckt zu halten. „Als ich ihm dann einmal Druckerpapier gebracht habe, konnte ich sehen dass er sich kinderpornografische Bilder ausdruckt“, so die Zeugin. Durch ihre anschließende Aussage bei der Polizei kam es dann auch zur Durchsuchung der Wohnung des Kaufbeurers. Das Bildmaterial selbst beurteilte selbst die Staatsanwältin als „sehr moderat im Vergleich zu anderen Fällen“. Zu sehen sei reines „Posieren“, nirgends werde eine sexuelle Handlung dargestellt. „Natürlich gilt der Strafrahmen für Kinderpornografie von Geldstrafen bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug in krassen Einzelfällen schon für ein einziges Bild. Andererseits gibt es auch Fälle, wo Leute bis zu 15.000 Filmdateien mit Missbrauchszenen besitzen. Da muss man im heutigen Fall abwägen“, so die Staatsanwältin. Als negativen Aspekt bei der Urteilsfindung beschrieb die Richterin die Vorstrafe des Beschuldigten, sprach aber auch aufgrund der stattfindenden ambulanten Betreuung von einer günstigen Sozialprognose und wertete auch das ehrliche Geständnis positiv. Zudem bedauerte der Angeklagte die Tat. „Sollte es jedoch noch mal zu einer ähnlichen Tat kommen, wird sicher nicht mehr so glimpflich verfahren“, betonte die Vorsitzende.

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