Flurbegehung Kurfürstenallee

+
Ferdinand Bisle vom Amt für ländliche Entwicklung diskutiert mit den beteiligten Landwirten mehrere Varianten der Wegführung am Galgenberg.

Marktoberdorf – Noch strahlt die Kurfürstenallee in herbstlichem Kleid, doch die Blätter fallen schon in Erwartung winterlicher Temperaturen. Die Stadt hingegen denkt, was die Zukunft der Lindenallee anbelangt, schon weit über den Winter hinaus.

Erklärtes Ziel von Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell ist ein nachhaltiges Konzept zum Erhalt der Allee für die nächsten Generationen. Und eine Beendigung des seit Jahren schwelenden Konflikts unter den verschiedenen Nutzern, seien es Spaziergänger, Naturschützer oder Landwirte (wir berichteten mehrfach). 

Eine Flurbegehung vom Galgenberg bis zur Kurfürstenallee vergangene Woche sollte die Akteure von Stadt, Naturschutz und Landwirtschaft zusammenbringen und der Lösung wieder ein Stück näher. Bisher scheiterte jegliche praktische Umsetzung an den Differenzen unter den Beteiligten. Dieses Mal, so hieß es hernach aus der Stadtverwaltung, habe sich zumindest keiner quer gestellt. 

Entlastung gefordert 

Bekannterweise ist die Allee neben Spazierweg und Flaniermeile vor allem eines: Erschließungsstrecke der umliegenden Felder für die benachbarten Landwirte. Diese sind auf die zwei Kilometer lange Lindenallee angewiesen, um ihre Felder zu bewirtschaften. Andererseits schaden Größe und Gewicht von Traktoren und ihren Anhängern dem Wurzelwerk der teilweise 230 Jahre alten Linden. Im August wurden erst mehrere Bäume aus Gründen der Verkehrssicherung gefällt. Laut Stadtverwaltung stelle es nun eine grundlegende Aufgabe dar, den landwirtschaftlichen Verkehr aus der Allee auf andere Wege zu verlagern. Hell appellierte denn auch unmissverständlich in Richtung der betroffenen Landwirte: „Wenn sich jetzt einer ausklinkt, wird es nicht funktionieren.“ 

Neues Wegenetz 

Eine Neugestaltung des Wegenetzes hänge stark von der Mitwirkung der betroffenen Grundstückseigentümer ab, betonte das Stadtoberhaupt. Dies war auch den Landwirten klar, die sich alle zur Flurbegehung auf der Hofstelle von Karl Filser am Galgenberg eingefunden hatten. Sie diskutierten mehrere Varianten eines Parallelwegs zur Allee, doch ein Favorit konnte auch nach längerem Abwägen nicht ausgemacht werden.

 Denn Ersatzwege sollten, so das Anliegen der Bauern, weder direkt durch ihre bewirtschafteten Felder gehen noch unnötig viel Fläche verbrauchen. „Dass jeder seinen Grund verteidigt, ist ja auch klar, oder?", machte Landwirt Karl Filser deutlich. 

Dennoch zeigte sich Ferdinand Bisle, Abteilungsleiter beim Amt für ländliche Entwicklung in Krumbach, verhalten optimistisch. Immerhin hätten alle Seiten nach einer gemeinsamen Lösung gesucht, hieß es hernach von der Stadt. Nun sollen vertiefende Gespräche mit den einzelnen Grundstücksbesitzern stattfinden. Eine Neugestaltung des Wegenetzes werde allerdings einen Zeitraum von mehreren Jahren in Anspruch nehmen. 

Pflegewerk 

Ein umfangreiches Sanierungskonzept, wie es die Stadt für die kurfürstlich angelegte Allee plant, erfordere zunächst eine umfangreiche Bestandsaufnahme. Deshalb soll die Allee in ihrer Gesamtheit als Naturdenkmal, Baudenkmal und Landschaftsschutzgebiet erfasst werden. Im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde und gefördert von der Regierung von Schwaben soll bis Ende 2016 ein so genanntes Pflegewerk erstellt werden, aus dem die erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt der Allee abgeleitet werden können.

von Angelika Hirschberg

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene

Kommentare