Nutzen überwiegt das Risiko

„Ab welchem Alter sollte ich eine Darmspiegelung machen lassen?”, „Wie läuft eine solche Untersuchung ab?”: Solche und ähnliche Fragen wurden am vergangenen Samstag im Klinikum Kaufbeuren beantwortet. Zwischen 9.30 und 16.30 Uhr konnten sich Interessierte hier über das neue Darmzentrum des Krankenhauses informieren. Es stellten sich unter anderem der Pflegedienst, die Strahlentherapie, das Reanimationsteam oder auch Selbshilfegruppen vor. Neben vielen Ständen und Versuchsanordnungen zum Thema Darm und Bauchhöhlendiagnostik gab es auch stündliche Führungen durch verschiedene Abteilungen, die sehr gut besucht waren.

Trotz des schönen Wetters waren hunderte Besucher gekommen, um sich über die Bereiche Koloskopie (Darmspiegelung), Tumorerkennung und Laparos- kopie fachmännisch beraten zu lassen. Bei der Laparoskopie zum Beispiel werden optische Instrumente nadelähnlich durch die Bauchdecke in die Bauchhöhle eingeführt. Durch eine Kamera am Kopf des Gerätes kann der jeweilige Arzt die betreffenden Organe und eben auch eventuelle Erkrankungen wie Entzündungen oder Zysten erkennen. Da es die Möglichkeit zur Vergrößerung gibt, ist diese Diagnostik viel genauer als früher, als der Patient für Untersuchungen des Bauchraumes noch regelrecht „aufgeschnitten” werden musste. Dies wurde im Foyer mit Hilfe einer Puppe mit „Innereien” aus Gummibärchen eindrucksvoll gezeigt. Bei der Führung um 15 Uhr ging es dann noch mehr ins Detail: Chefarzt Dr. Strobel, Leiter der endoskopischen Abteilung (Endoskopie: Untersuchung von Körperöffnungen mit einem schlauchartigen Gerät), führte anhand einer Paprika eine Darmspiegelung von Anfang bis Ende vor. Diese dauere im Schnitt nicht länger als 20 Minuten, allerdings müsse der Darm des Patienten dafür vollständig entleert sein, so Dr. Strobel. Dies sei zwar nicht angenehm, aber auszuhalten. „Unsere Aufgabe ist es, die Menschen vom Sinn einer Darmspiegelung zu überzeugen. Wer Probleme wie Hämmorhiden, Schmerzen oder Blutungen hat, sollte wenigstens einmal abklären lassen, ob nichts ernsteres dahinter steckt”, sagt der Chefarzt. Auch ab einem Alter von etwa 40 Jahren sei eine Untersuchung sinnvoll. „Die Risiken seien heutzutage überschaubar und kein Vergleich zum Nutzen der Behandlung. Eine ähnliche Meinung vertrat auch Dr. Heinrich Stiegler, der den „Tumorboard” vorstellte, einen Raum, in dem bei entsprechenden Befunden das weitere Vorgehen mit Hilfe moderner Computer und Projektoren besprochen wird. Er zeigte einige Aufnahmen von Tumoren und machte damit sehr eindringlich klar, wie entscheidend eine Früherkennung im Einzelfall sein kann. „Es kann natürlich bei jedem Eingriff Komplikationen geben. Aber dieses geringe Risiko lohnt sich! Ich würde mir auch wünschen, dass die Hausärzte und andere Kliniken unser spezielles Angebot zur Diagnostik im Darm- und Tumorbereich besser nutzen würden.” Eine Besonderheit des Kaufbeurer Klinikums und damit auch des Darmzentrums ist die Pathologie im eigenen Haus. „Leichen aufschneiden - das war gestern. Heutzutage sind wir Pathologen hauptsächlich mit der Analyse von Gewebeteilen beschäftigt”, sagt Dr. Gaumann, Chef der Pathologie. Der sogenannte „Schnellschnitt” macht es möglich, während der Opera- tion entferntes Gewebe innerhalb von 20 Minuten zu bestimmen und dem Arzt das Ergebnis mitzuteilen, während der Patient noch in Narkose liegt. So kann bei unerwarteten Befunden sofort noch im OP reagiert werden, Zweit-OPs können vermieden werden. Die Besucher waren durchweg beeindruckt, welche Fortschritte die Medizin ständig macht und vor Allem, wie entscheidend eine frühe Diagnose für den einzelnen Menschen sein kann. Zur Stärkung des Vorsorge-Bewusstseins hat das Krankenhaus Kaufbeuren hier auf jeden Fall einen wichtigen und vor allem informativen Beitrag geleistet.

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