„Wir sind groß, wir sind stark“

Oberbeurer AWO-Kindergarten feiert 50. Geburtstag gleich zweimal

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Viel Stimmung beim gemeinsamen Singen gab es beim AWO Kinderfest zum 50. Geburtstag.

Kaufbeuren-Oberbeuren – Den 50. Geburtstag zweimal feiern? Genau betrachtet, passt das anschließende Kinder- und Familienfest gut zum sozialen und ökologischen Konzept der AWO-Einrichtung, die auf drei pädagogischen Füßen steht: Die Kinderkrippe, das Kinderhaus und die Waldgruppe. Am Freitagabend wurde mit einem offiziellen Empfang mit 135 geladenen Gästen der offizielle Anfang der Festlichkeiten gemacht.

Die Festreden von Oberbürgermeister Stefan Bosse und vom Vorstandsmitglied der Kinder- und Jugendhilfe der AWO, Hans Scheiterbauer-Pulkkinen, betonten anerkennend sowohl die pädagogische Pionierrolle der Einrichtung als auch die engagiert-kreative Leitung von Gertraud Echter-Burkhardt, die von allen familiär als Traudl angesprochen wird. Danach wurde unter musikalischer Begleitung des Berliner Duos „Berge“ bis weit in die Nacht weitergefeiert.

Zweite Runde: Kinderfest

Doch damit war noch nicht genug. Da der gute Kontakt zwischen AWO-Team, Eltern der gegenwärtigen und früheren Besucher des Kindergartens sowie Freunden und Nachbarn traditionsgemäß mit vielen jährlichen Aktionen gepflegt wird, luden die Mitarbeiter ebenfalls zum Kinderfest am Samstag ein. Und der Besuch lohnte sich, schließlich warteten sowohl für die Kleinen als auch für die Großen spannende und familienfreundliche Aktionen. Brunch, Experimente mit Farben, Kreativwerkstatt, Weidenflechten, Waffelbacken, Schminken und das Figurentheater „Pantaleon“ standen auf dem vielseitigen Aktionsprogramm.

Ein nachhaltiges Gemeinschaftserlebnis wurde es, wenn kreatives Kindergartenpersonal, tatkräftige Eltern und Großeltern gemeinsam mit den Kindern Hand bei kreativen Bastelaktionen anlegten.

Während die Kleinen bei sonnigem Herbstwetter im Garten spielten und tobten, hatten die Eltern Zeit und Gelegenheit, Gedanken und Erinnerungen auszutauschen. Die Älteren erinnerten sich noch, wie viel sich in den fünfzig Jahren verändert hat, wie groß inzwischen die einst so überschaubare Einrichtung geworden ist. Bei diesen Erinnerungen schien die Kindergartenleiterin und Montessoripädagogin Echter-Burkhardt schon immer mit ihren kreativen Aktivitäten und ausgefallenen Ideen dabei gewesen zu sein. Das stimmt nicht ganz,jedoch sind 33 Jahre in der 50-jährigen Geschichte schon eine beachtliche Zeitspanne.

Um einen kleinen Eindruck von ihr zu vermitteln wäre zum Beispiel zu nennen, wie sie im Garten mit Eltern, Kindern und Team gemeinsam sang: „Wir sind Kinder dieser Erde. Wir sind groß. Wir sind stark. Wir sind wunderbar.“

Wenn zwei der Mitarbeiterinnen erklärten, dass sie die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess „nur“ begleiten wollen, dann betonten sie, dass die ihnen anvertrauten „Kleinen“ über ihre eigenen Rechte und oft ungeahnten Kompetenzen verfügen. Dies ermöglicht, dass selbst die Kinder mitbestimmen und mitgestalten.

Ungewöhnliche Einrichtung

Entsprechend dieser Grundhaltung besteht das Kinderhaus nicht aus verschiedenen, getrennten Gruppen, denen die Kinder zugeordnet werden, sondern diese dürfen selbst jeden Tag bestimmen, in welchen Räumen sie an den Angeboten teilnehmen möchten: Sie haben die Wahl, ob an Projekten im Themenraum, in der Lernwerkstatt, in der Bewegungsbaustelle oder im Rollenspielraum teilgenommen wird.

Viele Eltern sind sich einig, dass die Einführung der Waldgruppe – bis vor kurzem die einzige in der Region – einen wichtigen Schritt darstellte. So berichtete eine begeisterte Mutter, dass ihr Sohn ständig neue Sachen aus dem Wald mit nach Haus bringen würde. Steine, Blätter, Äste, Wurzeln und selbst Knochen seien dabei. Hervorragend finde sie, dass die Kinder auf diese Weise sehr aktiv und spielerisch ihre natürliche Umwelt entdecken. Körperlich, geistig und seelisch hätte ihr fünfjähriger Sohn eine tolle Entwicklung gemacht, seitdem sie ihn vor einem Jahr für diese Gruppe anmeldete, schwärmte sie weiter.

Eine andere Mutter, die früher selbst drei Kinder in diesem Kindergarten hatte, betonte die positiven sozialen Beziehungen zwischen allen, die von gegenseitigem Respekt und wechselseitiger Rücksichtsnahme geprägt seien, und die oft weit über die Kindergartenzeit hinaus gingen. Für sie gute Gründe, zum Fest zu kommen, um sich wieder zu sehen und Erinnerungen auszutauschen.

Denjenigen Eltern, die einen Kindergartenplatz suchen und die nicht bei einem der beiden Feste dabei sein konnten, wird geraten, bei einem persönlichen Besuch Konzeption und Kindergartenalltag kennenzulernen. Berücksichtigung der kindlichen Rechte und Vertrauen in die vielfältigen Fähigkeiten der Kinder würden nach Angaben der Eltern als tragende Säulen dieser Kindergartenpädagogik überzeugen.

von Peter Suska-Zerbes

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