Oberbürgermeister stellt sich den Bürgern

Bosse: Die Rede von der „Einzelhandelsvernichtungsmaschine“ Forettle-Center ist eine „Mär“

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Eine multifunktionale Nutzung des Eisstadions ist nicht möglich – Sportveranstaltungen aber durchaus denkbar.

Kaufbeuren – Neben Fragen und Anliegen zur Verkehrssituation wurden in der Bürgerversammlung im Kaufbeurer Stadtsaal am Mittwochnachmittag Themen wie der Leerstand in der Altstadt, sozialer Wohnungsbau und multifunktionale Nutzung des Eisstadions aufgegriffen.

Die Rede von der „Einzelhandelsvernichtungsmaschine“ Forettle-Center, die maßgeblich am Leerstand in der Innenstadt beteiligt sein soll, sei laut Oberbürgermeister Stefan Bosse lediglich eine „Mär“. Denn der Leerstand herrsche nicht etwa seit heute, sondern schon seit vielen Jahren – zum einen bedingt durch teilweise marode, nicht mehr nutzbare Gebäude in der Altstadt, insbesondere aber durch den Wandel im Kaufverhalten. Nun gelte es, gemeinsam mit Einzelhandel und Gastronomie zu versuchen, eine gute Lösung zu entwickeln.

Im Hinblick auf das Forettle-Center hob der OB die „funktionierende Verkehrsführung“ positiv hervor. Im Mai käme dann der Übergang am Schwanenweiher entlang. Weitere Ideen gebe es etwa zum Thema Bepflanzung, und auch ein City-Bus für attraktivere Verbindungen sei eventuell angedacht. Als Stadt könne man aber letztlich nur die Rahmenbedingungen schaffen, gefragt sei hier der Bürger: „Wir können nicht erzwingen, dass die Menschen in die Innenstadt gehen“.

Keine uneingeschränkte Nutzung möglich

Was eine mögliche multifunktionale Nutzung des Eisstadions angeht, musste Bosse weitestgehend eine Absage erteilen: Denn auch wenn er betonte, dass angesichts der schmerzhaft hohen Investition in das Eisstadion, die Halle nicht allein Stätte des Kaufbeurer Eissports sei, sondern allen gehöre, sei die „völlig uneingeschränkte Nutzung“ nicht möglich. Auch außerhalb der Eishockey-Saison käme eine anderweitige Nutzung der Halle, zum Beispiel für Konzerte, Messen oder Party-Events nicht infrage, da man durch ein solches Angebot des mit staatlichen Geldern gebauten Stadions gegen Wettbewerbsrecht verstoßen würde. Nichtsdestotrotz könne die Halle beispielsweise bei schlechtem Wetter zur Tänzelfest-Eröffnung genutzt werden. Auch für Sportveranstaltungen, wie Skaten auf der Inline-Bahn und eventuell Kulturveranstaltungen sei eine Nutzung möglich.

Schwerpunkt liegt nicht auf sozialem Wohnbau

Auch die Frage nach sozialem Wohnungsbau in Kaufbeuren kam in der Versammlung auf. Es werde laut Oberbürgermeister Bosse kein Schwerpunkt auf den Bau von Sozialwohnungen gelegt, weil dadurch verstärkt Menschen aus dem Umkreis angezogen würden, was nicht im Sinne der Kaufbeurer Bürger und „maximal unsolidarisch“ sei. Bei größeren Bauvorhaben müssen nach einem Beschluss des Stadtrats ohnehin zehn Prozent geförderte Wohnungen entstehen. Derzeit entstünden „Hunderte von Wohnungen“, die weniger sozialen Wohnungsbau beinhalten, weil dies eine „zusätzliche Sogwirkung“ entfalte.

Parkhaus am Klinikum

Der Parkplatznotstand am Klinikum wurde außerdem angesprochen. Dazu stellte der OB baldige Abhilfe durch den Bau eines Parkhauses in Aussicht. So habe man bereits ein Ingenieurbüro damit beauftragt, eine Standortanalyse zu betreiben. Eine Herausforderung stelle während der Bauphase der vergrößerte Notstand und die Frage nach der Situierung dar, für die es eine Lösung zu finden gelte. Das Parkhaus soll bereits vor dem nächsten Winter fertig sein, so das anvisierte Ziel.

von Mahi Kola

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