„Mir sin koi Trachtenverein!“

Obergünzburg: Arbeitskreis Heimatkunde feiert hundertsten Geburtstag und wünscht sich dringend Nachwuchs

+
Einige waren in historischen Trachten erschienen. Zu der Biedermeier-Gruppe hat sich eine Dame aus dem Rokoko gesellt.

Obergünzburg – Einhundert Jahre ist es her, dass Kriegsheimkehrer aus dem ersten Weltkrieg die „Heimatlergemeinde“ gründeten und sich die Pflege der gesamten Heimatkunde zum Vereinsziel setzten.

Am Freitag vergangener Woche fand im Hirschsaal von Obergünzburg der Festakt zum hundertjährigen Bestehen des Arbeitskreises für Heimatkunde Obergünzburg, ehemals „Heimatlergemeinde Obergünzburg“ statt.

Die Liebe der Vereinsmitglieder zu ihrer Heimat, sagte Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus in seinem Grußwort, manifestiere sich nicht nur in der Pflege der Kulturgüter, sondern auch im Vermitteln der geschichtlichen Zusammenhänge. „Wenn geschichtliche Zusammenhänge verloren gehen, geht Heimat verloren“, sagte Leveringhaus und spielte dadurch auf den Nachwuchsmangel des Vereins an, der dringend neue Mitglieder brauche, um seiner wertvollen Chronistenpflicht weiter nachkommen zu können.

Durch den von der „Filzlaus-Musik“ begleiteten Abend führte das Komikerduo Jürgen Hailer und Ludwig Ohneberg, bekannt aus den Obergünzburger Bierabenden. Mit pointenreichen Zwiegesprächen und absurden Begriffserklärungen amüsierten sie das Publikum hervorragend und balancierten zwischen volkstümlicher Behäbigkeit und satirischem Witz. Die Heimatler seien „koi Trachtenverein“, dozierte Ohneberg grimmig und: „S‘Ehrenamt isch a sauhaufa Arbeit und hascht nix davon.“

Ein neues Buch wird vorgestellt

Anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Vereins erschien der sechste Band der Obergünzburger Schriftenreihe unter dem Titel „Obergünzburger Geschichte(n)“. In diesem Band kommen mehrere Autoren zu Wort, die über die Geschichte der Heimatler-Gemeinde schreiben, und mit interessanten Dokumenten und Zeugnissen aufwarten. Das Buch entstand auf Initiative des kürzlich verstorbenen Vereinsschriftführers Wolfgang Hönig unter editorischer Federführung von Anton Traut. Da Wolfgang Hönig bereits in der Vorbereitungsphase des Buches verstarb, sei die Zusammenarbeit zu kurz gewesen, bedauerte Traut und würdigte die exzellente Vorarbeit seines verstorbenen Kollegen. 

Der ehemalige Kirchenpfleger Hermann Knauer stellte wichtige Persönlichkeiten des Marktes Obergünzburg vor, und der erste Archivleiter Peter Pfister, den Bürgermeister Leveringhaus als „tragende Säule der Geschichtsschreibung“ bezeichnete, steuerte mit seiner „Landtafel der Pflege Liebenthann“ zu diesem Buch unter anderem einen wichtigen Teil der Geschichte Ebersbachs bei. Beim Schreiben des Buches habe er keine chronologische Absicht gehabt, erzählte Traut, sondern das Buch enthalte „exemplarische Beiträge aus den verschiedenen Arbeitskreisen“. 

Zwischendurch gaben die Autoren einige Leseproben zum Besten, deren Anekdotenhaftigkeit und teilweise humoristische Erzählweise nicht nur die Begeisterung der Akteure von damals vermittelt, sondern auch die der Dokumentare. „Kaufts des Buch! Es ist ein tolles Weihnachtsgeschenk“, bewarb Hermann Knauer den reich bebilderten Band, der für 34,50 Euro zu erstehen ist. Die Entstehung des Buches fand mit Unterstützung der Marktgemeinde Obergünzburg statt.

Felix Gattinger

Auch interessant

Meistgelesen

Kunstreiter-Buronia-Ball 2020: Schongauer Prinzengarde begeistert erneut im Stadtsaal Kaufbeuren
Kunstreiter-Buronia-Ball 2020: Schongauer Prinzengarde begeistert erneut im Stadtsaal Kaufbeuren
Einmalig: Tag des offenen Tunnels in Bertoldshofen
Einmalig: Tag des offenen Tunnels in Bertoldshofen
Buchloe: Elfriede Klein als Bürgermeisterkandidatin der Grünen bestätigt
Buchloe: Elfriede Klein als Bürgermeisterkandidatin der Grünen bestätigt
Berufsinfotag Kaufbeuren 2020
Berufsinfotag Kaufbeuren 2020

Kommentare